Das Navi wird 25

„Drehen Sie wenn möglich um“

Früher war der Straßenatlas unverzichtbar bei Reisen mit dem Auto. Seit den 1990er Jahren lotsen jedoch zunehmend Navigationsgeräte Autos von A nach B. 25 Jahren nach dem ersten Navi steht der Markt vor einem Umbruch.
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Vor 25 Jahren brachte Bosch das ersten Navi auf den Markt - seinerzeit für den stolzen Preis von 7000 Euro. Quelle: dpa

Vor 25 Jahren brachte Bosch das ersten Navi auf den Markt - seinerzeit für den stolzen Preis von 7000 Euro.

(Foto: dpa)

HildesheimDer Anfang moderner Navigation im Auto erinnert an die Seefahrt. Denn beim ersten Navi, das vor nunmehr 25 Jahren auf den Markt kam, führte noch ein Kompass Regie. Der Autozulieferer Bosch bot damals Bausätze zur Navi-Nachrüstung an, bei denen Radsensoren und ein Kompass ihre Informationen in gespeicherte Straßenkarten einspeisten.

Heute greifen modernen Navis auf GPS-Satellitendaten zurück, um Fahrzeuge ans gewünschte Ziel zu bringen. Doch die maschinellen Fährtensucher haben inzwischen harte Konkurrenz bekommen: Smartphones. Der einst jahrelang boomende Navi-Markt befindet sich im Umbruch.

Während Boschs Navi-Pionier 1989 noch rund 7000 D-Mark kostete, gibt heutzutage die Stiftung Warentest mobilen Navigationsgeräten für nur 130 Euro schon die Note „gut“. Mitte der 1990er Jahre, als bereits GPS die Richtung vorgab, kostete das Navi von Bosch noch 4000 Mark. Zu haben war es als Serien-Extra in den Flaggschiffen S-Klasse von Mercedes und 7er-BMW.

Mit dem Navi in den Straßengraben
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Das Navigationsgerät gehört wohl zu den technischen Errungenschaften, die das Leben der Menschen in den letzten 20 Jahren am meisten verändert hat. In einer Zeit, in der Mobilität für jedermann ein Versprechen der Gesellschaf ist, vertrauen Millionen Autofahrer ihrem „Navi“. Doch nicht selten führt dieses Gottvertrauen zu kuriosen Ausflügen ins Nirgendwo, denn: Nicht immer funktioniert die Technik reibungslos ...

rolls royce
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Unbezahlbarer Schaden

Im Juni 2010 hatte ein Navigationsgerät einen 85-jährigen Fahrer zum Umkehren aufgefordert. Der Fahrzeuglenker wendete daraufhin sein Fahrzeug verbotswidrig an einer Autobahnauffahrt und übersah ein entgegenkommendes Fahrzeug, eine uralte Rolls-Royce-Sonderanfertigung. Den Schaden am Oldtimer bezeichnete dessen Halter als unbezahlbar, da es sich nach seinen Angaben um ein Unikat handele, das ursprünglich für den Emir von Bahrain gefertigt worden war.

belgierin
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Belgien statt Brüssel

Das kann aber nicht nur auf die Technik schieben: Wie erst die britische Daily Mail und dann Bild.de berichtete wollte die belgische Rentnerin Sabine Moreau eigentlich nur einen Freund abholen. Vom Bahnhof in Brüssel. Fahrstrecke rund 95 Kilometer. Sie stieg in ihr Auto, tippte das Fahrziel in ihr Navi – und landete im 1.500 Kilometer entfernten Zagreb. Dafür durchquerte die 67jährige von ihrem Wohnort Solre-sur-Sambre aus halb Europa, wunderte sich nicht über die fremdsprachigen Verkehrsschilder, und zahlte bei mehreren Tankstopps wie selbstverständlich mit der Kreditkarte.

Ob sie sich denn nicht über die Länge der Autofahrt gewundert hätte, wurde sie später von der Polizei gefragt, die von der besorgten Familie eingeschaltet wurde. Moreau antwortete ein wenig zerstreut: „Vielleicht, aber ich war gerade beschäftigt.“ Womit, sagte sie nicht.

