Denza-Elektroauto Daimler will China unter Strom setzen

China galt lange Zeit als Hoffnungs-Markt für die Elektromobilität. Mittlerweile ist die Euphorie jedoch weg. Daimler will sie nun mit einem eigens für den lokalen Markt entwickelten Elektroauto wieder anfeuern.
  • Holger Holzer
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  • Spotpress
Das Elektroauto soll rund 30.000 Euro kosten Quelle: Daimler

Das Elektroauto soll rund 30.000 Euro kosten

Die Chinesen wollen das Elektroauto. Vor allem in den stickigen Metropolen soll es für Entlastung der smoggeplagten Bevölkerung sorgen. Nun will Daimler mit einer eigens entwickelten E-Auto-Marke und dem ersten passenden Fahrzeug in China durchstarten.

Der gerade auf der Auto China in Peking präsentierte Denza wurde gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller BYD entwickelt und wirkt wie ein konventioneller Kompaktwagen, erinnert sogar ein wenig an eine ältere B-Klasse. Er wird jedoch von einem 117 PS starken E-Motor angetrieben. Dank einer zumindest für europäische Verhältnisse ungewöhnlich großen Akkukapazität von 47,5 kWh soll der Fünftürer komplett geladen rund 300 Kilometer fahren können, bevor er wieder an die Steckdose muss.

Rund 370.000 Yuan, etwa 43.300 Euro, wird das Auto kosten, wenn es in Kürze zu den chinesischen Händlern kommt. Weil die chinesische Regierung den Kauf aber finanziell stark unterstützt, kostet der Denza den Kunden am Ende nur rund 30.000 Euro. Einerseits viel Geld in einem Land, in dem ein Allerweltsauto wie der VW Jetta rund 8.000 Euro kostet, andererseits ein Schnäppchen im Vergleich zum Tesla Model S, das dieser Tage seinen China-Start mit einem Preis von knapp 86.000 Euro begeht.

Der fremde Nabel der mobilen Welt
Beijing Auto Show
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Die gewaltigen Tragflächen tauchen vom strahlenden Himmelblau ab in ein trübes Graugelb, Sinkflug in den Pekinger Smog. Erst kurz vor dem Aufsetzen werden aus den runden Fenstern des Lufthansa-Airbus 380 Konturen von Landschaft, Häusern und Straßen erkennbar. Nach der Landung dann spürt man die Kälte. Gegen die Mischung aus Dunst und Staub hat die wärmende Ostersonne keine echte Chance. Alles ganz normal in der chinesischen Hauptstadt, auch am Vortag der „Auto China“, der inzwischen wohl wichtigsten Automesse der Welt.

Automesse Peking
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An den Luft-Problemen in vielen Megacitys des Riesenreiches wird auch die Premiere eines neuen Elektroautos namens Denza nichts ändern können. Der geräumige Fünfsitzer mit dem 460-Liter-Kofferraum ist der Öko-Star der „Auto China“. Und er ist das Ergebnis einer Gemeinschaftsproduktion von Daimler und dem chinesischen Konzern BYD. Mit einer Reichweite von 300 Kilometern pro Batteriefüllung verspricht er mehr Alltagstauglichkeit als andere bisher erhältlichen Stromer. Je nach Leistung der Steckdose dauert das Aufladen zwischen einer und sieben Stunden. Als Spitze stehen 150 km/h im Datenblatt.

Mit umgerechnet rund 42.000 Euro ist der Denza zwar teuer, doch der Staat und manche Städte wie Shanghai oder Shenzhen zahlen mit: Unterm Strich kann ein künftiger Denza-Besitzer den Preis dank reichlicher Subventionen um fast 15.000 Euro drücken. Außerdem kann er die in vielen Städten bereits geltenden Zulassungsbeschränkungen mit einem E-Mobil umfahren, muss sich also keiner Versteigerung stellen oder auf Losglück hoffen. Das erste Auto, das von Mercedes außerhalb Deutschlands entwickelt wurde, wird China indes  auch nie verlassen.

Beijing Auto Show
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Mit einem Elektroauto alleine kann Daimler das chinesische Publikum aber nicht beeindrucken: Die Probleme sind dieselben wie in Europa: Elektroautos sind teuer in der Anschaffung, die Lade-Infrastruktur nur unzureichend vorhanden. Geld verdienen die Hersteller noch mit konventionellen Autos, die in China auch gerne eine Nummer größer und stärker sein dürfen. So erhält das in Genf vorgestellte S-Klasse Coupé auf der Automesse in Peking einen stärkeren Bruder: das S 63 AMG Coupé.

Schon im nächsten Jahr soll das Serienmodell an den Start gehen und neue Kundenkreise erschließen.
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Die Coupé-Version des SUV-Klassikers ML ist die Stuttgarter Antwort auf den ähnlich gestylten BMW X6. Die meisten Käufer dieser Art von Autos leben in den USA, aber auch in China. Auf unseren Straßen wird der wohl als MLC bezeichnete Riese ebenso wie sein bayerisches Vorbild eine Seltenheit bleiben. Schon im nächsten Jahr soll das Serienmodell an den Start gehen und neue Kundenkreise erschließen.

