Daimler forciert Elektroantrieb bei Nutzfahrzeugen : Van, Truck und Bus – das futuristische Trio

Daimler forciert Elektroantrieb bei Nutzfahrzeugen
Van, Truck und Bus – das futuristische Trio

Der Urban e-Truck, der Vision Van und der Future Bus – Mercedes zieht auf der Nutzfahrzeug-IAA die ganz große Elektroshow ab. Hinter den futuristischen Studien steckt aber noch mehr. Denn die Daimler AG versteht nicht mehr ausschließlich als reiner Hersteller.
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Es ist das gleiche Bild wie beim Pkw-Pendant in Frankfurt: Wer in diesen Tagen bei der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover den Daimler-Stand besucht, wird auf eine Zeitreise mitgenommen. Auf einen Trip in die Zukunft. Denn hier stehen nicht die Laster von morgen, sondern die von übermorgen. Mit einem Aufwand, wie man ihn in dieser Branche so noch nicht erlebt hat, haben die Entwickler der Bus-und-Truck-Sparte aus dem Sternen-Imperium gleich drei visionäre Studien verwirklicht: Vision Van, Urban e-Truck und Future Bus.

Wie weit uns Mercedes mit diesen drei spektakulären Studien, die allesamt auf reinen Elektroantrieb setzen, in die Zukunft blicken lässt, weiß keiner genau. Wolfgang Bernhard, der für die Nutzfahrzeugsparte zuständige Daimler-Vorstand, ist allerdings überzeugt, dass die Zeitenwende bei der Elektro-Mobilität bereits eingesetzt hat und sie sich „viel dynamischer entwickelt, als wir das alle für möglich halten würden“.

Und kühn ergänzt der 56-Jährige, dass Daimler mit der Umsetzung der visionären Ideen „den Transport völlig neu erfindet“. Für Güter und Personen. Auf Autobahnen und in Städten. So sei der Urban e-Truck als erster emissionsfreier schwerer Truck die beste Antwort auf immer rigideren Zufahrtsbeschränkungen in verstopften Großstädten. Der sogenannte Verteilerverkehr im eher innenstädtischen Bereich könne mit ihm flüsterleise und sauber durchgeführt werden. Und mehr noch. Er ist komplett vernetzt, und bietet einschließlich eines intelligenten Reichweiten-Managements quasi ein Rundum-Sorglos-Paket für Transport- und Logistik-Unternehmen aus einer Hand.

Das umfasst eine flexible und effiziente Routenplanung, die Staus und sogar die Wetterlage mit einbezieht, die Optimierung des Energieverbrauchs, das Ansteuern der Ladestationen bis hin zum kompletten Lademanagement. „Das garantiert einen hoch effizienten Betrieb“, erklärt Bernhard. Und zudem will Daimler künftig auch noch stationäre Stromspeicher anbieten, die schon heute aus Antriebsbatterien von Elektroautos hergestellt werden. „Wir müssen uns von einem reinen Hersteller in einen Dienstleistungsanbieter verwandeln“, gibt der Kopf der Nutzfahrzeug-Division die Marschrichtung für die Zukunft vor.

Ehrgeizige Pläne, wobei der Urban e-Truck aber allein schon technisch beeindruckt. Verantwortlich für den leisen Auftritt des 25-Tonnen-Kolosses sind zwei Elektromotoren an der Hinterachse direkt neben den Naben, die für eine Gesamtleistung von 250 kW/340 PS sorgen und es im Zusammenspiel auf ein Drehmoment von 1.000 Nm bringen. Damit ist volle Durchzugskraft direkt aus dem Stand garantiert.  Die drei modularen Batteriepakete mit einer Gesamtleistung von 212 kWh sind immerhin für eine Reichweite von 200 Kilometern gut, was für eine Tagestour im Verteilerverkehr üblicherweise voll ausreicht. Die Ladezeit an einer 100-kW-Säule soll nur knapp über zwei Stunden betragen, allerdings sind solch potente Kraftquellen derzeit noch eine Seltenheit.

