Der Grande Punto soll Fiat aus der Krise helfen – neue Allianz geplant
Kleines Auto, große Hoffnung

Es geht ums Ganze. Vor der Turiner Kongresshalle ist das Who is Who des gesellschaftlichen Lebens der Stadt versammelt: Die noch lebenden Verwandten des Gründer-Clans Agnelli, Banker, Gewerkschafter, der Bürgermeister und auch der Kardinal und Erzbischof der Stadt. Sie warten auf den großen Event, der Fiat retten soll.

MAILAND. Die Vorstellung heute Abend heißt „Grande Punto“, die dritte Generation des Fiat Klassikers. An dem Erfolg des kleinen Grande Punto hängt das Schicksal des angeschlagenen Autokonzerns und damit auch ein wenig das der Stadt Turin.

Mit einer großen Show hat Fiat seinen Hoffnungsträger zwischen Montag Nacht und Dienstag morgen vorgestellt. Zu energischen Elektro-Rhythmen schwingen sich Akrobaten in schwarz-weißen Ganzkörperkostümen über den Köpfen des Publikums. Schnell geschnittene Videoklips geben dem Auge kaum Ruhe. Die Botschaft ist klar: „Fiat ist zurück“ ruft der Präsident des Autokonzerns Luca Cordero di Montezemolo in den von Puntos gesäumten Saal. Ganz Italiener, im feinsten Tuch gekleidet, vergleicht der magere Fiat-Präsident das neue Auto mit einer schönen Frau, „una gran bella donna italiana !“. Nicht nur, dass er sich schon in sie verliebt habe, ihre Weiblichkeit erkenne man auch an der Liebe zum Detail - zu den Accessoires.

Etwas nüchterner in seiner Ausführung kommt der kräftiger gebaute Vorstandsvorsitzende Sergio Marchionne daher. „Der Großteil unserer Erwartungen ruht auf dem Grande Punto“, sagt er. Eine Sicht, die auch Analysten teilen. „Der Erfolg des Puntos ist entscheidend für die Wende von Fiat Auto“, schreiben die Analysten der RasBank. Die Auto-Sparte war es, die den Konzern in den vergangenen Jahren tief in die roten Zahlen fuhr, während der Landmaschinenhersteller CNH und die LKW-Sparte Iveco kräftige Gewinne erwirtschafteten.

Doch Marchionne gibt sich zuversichtlich, dass die Krise bald vorbei ist: „Die Gruppe, die den Punto produziert, kehrt zu ihrer alten Stärke und Dynamik zurück - mit einer ordentlichen Bilanz“. Außerdem kündigte Marchionne noch vor Ende des Jahres eine weitere industrielle Allianz an. Schon heute produziert Fiat unter anderem gemeinsam mit Peugeot Citroen Nutzfahrzeuge in der Türkei.

Die neue Allianz werde nicht im asiatischen Raum sein, sagte der Fiat-Chef, ohne ins Detail zu gehen. Die Nettoverschuldung will er zum Jahresende von neun Mrd. Euro zur Jahresmitte auf knapp unter fünf Mrd. Euro senken. Dazu wird der Verkauf einer Beteiligung am Energieversorger Italenergia, die Umwandlung eines Kredits mehrerer Banken über drei Mrd. Euro in Aktien und auch die Milliarden-Zahlung des US-Autokonzerns General Motors (GM) beitragen. GM hat sich für 1,55 Mrd. Euro von der Verpflichtung frei gekauft, die defizitäre Auto-Sparte übernehmen zu müssen. Auch dank dieser Zahlen will Fiat in diesem Jahr einen Gewinn schreiben.

Für das kommende Jahr bleibt der Grande Punto - mit 4,03 Metern der längste Kleinwagen - der Hoffnungsträger des Konzerns. Mindestens 360 000 Mal will Fiat das neue Modell im kommenden Jahr verkaufen die Hälfte davon auf dem Heimatmarkt. Noch in diesem Monat soll der neue Punto in Italien auf den Markt kommen, im Oktober auch in anderen europäischen Ländern.

„Wir wollen vor allem junge Menschen ansprechen“, sagt Luca De Meo, zuständig für die Marke Fiat. Der Preis des neuen Wunderautos liegt etwa bei dem des Vorgängers. 11 111 Euro soll das Basismodell kosten. Bis zu 18 000 Euro klettert der Preis für das teuerste Modell mit 130 PS, Multijetmotor und allem möglichem Luxus wie Leder und Metallverkleidung im Innenraum, der auf die Außenfarbe abgestimmt ist. Beim Design vertraut das Autohaus auf den Industrie-Designer Giorgetto Giugiaro, der schon den ersten Punto und auch den Golf entworfen hat. Markenchef De Meo nennt ihn einen Glücksbringer. „Jedes Mal, wenn Giugaro in der Vergangenheit Hand angelegt hat, war es ein Erfolg“, fasst es Giugiaro zusammen.

Beistand von oben hat der Konzern bereits: “Es wird der Wendepunkt sein, den wir uns erhoffen“, prophezeit der Kardinal und Erzbischof Severino Poletto am Rande der Veranstaltung.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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