Daten und Fakten Oldtimer-Nachfrage treibt Nischen-Wachstum

Der europäische Markt mit alten Autos verzeichnet seit Jahren stabile Wachstumsraten sowie steigende Nachfrage und Preise. Davon profitieren nicht nur die Oldie-Fans.
Update: 02.04.2011 - 08:13 Uhr Kommentieren
Techno Classica in Essen: Mit 1.200 Ausstellern und rund 180.000 Besuchern aus 30 Ländern zählt die Messe zu den führenden internationalen Oldtimer-Veranstaltungen. Quelle: ap

Techno Classica in Essen: Mit 1.200 Ausstellern und rund 180.000 Besuchern aus 30 Ländern zählt die Messe zu den führenden internationalen Oldtimer-Veranstaltungen.

(Foto: ap)

Essen/DüsseldorfVom ersten Auto der Welt bis zum historischen Abziehbild reicht das Angebot für Oldtimer-Fans bei der „Techno-Classica“, die zurzeit in Essen läuft. Und In den zwölf Messehallen wird viel englisch, niederländisch und französisch gesprochen: Hier trifft sich drei Tage lang die internationale Szene und hofft auf motorisierte Schätze. Doch die gibt es schon lange nicht mehr als Schnäppchen. Nur die allerwenigsten der mehr als 2.500 Sammler-Autos, die während der Messe zum Verkauf stehen, liegen unter 10.000 Euro. Dafür ist das Angebot zwischen 30.000 und 150.000 Euro umso größer. Für weniger gut betuchte Besucher sind allerdings auch Tretautos, Aschenbecher und historische Abziehbilder im Angebot.

Nach den Zahlen der Oldtimer Weltorganisation FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens) lassen sich allein die deutschen Oldtimer-Fans ihr Hobby jährlich 5,5 Milliarden Euro kosten. Rund 30.000 Menschen arbeiten in der Branche, der die
Reparaturaufträge nie ausgehen. Europaweit setzten die in den typischen Oldtimer-Branchen gezählten 10.800 EU-Firmen 2010 19,2 Milliarden Euro um, das sind 3,2 Milliarden mehr als im Vorjahr.


Durchschnittlich knapp 1.500 Euro gibt jeder Halter eines über 25 Jahre alten Fahrzeugs für Wartung, Restaurierung und Reparaturen aus, nur um dann damit - rein statistisch gesehen - meist weniger als 1.500 Kilometer im Jahr über die Straßen zu rollen.

Ob das teure „Garagengold“ tatsächlich eine gute Geldanlage ist, ist zumindest in einigen Fällen fraglich. So warteten etwa die Besitzer der Modelle Opel GT ("Die Corvette des kleinen Mannes"), eines BMW Z1 (der mit den versenkbaren Türen) oder eines (leider gerne rostanfälligen) Fiat 124 Spider in der Vergangenheit mitunter oft jahrelang vergeblich auf Wertsteigerungen. Allerdings kommen besonders hochpreisige und seltene Modelle wie etwa der BMW 507 aus den Jahren 1956 bis 1959 oder der Mercedes-Benz 300 SL Roadster auch auf weit höhere Wertsteigerungen.

Alte Liebe rostet nicht: Mit ihrem Mercedes 280 SE, Baujahr 1970, fuhr Familie Koschel aus dem sonnenverwöhnten Kalifornien eine Million Meilen. Der liebevoll "Tank" (Panzer) genannte Sternenkreuzer wird zunächst in Essen ausgestellt und kommt danach im Mercedes Benz Museum in Stuttgart. Quelle: picture-alliance

Alte Liebe rostet nicht: Mit ihrem Mercedes 280 SE, Baujahr 1970, fuhr Familie Koschel aus dem sonnenverwöhnten Kalifornien eine Million Meilen. Der liebevoll "Tank" (Panzer) genannte Sternenkreuzer wird zunächst in Essen ausgestellt und kommt danach im Mercedes Benz Museum in Stuttgart.

(Foto: picture-alliance)

Im Durchschnitt konnten Oldtimer-Besitzer, das hat der Herstellerverband VDA in seinem halbjährlich veröffentlichten Oldtimer-Index errechnet, dagegen in den vergangenen beiden Jahr mit Wertsteigerungen von je 2,5 Prozent rechnen. In den Jahren davor, waren die Wertsteigerungen allerdings doppelt so hoch. Die Oldtimer-Weltorganisation Federation Internationale des Vehicules Anciens (FIVA), deren 2006 erstelltes Zahlenwerk noch immer als die Bibel der Branche für alle Marktdaten gilt, hat errechnet, dass die Wertsteigerungsrate auf allen Oldtimer-Teilmärkten und in den daran beteiligten Branchen seit Jahren mindestens fünf Prozent beträgt - seit der FIVA-Umfrage haben die meisten Werte also um ca. 20 Prozent zugelegt. Lediglich die Wertentwicklung von Oldtimer-Autos selbst hat sich verlangsamt, er lag von 2000 bis 2010 noch bei rund 5,7 Prozent jährlich.

