Das vernetzte Auto
Der erste Beifahrer, der niemals nörgelt

Das Internet begleitet uns jetzt schon überallhin, künftig auch bis ins Auto. Auf der Produktmesse CES zeigen Hersteller, wie Apps das Fahren entspannter machen sollen. Daimler-Chef Zetsche verspricht große Dinge.
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Las VegasOkay, vielleicht ist es ein bisschen dick aufgetragen. Dieter Zetsche steht alleine auf der Bühne, links von ihm der neue Sportwagen SL, rechts das futuristische Concept Car F125, dazu ein paar Salven aus der Nebelmaschine. Nichts weniger als die „Erklärung der automobilen Unabhängigkeit“ wird der Daimler-Chef gleich verkünden, angelehnt an ein amerikanisches Heiligtum, die „Declaration of Independence“. Darunter macht er es nicht, aber schließlich ist das hier Las Vegas, und da stapelt man niemals tief.

Zetsche ist also zur Eröffnung der Unterhaltungselektronikmesse CES in die Wüstenstadt gekommen, um zum ersten Mal eine Keynote, einen Leitvortrag zu halten. Tags zuvor war er noch bei der Detroit Motor Show, aber hier gilt es, auch die Fans von Tablets, Apps und Flachbildfernsehern zu begeistern. Und zwar mit der Vision eines digital vernetzten Autos, das die Errungenschaften aus der Nerd-Welt in die Welt des Autofahrers überträgt. „Wir arbeiten an einer neuen Generation von Fahrzeugen, die als digitale Begleiter dienen“, sagt Zetsche.

Damit liegt der Deutsche, den sie hier in Amerika noch als Comicfigur „Dr. Z“ mit Walross-Bart aus den alten Chrysler-Spots kennen, voll im Trend der diesjährigen CES. Sechs der zehn größten Autobauer präsentieren in diesen Tagen ihre neuesten digitalen Konzepte, dazu tummeln sich unzählige Kleinanbieter mit Gadgets, die das Autofahren erleichtern sollen.

Der Markt scheint viel herzugeben: „Im Auto integriertes Infotainment wird Teil eines Massenmarktes“, so Marcello Tamietti von der Unternehmensberatung Accenture. Laut CES-Veranstalter Consumer Eletronics Association (CEA) wird der Wert der in Autos eingebauten Gadgets in diesem Jahr sieben Milliarden Dollar erreichen, ein Anstieg von 16 Prozent gegenüber 2011.

Daimler will sich nun ganz an die Spitze der Bewegung setzen. Mit dem vollintegrierten System „mbrace“ soll das Internet künftig überall mit hinfahren, als Navigationshilfe, Infogeber für alle Lebenslagen oder Warner vor weit voraus lauernden Staus oder Unfallstellen. Die Autos, die mbrace an Bord haben, werden auf diese Weise miteinander vernetzt – Crowdsourcing auf der Straße. Gesteuert wird das System mit Sprachbefehlen, der Fahrer soll ja nicht abgelenkt werden. So werde das Fahren sicherer und umweltfreundlicher, verspricht Zetsche. „Und es macht mehr Spaß“.

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Eine halbe Messehalle für Auto-Gadgets

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  • Bluescreen an der Ampel, Stuxnet im Bremssystem und Trojaner im Mulimediasystem. Dazu völlig abgelenkte und überforderte Fahrer. 10 mal auf dem Touchscreen tippen und drei mal Wischen, schon ist die Lüftung um eine Stufe verstellt. Das ganze für höchstens 10000€ Mehrpreis.

    Danke Dr.Z!

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