Nachrichten
Das neue Interesse an US-Klassikern

Klassische US-Autos hatten schon immer ihre ganz eigene Faszination. In Europa allerdings fristeten die alten Cadillacs oder Chevrolets bislang ein Nischendasein. Jetzt allerdings setzt allem Anschein nach eine Trendwende ein.

dpa/gms HüNFELDEN/WIEN. Klassische US-Autos hatten schon immer ihre ganz eigene Faszination. In Europa allerdings fristeten die alten Cadillacs oder Chevrolets bislang ein Nischendasein. Jetzt allerdings setzt allem Anschein nach eine Trendwende ein.

Auch in Deutschland bemerkt man ein neues Interesse am „Amischlitten“ traditioneller Machart. „Es gibt zunehmend Leute, die bisher sportliche Autos wie klassische Mercedes-SL, Porsche oder auch Ferrari bewegten, und die sich nun für amerikanische Klassiker interessieren“, erzählt Tom Witzel vom US-Fahrzeug-Importeur Tom's Club in Hünfelden (Hessen). Seine Erklärung für den Wandel ist, dass mancher Klassiker-Liebhaber verbreitete Fahrvorlieben in Frage stellt. „Wir sind falsch erzogen, wollen immer nur sportlich fahren.“

Doch das sportliche Fahren ist laut Witzel nicht selten auch mit Stress, Anstrengung und Lärm verbunden. Genau das Gegenteil von dem also, was amerikanische Automobile traditionell bieten. „Ein extrem lautloses Fahren in luxuriöser Umgebung, das Auto scheint selbst auf unebenen Straßen zu schweben“, so Witzel. „Das ist unsportlich, aber man will gar nicht schnell fahren.“ Speziell gilt das bei jenen Autos, die Witzel bevorzugt - ihn begeistern nämlich die Oberklasse-Mobile der Marken Cadillac und Lincoln, die er zunächst gesammelt hat und nun auch verkauft.

Maik Hirschfeld, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Motorveteranen-Clubs (Deuvet) in Berlin, sieht je nach Epoche noch weitere Auslöser für das Interesse: „Bei den Fahrzeugen der fünfziger Jahre sind es auch visuelle Gründe.“ Dieses Jahrzehnt war schließlich die Ära der ausladenden Heckflossen und des üppigen Chromschmucks. „In den sechziger Jahren kamen dann auch noch die PS-Zahlen dazu.“ Gerade die so genannten Muscle-Cars bieten Motorleistung in einem Maße, wie sie sonst nur bei europäischen Klassikern der kaum erschwinglichen Oberklasse zu finden ist.

Auch das mittlerweile verbesserte Image dürfte Anteil an dem neuen Interesse haben. „In den achtziger Jahren galten amerikanische Wagen als Zuhälterautos“, erinnert sich Witzel. „Das ist heute nicht mehr so.“ Hinzu kommt noch ein ganz praktischer Grund: „Das sind Autos, die imposant aussehen, aber oft zu vergleichsweise günstigen Preisen zu bekommen sind“, sagt Frank Wilke vom Marktbeobachtungs-Unternehmen Classic Data in Castrop-Rauxel. „Durch die hohen Stückzahlen hält sich der Wert bei vielen Modellen in Grenzen.“

Das gilt beispielsweise für verbreitete US-Limousinen wie einen Chevrolet Caprice. „Solche Autos gibt es zu Preisen ab 4 000 Euro“, sagt Artur Riekmann von US Automobile Riekmann in Wien. Ähnlich sieht es bei bei bekannten Coupés wie Chevrolet Camaro oder Pontiac Firebird aus, die laut Riekmann ebenfalls ab etwa 4 000 Euro zu bekommen sind. Allerdings gibt es hier, wie bei vielen der oft über Jahrzehnte gleichnamigen Modellreihen, auch starke Unterschiede.

Während die Niedrigpreise für die weniger beliebten Fahrzeuge der späteren siebziger Jahre gelten, werden frühe Modelle anders gehandelt. „Die ganz frühen Camaros und Firebirds sind heute schon sehr teuer.“ Gerade die Camaros und Firebirds sind auch Beispiele für das gewandelte Image der US-Autos. Standen sie einst in möglichst grellen Metalliclacken und versehen mit auffälligen Lufthutzen vor den Dorfdiskotheken, mag man sie nun lieber als ehrliche Klassiker. „Frühe Camaro und Firebird sind heute rehabilitiert“, erklärt Frank Wilke.

Doch so bekannt diese Namen auch sind, andere US-Klassiker sind noch weitaus begehrter. „Zum einen der Ford Mustang, das populärste Auto aber ist die Chevrolet Corvette“, erklärt Riekmann. Hier zielt das Interesse vor allen auf die in den Siebzigern übliche Karosserie mit der so genannten Cola-Flaschen-Form. „Diese Modelle sind günstiger als die klassischen Corvettes.“ Trotzdem müssen mindestens 15 000 Euro eingeplant werden - nach oben gibt es kaum Grenzen.

Dass für amerikanische Klassiker ohnehin auch wirklich großes Geld ausgegeben werden kann, zeigt sich laut Classic Data bei der Marke Cadillac, die demnach in der Beliebtheit an zweiter Stelle nach der Corvette kommt. Schließlich schuf Cadillac in den fünfziger Jahren jene Blechgebirge, die bis heute als Sinnbild des Straßenkreuzers gelten - vollgepackt mit Chrom und gekrönt mit riesigen Heckflossen.

Hier zeigt sich laut Frank Wilke zudem deutlich ein typisches Phänomen bei US-Klassikern. Während verbreitete US-Cabrios der fünfziger Jahre für 30 000 Euro den Besitzer wechseln, sind einige Spezialversionen nur für deutlich mehr Geld zu bekommen. „Ein Cadillac Eldorado Biarriz Cabrio von 1959 kostet schon 70 000 Euro“, so Wilke. Ein 53er Eldorado muss sogar mit 130 000 Euro bezahlt werden. Bei solchen Preise würden wohl auch Besitzer europäischer Klassiker mehr auf schonendes Gleiten als auf sportliche Kurvenhatz setzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%