Die Liebe zum Alteisen ist statistisch gesehen nichts für junge Menschen, und schon gar nichts für Frauen: 53,1 Prozent der deutschen Oldiebesitzer sind zwischen 41 und 60 Jahre alt, 98,2 Prozent von ihnen sind männlich. Deutsche Oldtimerfahrer besitzen außerdem im Schnitt zwei Fahrzeuge, wobei zwei Drittel von ihnen den Wert ihres geliebten Alteisens mit unter 18.000 Euro angeben (Motorräder inbegriffen).

Fest steht auch, dass der durchschnittliche Oldiefahrer ein geselliges Wesen ist, er sucht die Nähe zum Gleichgesinnten und das Benzingespräch. Europaweit gibt es 786.000 Oldtimer-Clubmitglieder in nahezu 2.000 Interessensgemeinschaften. Sie haben europaweit im vergangenen Jahr 1.836.000 Millionen fahrtüchtige historische Fahrzeuge angemeldet und im Durchschnitt auch dreimal pro Woche bewegt. 4,7 Clubveranstaltungen werden pro Jahr unternommen, alleine rund eine Million Übernachtungen wurden im Zuge von Oldtimerveranstaltungen allein 2010 gebucht.

Mit der "Ente" an die Spitze gefahren
Ferrari Dino 246 GT
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Platz 10: Ferrari Dino 246 GT

Der Ferrari Dino 246 GT wurde 1969 zum ersten Mal auf dem Automobilsalon in Genf der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Der Sportwagen wird gemeinhin als "Mini-Ferrari" bezeichnet, weil er statt zwölf nur sechs Zylinder hat. 2009 belegte der Dino noch Rang vier bei der Wertentwicklung. 2010 reicht es "nur" noch für Platz 10. Je nach Zustand muss man für einen Dino zwischen 73.300 (Zustand 3) und 92.300 Euro (Zustand 2) hinblättern.

Das Ranking zur Wertentwicklung basiert auf dem Deutschen Oldtimer Index, Der wird vom Herstellerverband VDA gemeinsam mit der Bewertungsorganisation Classic-Car-Tax (früher Classic Data) halbjährlich erstellt. Grundlage ist die Beobachtung der Preisentwicklung von 88 Nachkriegsklassikern aus sieben Ländern. Demnach hat sich seit 1999 der Wert von Oldtimern in Deutschland jährlich um 5,7 Prozent gesteigert.

125 Jahre Automobil
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Platz 9: Porsche 911 SC

Auch der Porsche 911 SC (im Bild allerdings ein 86er Modell, das noch auf seinen Oldie-Status wartet) rutschte bei der Wertentwicklung sechs Plätze nach hinten. Liebhaber der Zuffenhausener Autoschmiede müssen aktuell mit einem Preis, je nach Zustand des klassischsten aller deutschen Sportwagen, zwischen 19.400 und 28.100 Euro rechnen.

Lancia Fulvia 1,3 Sport
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Platz 8: Lancia Fulvia 1,3 S

Von 1963 bis 1976 baute Lancia die Fulvia. 1967 wurde ihr Hubraum auf 1.298 cm³ vergrößert und das Modell 1,3 Sport mit 87 PS war geboren. Die Fulvia 1.3 S erreichte 180 km/h und war damit sieben km/h schneller als das identisch motorisierte Coupé. Wer heute dieses Modell sein Eigen nennt und über einen Verkauf nachdenkt, kann einen Preis von bis zu 13.000 Euro erzielen - etwas mehr als noch 2009.

Meilen-Millionär kommt in MuseumMercedes 280 SE
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Platz 7: Mercedes 280 SE

Über Jahrzehnte war der Mercedes 280 SE das meistverkaufte S-Klasse-Modell. Der bis 1976 gebaute Sechszylinder mit elektronischer Benzineinspritzung konnte seinen Wert 2010 steigern und kostet heute, je nach Motorisierung, zwischen 20.000 (Zustand 3) und 105.000 Euro (Zustand 4).

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Platz 6: Cadillac Eldorado Cabrio

1953 brachte General Motors den Cadillac Eldorado zu dem seinerzeit stattlichen Preis von 7.750 US-Dollar auf Amerikas Straßen. Das zweitürige Cabrio mit Stoffverdeck konnte sich in der Wertenentwicklung im Vergleich zu 2009 um einen Platz verbessern. Wer heute mit einem gut erhaltenen Modell des Straßenkreuzers cruisen möchte, muss bis zu 21.800 Euro an den Vorbesitzer zahlen.

