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Den „Bock“ an die Kette gelegt

Keine Wände aus schützendem Blech an den Seiten, kein Dach über dem Kopf - was für Motorradfahrer einen Teil des besonderen Reizes ausmacht, wirkt auch auf Menschen mit zweifelhaften Absichten wie eine Einladung.

dpa/gms MAINZ/WETTER. Keine Wände aus schützendem Blech an den Seiten, kein Dach über dem Kopf - was für Motorradfahrer einen Teil des besonderen Reizes ausmacht, wirkt auch auf Menschen mit zweifelhaften Absichten wie eine Einladung.

Wie sehr motorisierte Zweiräder bei Dieben auf Interesse stoßen, zeigen die Statistiken des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Nach den derzeit aktuellsten Angaben aus dem Jahr 2003 kam auf 1 000 kaskoversicherte Personenwagen 1 Diebstahl. Bei Motorrädern dagegen lag das Verhältnis bei 5,3 Fälle auf 1 000 Maschinen, bei Leichtkrafträdern waren es 6,3 Diebstähle. Noch stärker gefährdet sind aber Mofas und Mopeds: Hier kamen auf 1 000 kaskoversicherte Fahrzeuge 28,2 Diebstahlsfälle.

Solche Zahlen zeigen deutlich, wie wichtig die Diebstahlsicherung bei Motorrad & Co. ist. Erreichen lässt sich der verbesserte Schutz in erster Linie durch zusätzliche Schlösser. Eine Spezialität für die Fahrzeuggattungen sind die Bremsscheibenschlösser: Sie werden über eine Bremsscheibe geschoben und dann verschlossen - so kann sich das Rad nicht mehr frei drehen. „Solche Schlösser immobilisieren das Motorrad aber nur“, erklärt Axel Rösler vom Schlosshersteller Abus in Wetter (Nordrhein-Westfalen). Profis könnten das so gesicherte Zweirad immer noch wegtragen oder in einen Lastwagen verladen.

Der Fahrer selbst tut außerdem gut daran, die Existenz des Scheibenschlosses stets im Hinterkopf zu haben: Wird das Schloss beim Start an der Bremsscheibe vergessen, ist die Fahrt spätestens nach einer Radumdrehung zu Ende. Folge ist dann womöglich nicht nur ein Sturz: „Dabei kann auch die Bremsscheibe selbst oder der Bremssattel beschädigt werden“, warnt Helmut Klein vom Adac-Technikzentrum in Landsberg (Bayern).

Sperriger, dafür aber sicherer sind Ketten- und Bügelschlösser: „Mit einem Ketten- oder Bügelschloss lässt sich das Wegtragen des Motorrades verhindern“, sagt Michael Lenzen, Sprecher des Bundesverbandes der Motorradfahrer (Bvdm) in Mainz. Denn damit kann die Maschine an einem festen Gegenstand wie einem Laternenpfahl gesichert werden.

„Insgesamt ist das Bügelschloss unflexibler, aber am sichersten“, erklärt Abus-Mitarbeiter Rösler. Unflexibel bedeutet, dass sich der massive Bügel des Schlosses in sich nicht bewegen lässt - was aber auch zur Sicherheit beiträgt. „Ist das Motorrad angeschlossen, bleibt kaum Platz, um das Schloss mit aggressiven Werkzeugen zu attackieren.“

Einige Hersteller setzen gerade in höherklassigen Motorrädern auch auf zusätzliche Diebstahlsicherung durch den Einbau von Wegfahrsperren - wie zum Beispiel Honda mit Hiss (Honda Ingnition Security System). „Der Zündschlüssel ist dabei auf die jeweilige Zündbox programmiert“, sagt Honda-Sprecher Aaron Lang in Offenbach.

Auf ein Schloss sollte aber trotzdem nicht verzichtet werden - schließlich will nicht jeder Dieb das gestohlene Fahrzeug fahren. So verhindert die Wegfahrsperre nicht, dass das Motorrad abtransportiert, zerlegt und dann in Teilen zum Kauf angeboten wird.

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