Und auch wenn die Lithium-Ionen-Akkus zusammen fast 2,5 Tonnen wiegen, wird der Stadt-Laster mit einer Nutzlast von 12,8 Tonnen, wie sie im Verteilerverkehr gängig sind, fertig. Auch der typische 7,4 Meter lange Kühlkoffer für den Frischedienst-Einsatz von Supermärkten und Einzelhandelsgeschäften mit Lebensmitteln lässt sich hinterm Fahrerhaus verbauen.

Während Wolfgang Bernhard die Einführung rein elektrischer Antriebe im schweren Truck auf der Langstrecke für „physikalisch unmöglich“ hält, gibt er dem Verteiler-Lkw eine gute Chance. „Der Urban e-Truck würde im Vergleich zu einem Diesel-Lkw heute sicher einen Aufschlag in fünfstelliger Höhe erfordern“, erklärt der Nutzfahrzeug-Chef.

Allerdings sei der stromernde 25-Tonner frühestens Anfang des nächsten Jahrzehnts serienreif und bis dahin seien die Batteriepreise allemal günstiger. Hinzu kämen aber auch noch die deutlich geringeren Betriebskosten. Denn erstens liegen die Stromausgaben rund 40 Prozent unter einem vergleichbaren Dieselverbrauch und zweitens besitzt ein E-Antrieb viel weniger Verschleißteile, was die Wartungs- und Instandhaltungskosten maßgeblich reduziert. Auch Ölwechsel fallen ja nicht mehr an.

Mindestens genauso futuristisch von Chefdesigner Gordon Wagener gezeichnet präsentiert sich der Vision Van, der mit einer Cloud-basierten Steuerungssoftware ebenso in ein Gesamtkonzept einer komplett digitalisierten Lieferkette eingebunden werden soll. Das Fahrzeug kommuniziert beispielsweise auch über ein als „Kühlergrill“ gestaltetes Black Panel mit der Umwelt und soll vor allem den Lieferverkehr „auf der letzten Meile“ revolutionieren. So gibt es im Cockpit weder Lenkrad noch Pedalerie, dafür aber auf dem Dach zwei Landeplätze für Drohnen, die bei der Auslieferung den letzten Teil des Zustellungsweges vom Auto zum Kunden überbrücken sollen.

Eher als Meilenstein auf dem Weg zu einem autonom fahrenden Omnibus gilt der Mercedes Future Bus, der auch bereits in der Praxis bewiesen hat, dass mit einem City-Pilot an Bord zumindest teilautomatisiertes Fahren im öffentlichen Nahverkehr technisch bereits möglich ist. Auf der knapp 20 Kilometer langen Strecke vom Flughafen Amsterdam Schiphol bis nach Harlem musste der Fahrer jedenfalls kein einziges Mal Gas oder Bremse betätigen.

Dass Mercedes auf der Nutzfahrzeug-IAA mit den drei Zukunftsstudien aber nicht nur eine Show fern jeglicher Realität abzieht, beweist die Ankündigung, schon 2018 mit zwei voll elektrischen Fahrzeugen auf den Markt zu kommen. So ist ein ausschließlich mit Strom angetriebener Bus ebenso versprochen wie ein Sprinter mit E-Antrieb. Und schon im nächsten Jahr ist die Kleinserie eines Fuso e-Canter geplant.

Der Kleinlaster der japanischen Tochter, ein Überbleibsel der einst gescheiterten Fusion mit Mitsubishi, setzt je nach gewünschter Reichweite auf individuelle Batteriesätze mit drei bis sechs Akkupacks à 14 kWh, mit denen die Kunden ihre Bedürfnisse in puncto Reichweite, Preis und Gewicht flexibel anpassen können. Er werde um einen vierstelligen Betrag teurer sein als ein vergleichbarer Diesel, würde in den Betriebkosten aber rund 1.000 Euro auf 10.000 Kilometer einsparen und sich so bereits nach drei Jahren amortisieren.

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  • Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

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