Defender geht bald in Rente
Ende Gelände

Seit 65 Jahren trotzt der Land Rover Defender jedem Trend. Der dienstälteste Allradler am Markt wird bald an den Zulassungsvorschriften scheitern. Rollen dürfte er aber noch lange.
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SolihullDer Zweite Weltkrieg ist gerade vorbei, die Industrie in England liegt am Boden, da hat Maurice Wilks einen Traum. Der Technische Direktor bei Rover sehnt sich nach einem Auto, das genauso universell einsetzbar ist wie die Jeeps der Amerikaner. "Ein Rover für den Farmer, mit dem man überall hinkommt und alles machen kann" - aus dieser Idee entsteht der Land Rover, mit dem Wilks im Sommer 1947 die erste Testfahrt absolviert.

Der kaum 30-jährige Ingenieur und sein Bruder Spencer, damals Geschäftsführender Direktor bei Rover, enthüllten den Land Rover 1948 auf einer Messe in Amsterdam. Technisch war der Allradler denkbar einfach gestrickt: Er bestand aus einem Kastenrahmen, zwei Starrachsen, einem Reduktionsgetriebe sowie einer Vorderachse, die sich über einen Zugschalter entkoppeln ließ.

Für den Antrieb sorgte ein 50 PS starker 1,6-Liter-Motor aus dem Rover-Regal. Drumherum bauten die Briten eine Karosserie aus einer Aluminiumlegierung, Stahlblech war in dieser Zeit zu teuer.

Der Land Rover hatte eine spartanische Ausstattung: Ein festes Dach, gefederte Sitze oder Seitenscheiben mit Gummidichtungen galten als verzichtbar. Nur der Fahrersitz in der Mitte des Autos stach hervor - war aber ein Flop. Alle Exemplare nach dem "Hue 166" - so das Kennzeichen des von Fans geliebten Erstlings - haben das Steuer auf der Seite.

Schon nach zwei Jahren wurde das Modell in 70 Länder exportiert, berichtet Land-Rover-Archivar und Firmenhistoriker Roger Crathorne. Es folgten Ableger für Monarchie und Militär, Generationswechsel und hunderte von Sonderkonstruktionen.

Die Stückzahlen erreichten 1970 ihr Allzeit-Hoch: 56.000 Land Rover wurden damals gebaut. Heute trägt der Land Rover den Namenszusatz Defender, pro Jahr werden noch etwa 30. 000 Fahrzeuge hergestellt.

"Seinen Reiz hat der kantige Klassiker bis heute nicht verloren", sagt Boris Schmidt aus Hofheim am Taunus, der bereits mehrere Bücher über die Marke geschrieben hat. Zumindest die Serie II aus den Jahren 1958 bis 1971 sei noch leicht zu bekommen, sagt Schmidt.

Je nach Zustand kostet so ein Auto zwischen 3.000 und 15.000 Euro, perfekt restauriert aber deutlich mehr. "Im Prinzip kann man auch einen nagelneuen Defender fahren." Denn so richtig viel hat sich seit den Anfangstagen nicht geändert.

Zwar steckt unter der Haube mittlerweile ein 2,2 Liter großer Diesel mit 122 PS, die Sitze haben auf Wunsch sogar beheizte Lederpolster, die Fenster bewegen sich elektrisch, es gibt eine Klimaautomatik und seit ein paar Jahren sogar Airbags. "Doch der Defender sieht nicht nur fast genauso aus wie der erste Land Rover vor 65 Jahren, er fühlt sich auch noch immer so an."

Der fabrikneue Klassiker, den es als Editionsmodell im 65-Jahre-Look gibt, ist wie ein Konzentrat aus 60 Jahren Forschergeist und Fernweh. Wer sich mit dem Wagen ins Gelände traut, der wähnt sich gleich im Himalaya oder zumindest in den entlegenen Ecken der Lüneburger Heide. Kaum ein Hügel ist dem Defender zu steil, kein Bachlauf zu tief. Er wühlt sich klaglos durch Matsch und Modder.

Doch auch Legenden haben kein ewiges Leben: "Für Ende 2015 hat Land Rover den Produktionsstopp angekündigt. 2015 wird der Defender an den Abgasgesetzen und dem Fußgängerschutz scheitern und keine Zulassung mehr erhalten", sagt Schmidt.

Land Rover weiß aber um den Image-Wert des Klassikers und arbeitet an einem Nachfolger, sagt Pressesprecherin Andrea Leitner. Vor 2016 sei damit jedoch nicht zu rechnen.

Wer sich auf ein neues Modell erst gar nicht einlassen will, dem gibt Land Rover-Historiker Crathorne einen Trost mit auf den Weg: "75 Prozent aller je gebauten Defender sind heute noch im Einsatz." Als Gebrauchter dürfte dieser Klassiker also noch eine ganze Weile zu bekommen sein.

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