Der durchschnittliche Motorradfahrer ist 42
Oma fährt nicht nur im Hühnerstall Motorrad

Jung und wild - dieses Image wollen Motorradfahrer und -industrie konservieren. War es doch das Gefühl des „anders sein“, das den Zweirädern vor allem in den Achtzigern zum Aufschwung verholfen hat. Zwar sind die ehemaligen jungen Wilden in die Jahre gekommen, drehen aber weiter tüchtig am Gasgriff. Das macht sie zur Risikogruppe.

dpa/tmn ESSEN/MAINZ. Häufig weisen Experten auf die sinkenden Unfallzahlen hin. Doch vor allem die Autofahrer sorgen für die Fortschritte. Bei den Bikern sieht es schlechter aus: Im Jahr 2006 wurden laut dem Statistischen Bundesamt 34 221 verletzte und getötete Biker gezählt. 1991 betrug die Zahl noch 40 355. Doch so groß wie der Rückgang aussieht, ist er nicht, hängen doch die jährlichen Unfallzahlen bei Motorrädern etwa auch von der Witterung ab. Das hat zur Folge, dass die Zahl von 1993 mit 35 219 Toten und Verletzen kaum schlechter war als die jüngste.

Verändert hat sich aber die Altersstruktur der Verunglückten. So waren laut dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn 1991 nur 21 Prozent der getöteten Motorradfahrer älter als 35 Jahre, 2002 waren es fast 50 Prozent. Das ist kein Wunder, denn während Biker an sich eben immer älter werden, bleibt der Nachwuchs aus. „Der durchschnittliche Motorradfahrer ist heute 42 Jahre alt“, sagt Matthias Haasper vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen.

Bei den Autofahrern ist langjährige Routine ein Garant für ein sinkendes Unfallrisiko - nicht so bei der Zweiradfraktion. Zwar gelte auch hier grundsätzlich, dass die Erfahrung das Risiko senkt, sagt Ruprecht Müller, Motorradexperte im Technikzentrum des ADAC im bayrischen Landsberg. „Allerdings sind viele Fahrer nur sporadisch auf den Motorrädern unterwegs.“

Gerade das scheinen nicht alle Gelegenheitsfahrer im Kopf zu haben. „Das hat auch eine psychologische Komponente“, sagt Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer (Bvdm) in Mainz. „Es handelt sich in diesem Alter eben oft um Leute, die in ihrem Leben schon etwas geschafft haben - und da ist dann oft auch dieses Gefühl vorhanden, dass man es kann.“

Diese Mischung passt nicht zusammen: „Erfahrung im Straßenverkehr kann grundsätzlich als etwas Positives angesehen werden - wichtig ist es aber eben auch, zweiradspezifische Dinge zu wissen“, sagt Haasper. Vor allem müsse sich der ältere Gelegenheits-Motorradfahrer seiner Stellung im Verkehrsgeschehen bewusst sein: Bei einem Unfall mit einem Auto sei er immer der Schwächere.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: das hohe Alter mancher Fahrer, die sich nach langer Pause wieder aufs Motorrad schwingen. Sie haben oft genug Geld für ein aktuelles, hochklassiges Modell - das sich klar von den Gefährten der Siebziger oder Achtziger unterscheidet. „Moderne Motorräder können viel - aber ihr Leistungspotenzial benötigt auch eine professionelle Einstellung“, sagt Müller. Und möglicherweise werde das Problem noch größer: Bisher wurden die Zweiradfahrer älter - bald jedoch werden sie wirklich alt und damit zu Senioren auf dem Motorrad.

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