FRENCH FARMERS PROTEST AGAINST FUEL PRICES
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Landmaschine auf Irrfahrt

Nicht nur schnelle Autos sollen von den technischen Errungenschaften der heutigen Zeit profitieren, dachte sich wohl ein 16-jähriger Traktorfahrer. Er wusste wahrscheinlich, dass er mit seinem gemütlichen Gefährt nicht auf die Autobahn darf. Fuhr dann aber doch, schließlich gab sein Navigationsgerät den Befehl. Das führte zum Stau beim Rückreiseverkehr auf der A29 bei Wilhelmshaven. Polizeigeleit führte das Fahrzeug zurück auf die Landstraße.

Hochwasser Bayern
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Schnurstracks in den Fluss

In Offenbach verließ sich ein Fahrer derart auf seinen elektronischen Helfer, dass er am Fähranleger direkt in den Main fuhr. Die fünf Insassen konnten sich aus dem Kleinwagen retten, bevor er im Fluss versank. Die Offenbacher Feuerwehr zog das Auto später wieder aus dem Wasser. Möglicher Hintergrund: Google Earth zeigt den Fähranleger mit angedockter Fähre, die bei der Irrfahrt allerdings fehlte.

huGO-BildID: 32284122 In this photo taken on Thursday, June 13, 2013, a sign warns that the Peak Downs Highway will be closed for 15 minutes on Frida
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Ab auf den Feldweg

Dem Navi trotz Straßensperren blind gefolgt: So hat es 2010 eine australische Familie getan, die sich daraufhin auf einem Feldweg festgefahren hat. Wie der Sydney Morning Herald berichtete, musste die vierköpfige Familie mit Hund vier Tage in der Wildnis ausharren, bis Rettung kam. Der Weg war abgesperrt, weil der Darling River im Bundesstaat New South Wales aufgrund starker Regenfälle über die Ufer getreten war und den Weg damit unbefahrbar machte. In der Region ist bekannt, dass die Wegstrecke entlang des Flusses bei starkem Regen gefährlich werden kann. Das Navigationsgerät konnte das natürlich nicht wissen.

Mönche ziehen in die Abtei Michaelsberg
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Mit Vollgas in die Kirche

Ein britisches Rentner-Ehepaar fuhr beim Trip durch Europa in eine Kirche. Das Paar war im Januar 2011 von Österreich in Richtung Frankreich unterwegs, im Weg stand ein Gotteshaus in Immenstadt (Allgäu). Das Navigationsgerät hatte sie dort hinein geleitet. Sie waren zügig unterwegs: An der Kirche entstand ein Sachschaden von 37.000 Euro. Durch den Aufprall entstanden Risse in den Mauern, Bilder fielen von der Wand. Das Ehepaar wurde verletzt und im Krankenhaus behandelt.

Zu den ersten Großkunden für die Technik, die Bosch im niedersächsischen Hildesheim entwickelte, gehörten damals professionelle Fahrzeugflotten. Etwa die Feuerwehr Los Angeles oder hierzulande die Post und Rettungsdienste. Die Entwicklung lief damals in Europa und Japan parallel, Bosch kam dann 1989 mit dem ersten Navi für Europa.

Inzwischen steuert das Navi nicht nur bei Bosch in eine Zeitenwende. Ein Treiber dabei sind internetfähige Handys. So betont etwa der Navi-Riese Garmin, der für VW und Daimler arbeitet: „Das Geschäft mit Navigationsgeräten steht wegen leistungsfähiger Smartphone-Anwendungen unter hohem Druck.“ Garmin verkaufte auch im dritten Quartal 2014 abermals weniger Navis. Der Umsatz im dazugehörigen Segment der Bilanz sank um fünf Prozent.

Auch bei der Branchengröße TomTom schrumpft das Geschäft, zumindest bei tragbaren Navis zum Befestigen im Wageninneren. Die Umsätze sind dort bereits „seit einigen Jahren“ rückläufig, wie die jüngste Bilanz festhält. TomTom sieht ähnlich wie Garmin zwei Gründe: Zum einen sind fest eingebaute Navis zunehmend zentraler Teil der Auto-Cockpits und werden dort zum Standard – der Weg vieler einst luxuriöser Extras.

Bei diesem Effekt verweist Autobranchenexperte Stefan Bratzel auf die bekannte Sicherheitstechnik wie Gurt, Airbags, Antiblockiersystem ABS oder Schleuderschutz ESP. „Solche Extras diffundieren von der Oberklasse in die Breite und werden am Ende oft gesetzlicher Standard“, sagt er. Ein junges Beispiel sei der Notbremsassistent, der Gefahren im Stadtverkehr erkennt und automatisch selber bremst.

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