Der exotische VW SP2 wird 40
Samba statt Scirocco

Ein VW, den kaum einer kennt? Es gibt ihn! Vor 40 Jahren legte die Wolfsburger Marke mit dem SP2 einen Sportwagen auf, der nur in und für Brasilien gebaut wurde. In Europa gibt es nur ein paar Dutzend Import-Exemplare.
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Wolfsburg/São PauloWer auf einer Oldtimer-Rallye mit diesem VW unterwegs ist, muss viele Fragen beantworten: Ist Ihr Auto ein früher Vorbote des Scirocco? Oder doch ein Nachfahre des Karmann Ghia? Nein, es handelt sich um einen SP2, lautet die Antwort. Obwohl das schmucke Coupé rund 10.000 Mal gebaut wurde und alles andere als unauffällig aussieht, ist es unbekannt.

Aus gutem Grund: Allein für den brasilianischen Markt entwickelt und ausschließlich dort produziert, zählt der SP2 in Europa zu den exotischsten VW-Modellen überhaupt. Nur ein paar Dutzend schafften es über den Atlantik. So erklärt sich auch, dass die Feiern zum diesjährigen 40. Geburtstag des Klassikers eher verhalten ausfallen.

Dass es den Wagen überhaupt gibt - so erzählt Eberhard Kittler, der bei VW die Klassiksparte leitet -, verdankt die Fangemeinde dem damaligen VW-Brasilienchef Rudolf Leiding und dem harten Kurs der Militärregierung: Der eine will für das Image seiner Marke partout einen kleinen Sportwagen haben, die anderen wollen keine ausländischen Autos auf ihren Straßen sehen.

Also trommelt Leiding Ingenieure im brasilianischen Schwerindustrie-Zentrum São Bernardo de Campo zusammen und lässt sie das passende Auto entwickeln.

Eine Plattformstrategie gibt es zwar noch nicht, aber Komponenten für solch ein Projekt hält die VW-Modellpalette trotzdem bereit: Die Vorderachse stammt vom Käfer, Hinterachse und Motor vom Typ 3, und das Design wird zur Chefsache. Die Skizzen für das Coupé macht Leiding selbst und diskutiert sie nach Feierabend mit seiner Ehefrau Helga. Sie gibt dem 4,22 Meter kurzen und nur 1,16 Meter hohen Zweitürer den letzten Schliff.

Vor 40 Jahren, im Juni 1972, beginnt beim VW-Partner Karmann in São Paulo die Produktion des Wagens, der bei einem Preis von umgerechnet rund 16.000 Mark einen kleinen Erfolg erzielt: Bis die Fertigung schon 1976 wieder eingestellt wird, laufen immerhin mehr als 10.000 Exemplare vom Band. Leidings Idee mit der Imagepflege hat funktioniert.

Doch sportlich am SP2 ist nur das Design. Denn unter dem hohen Kofferraumboden im Heck steckt ein Vierzylinder aus dem VW Typ 3. Den haben die Brasilianer zwar auf 1,7 Liter aufgebohrt. Aber mehr als 47 kW/64 PS sind aus dem flachen Boxermotor trotzdem nicht heraus zu holen.

Der knapp 900 Kilo leichte Wagen knattert wie ein alter Käfer. 17,2 Sekunden braucht er von 0 auf 100 km/h, und mit Rückenwind schafft er etwas mehr als 160 km/h. Nicht umsonst haben die SP2-Fans des Rätselraten um die Bedeutung des Typenkürzels mit einem Augenzwinkern beendet: Für sie steht SP in der Landessprache für «sem Potencia» - ohne Leistung.

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Samba statt Scirocco

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Danke, VW-Gastarbeiter!

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