50 Jahre Renault R4
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Platz 5: Renault R4

Ein gut erhaltenes Modell des Renault R4 ist Liebhabern des französischen Auto-Klassikers im Jahr 2010 bis zu 4.800 Euro Wert gewesen. Bei der Wertentwicklung landete der rollende Kasten mit der legendären Revolverschaltung 2009 noch auf Platz 34 im Deutschen Oldtimer Index.

CADILLAC CABRIOLET
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Platz 4: Cadillac de Ville

Der Cadillac de Ville wurde zwischen 1956 und 2005 gebaut und war sozusagen das Schlachtschiff der Autoschmiede General Motors. Wer heute ein Modell aus den Jahren 1965 und 1968 sein Eigen nennen möchte, braucht nicht nur eine große Garage, sondern auch einen dicken Geldbeutel. Das mitunter 6 Meter lange und 2 Meter breite Fahrzeug hat einen Marktwert von bis zu 23.600 Euro.

Der Boom der Branche scheint trotz sich verlangsamendem Wachstum weiterzugehen, denn 2009 waren (in Europa) noch 306.000 Oldies weniger zugelassen. Und der einzelne Auto-Liebhaber greift auch etwas tiefer in die Tasche: 1.429 Euro wendet der Deutsche für seinen Oldtimer pro Jahr für Reparaturen, Wartung und Restaurierung auf, in 2009 waren es noch 1.191 Euro.

Oldtimer gewinnt Dax-Vergleich

Und wer so permanent in altes Blech investiert, kann dennoch eine gute Entscheidung auch in Sachen Geldanlage getroffen haben. Interpretiert man die vorliegenden und zur Oldtimermesse aktualisierten Statistiken etwas großzügig, so kann man von einem durchaus stabilen Oldtimer-Markt mit stabilen Zuwachsraten sprechen, während beispielsweise der Deutsche Aktienindex in den vergangenen zehn Jahren vier schwere Einbrüche erlebte (2000, 2001, 2002 und 2008). Im Deutschen Oldtimer-Index, der halbjährlich vom VDA in Kooperation mit Classic-Car-Tax halbjährlich ermittelt wird, gab es hingegen keine Negativ-Werte. Und falls die ein oder andere Reparatur den Oldtimer-Fan dann unterm Strich doch in die Miesen treibt, so kann er sich an etwas sehr emotionalem festhalten, das kein Aktienindex der Welt bietet: Fahrspaß.

Was Techno-Classica-Besucher begeisterte
23. Techno Classica Essen
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Impressionen von der 23. Techno Classica: Da hat ein Jaguar-Besitzer fleißig Plaketten gesammelt und ordentlich poliert, um drei Tage lang auf einer der größten Oldtimer-Messen das fachkundige Publikum zu beeindrucken - und eventuell einen hübschen Erlös mit der historischen Karosse zu erlösen, denn in Essen findet hauptsächlich eine Verkaufsmesse statt ...

23. Techno-Classica Essen
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Der mittlerweile bei einer festen Szene überaus beliebte VW Transporter, oder Bulli, war lange in Südamerika unterwegs, bevor er 2007 nach Deutschland geholt und von Grund auf restauriert wurde.

23. Techno-Classica Essen
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Tollkühne Männer in ihren rasenden Kisten: Der Mefistofele von Fiat hat unglaubliche 21 Liter Hubraum, der Fahrer sitzt allerdings hinter einem riesigen dünnen Lenkrad in einer dünnen Lederschale auf Holzbohlen. Die Hinterräder werden über Kette und Ritzel angetrieben.

23. Techno-Classica Essen
4 von 66

Wer eine top-restaurierte Münch Mammut TTS 4 mit NSU-Motor haben möchte, musste bei Auktionen schon mal bis zu 85.000 Dollar auf den Tisch legen. Das sowas Rares in Castrop auch noch umgebaut wird, ist auf der Techno Classica schon ein kleines und vielbestauntes Wunder, das nicht nur Zweiradfans ein bisschen andächtig verharren lässt.

Vorschau zur Techno Classica 2011
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Ein Delahaye 135 MS Ghia Aigle von 1949. Das Einzelstück nach Design von Mario Felice Boano fällt als Unikat besonders durch seine blauen Radverkleidungen auf.

Vorschau zur Techno Classica 2011
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Delahaye 135 MS Ghia Aigle

Techno Classica 2011
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Mercedes 500 K von 1936

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