Automesse Peking
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Noch spricht BMW bei dem in China gezeigten Konzeptauto von der „Vision Future Luxury“. Die futuristisch gezeichnete Edelkarosse gibt einen Ausblick auf das, was ab 2016 als „9er BMW“ über unsere Straßen fahren könnte – ein viertüriges Luxuscoupé. „Mit dieser Studie entwickeln wir unser Verständnis von modernem Luxus konsequent weiter – mit zukunftsweisenden Technologien sowie Präzision und Qualität in jedem Detail“, erklärt Designchef Adrian van Hooydonk. Auffällig die gegenläufig öffnenden Seitentüren, das extrem edle Innenleben und die schlanken Laser-Scheinwerfer.

huGO-BildID: 36539083 TO GO WITH "CHINA-AUTO-SHOW, FOCUS" STORY BY LAURE FILLONThis photo taken on April 21, 2014 shows visitors experienc
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Neben dem Konzeptauto zeigt BMW auch die gefragtesten Modelle auf seinem Messestand in Peking. Dort steigt auch die Nachfrage nach den in den USA und Europa beliebten SUVs, wie dem X3 (links) und dem X5 (rechts).

Auto China - Volkswagen
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„Das Beste aus zwei Welten“, sagt VW-Chefdesigner Klaus Bischoff (links im Bild) über das Messehighlight der Wolfsburger auf der Auto China in Peking. „Designed in Deutschland, gebaut in China“. Zudem ist das Schaustück eine viertürige Limousine in Form eines sportlich-eleganten Coupés. Noch hat der Neuling im Jetta-Format nicht einmal einen Namen. Derzeit trägt die Weltpremiere die Buchstaben NMC („New Midsize Coupé“) und bezeichnet damit übersetzt ein „neues Mittelklasse-Coupé“.

Auch mit der 4,60 Meter langen Studie antwortet Volkswagen auf den Stuttgarter Rivalen mit dem Stern. Denn der seit einem Jahr hochgelobte CLA ist derzeit nahezu konkurrenzlos und findet reißenden Absatz. Fest steht, dass das vielleicht Jetta Coupé genannte Auto im Herbst zunächst in China auf den Markt kommt und danach wohl auch den eher schleppenden USA-Verkauf der Marke beleben soll. Dagegen bleibt der deutsche Chinese den deutschen Interessenten noch vorenthalten. Da das Auto mit gut 1,84 Metern breiter als ein Passat geraten ist, bietet es auch im Heck angenehme Wohnlichkeit. Im Fond kann zu Dritt gereist werden, der Kofferraum ist mit stolzen 500 Litern ebenfalls familientauglich.

Ob Denza und Tesla überhaupt Kunden finden, ist dabei zweifelhaft. Grade einmal 7.000 E-Mobile sind im ersten Quartal 2014 in China zugelassen worden. Das von der Regierung ausgerufene Ziel, bis 2020 fünf Millionen E-Autos auf der Straße zu haben, scheint in weiter Ferne. Das liegt nicht zuletzt an ganz praktischen Problemen: Elektroautos sollen für saubere Luft in den Städten sorgen, können dort aber praktisch nicht aufgeladen werden. Ein großer Teil der urbanen Bevölkerung wohnt in gigantischen Hochhäusern, bekommt Steckdose und Auto also kaum zusammen. Die als Lösung geplanten Mega-Parkhäuser mit Ladesäulen lassen vielerorts noch auf sich warten.

Tesla muss sich dabei weniger Sorgen machen als Daimler, ist die anvisierte Kundschaft der US-Marke doch eher der solventere Immobilienbesitzer der Oberschicht. Doch für Daimler hat der Denza neben der direkten wirtschaftlichen Seite auch noch eine politische. Denn die lokale Produktion eines Elektroautos stößt bei der chinesischen Regierung auf viel Applaus. Und die Politik ist in China ein wichtiger Partner für die Autohersteller, nicht nur, weil sie strenge Regeln für Produktion und Vertrieb erlässt. Wer in China produzieren will, muss dazu beispielsweise ein Joint-Venture mit einem lokalen Hersteller eingehen – Technologietransfer inklusive.

Das könnte auch bei der BMW-Entscheidung für ein eigenes E-Auto eine Rolle gespielt haben. Die Münchner haben kürzlich gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller die Marke Zinoro vorgestellt, die eine Art Elektro-X1 auf den Markt bringen will. Audi, Mercedes und VW hingegen gehen einen anderen Weg. Sie setzen auf die Plug-in-Hybridtechnik, die ebenfalls elektrisches Fahren ermöglicht, aufgrund des zusätzlichen Verbrennungsmotors aber nicht so stark auf ein engmaschiges Netz an Ladestationen angewiesen ist.

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