Defektes Getriebe
Verkäufer haftet für Sachmangel

Ärgerlich: Ein Gebrauchtwagen bleibt wegen eines Defekts am Automatikgetriebe schon nach kaum mehr als 1 000 Kilometern liegen. Das sei kein normaler Verschleiß, so ein aktuelles Urteil, sondern ein Sachmangel. Dafür habe der Verkäufer aufzukommen.

HB KÖLN. Ein Mann hatte bei einem Autohaus einen Gebrauchtwagen zum Preis von 5 500 Euro gekauft. Das Fahrzeug war sieben Jahre alt und hatte einen Kilometerstand von 84 000. Nach nur knapp 1200 Kilometern blieb das Auto plötzlich liegen und war nicht mehr fahrtauglich: Bei Einlegen des Wahlhebels „Position D” ließ es sich nicht ordnungsgemäß fortbewegen. Erbost wandte sich der Käufer an den Händler und verlangte sein Geld zurück. Der weigerte sich und meinte, bei dem Defekt handle es sich um ein herstellerseits durchaus bekanntes "Problem", von dem bestimmte Fahrzeugtypen dieser Marke allgemein betroffen seien. Dafür müsse er nicht einstehen. Das OLG Düsseldorf sah das jedoch anders (Urteil vom 19.06.2006, Az.: I-1 U 38/06), wie das Internet-Portal „Anwalt-Suchservice“ berichtet.

Der Autohändler könne sich nicht darauf berufen, dass der Wagen lediglich eine "konstruktionsbedingte Eigentümlichkeit" aufweise, die auch anderen Fahrzeugen desselben Typs als Serienfehler anhafte. Ein Sachverständiger habe festgestellt, dass ein Werkstofffehler an der hydraulischen Kupplung die Ursache der Funktionsstörung sei, so die Richter. Darin sei eindeutig ein Materialfehler zu sehen und keine bloße konstruktionsbedingte Besonderheit.

Wer einen Gebrauchtwagen erwerbe, so die Richter weiter, der dürfe davon ausgehen, dass dieser fahrbereit sei und bestimmungsgemäß benutzt werden könne. Ein Verbraucher und technischer Laie, der ein Fahrzeug von einem professionellen Kfz-Händler kaufe, hege diese Erwartung in besonderem Maße. Bei einem gebrauchten Mittelklassewagen dürfe man trotz eines Alters von rund sieben Jahren und einer Laufleistung von etwa 84 000 Kilometern davon ausgehen, dass er nicht auf den ersten tausend bis zweitausend Kilometern wegen eines gravierenden Defekts am Automatikgetriebe gebrauchsuntauglich werde. Normalerweise hielten Automatikgetriebe vergleichbarer Autos mindestens 150 000 Kilometer. Deshalb sei in dem Defekt auch kein normaler Verschleiß zu sehen. Es liege ein Sachmangel vor, für den der Verkäufer haften müsse, so das Gericht.

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