Der Marktführer verstärkt den Branchentrend zu abgespeckten Zweittarifen
Allianz Versicherung startet mit preiswerten Autopolicen

Die Allianz Versicherung kommt zum 1. September mit einer preisgünstigen Variante ihrer Autoversicherung auf den Markt. Das bestätigte Allianz-Chef Reiner Hagemann gestern gegenüber dem Handelsblatt. Mit dem so genannten Kompakt-Tarif heizt der Marktführer nicht nur den Wettbewerb in der Autoversicherung erneut an, um verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Er scheut auch nicht den Konflikt mit seinen Vertretern, die beim Spartarif mit der Hälfte der Provision auskommen müssen.

DÜSSELDORF. Die Allianz ist kein Einzelfall. In der gesamten Branche ist ein Trend zu Zweittarifen zu beobachten, die nach Branchenschätzungen bis zu 20 Prozent billiger als die traditionellen Produkte sind – dabei können im Einzelfall die Abweichungen wegen der unterschiedlichen Vertragsbedingungen stark variieren. Bereits vor zwei Jahren hat die Axa Versicherung mit einer billigeren Produktlinie neben der normalen begonnen. Auch dort bekommen die Vertreter deutlich weniger Provision als üblich, damit sich das Ganze rechnet. Im Schnitt geben die Autoversicherer rund fünf bis gut zehn Prozent des Beitrags an die Vertreter ab. Dem Vernehmen nach pendeln sich die Sätze für die Sparangebote bei etwa der Hälfte dessen ein.

Dieses Modell kommt bei immer mehr Versicherern an: Die Gothaer Versicherung bietet seit April dieses Jahres eine Light-Version ihrer Autoversicherung an, wie Vertriebsvorstand Ron van het Hof bestätigt. Die DBV-Winterthur wolle sich unter ihrem Chef Frank Keuper, der diese Segmentierung vormals im Axa-Vorstand angestoßen hatte, mit einem ähnlichen Tarif rechtzeitig zum Jahreswechselgeschäft „unter die Top-Ten im Markt“ hieven, sagte ein Sprecher der DBV gestern. Auch die Rheinische Provinzial bestätigt Überlegungen in Richtung abgespeckte Autopolice.

Der Vorstoß der Allianz dürfte diesen Trend noch erheblich verstärken. Dabei hat der Marktführer jetzt schon einem Billigtarif im Angebot, aber nur für einen eingeschränkten Kundenkreis. Er firmiert unter dem Namen „Vereinte Spezial“ und ist nur für große Belegschaften ehemals staatlicher Firmen gedacht, etwa für Mitarbeiter der Telekom. Die Allianz hat damit Erfolg. „Wir verlieren massiv Kunden an die Vereinte Spezial“, sagt der Vorstand eines Konkurrenten. Mit dem neuen Angebot weitet die Allianz ihre Billig-Schiene erheblich aus. Dabei werde der „Kompakt-Tarif nicht so günstig wie das Angebot „Vereinte Spezial“, sagt Hagemann, aber deutlich unterhalb des Standardangebots liegen.

Die Zielgruppe beschreibt er noch nicht im Detail. „Wir bieten den neuen Tarif nicht allen Risikogruppen an“, sagt er. Beispielsweise Fahranfänger, die traditionell mehr Unfälle bauen, sollen nicht an die Sparvariante kommen. Schätzungsweise ein Viertel der Kundschaft könnte aber damit günstiger fahren. Hagemann bestätigte, dass die Versicherungsvertreter dazu Federn lassen müssten – wie viel, sei eine interne Angelegenheit. „Der Vorstand ist in Gesprächen mit der Vertretervereinigung“, sagt der Vorstand.

Die Verkäufer, zumeist selbstständige Handelsvertreter, sind alles andere als begeistert. „Der Beratungsaufwand wird immer größer und die Einnahmen geringer“, klagt Allianz-Vertreter Bernd Martin, der zugleich Vizepräsident im Bundesverband der Versicherungskaufleute (BVK) ist. Eine Untersuchung der Universität zu Köln bescheinige, dass die Bestände der Agenturen im Schnitt zu 50 Prozent aus Autoversicherungen bestünden. Die brächten nur 15 bis 20 Prozent der Erträge, kosteten die Vertreter aber rund 80 Prozent ihrer Zeit.

Ulrich Brock, ebenfalls BVK-Vize, sieht noch ein anderes Problem: Die abgespeckten Tarife sind nicht nur billiger, sondern auch löchriger. Der Kunde merke den Unterschied aber häufig erst, wenn es zu spät sei, also im Schadenfall.

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