Der Trabi wird 60 Jahre alt Auf dem Weg zur Wertanlage

Der Kleinwagen Trabant - ein Symbol des DDR-Alltags - hat auch Jahrzehnte nach dem Produktionsstopp weltweit eine treue Fangemeinde. Fast 35.000 „Rennpappen“ rollen durch Deutschland. Nun wird das Kultauto 60 Jahre alt.
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Das Interesse an dem Kultauto reicht längst über deutsche Grenzen hinaus. Der Zwickauer Online-Versandhändler Frank Hofmann verschickt Päckchen mit Trabant-Teilen nach England, Belgien, Ungarn, Russland, Australien und in die USA. Einen Bremszylinder hat er sogar schon bis Namibia versandt. Quelle: APN
Trabant 601 Kombi

Das Interesse an dem Kultauto reicht längst über deutsche Grenzen hinaus. Der Zwickauer Online-Versandhändler Frank Hofmann verschickt Päckchen mit Trabant-Teilen nach England, Belgien, Ungarn, Russland, Australien und in die USA. Einen Bremszylinder hat er sogar schon bis Namibia versandt.

(Foto: APN)

ZwickauSobald Frank Hofmann den Zündschlüssel herumdreht, ist die Erinnerung wieder da. Das vertraute Knattern und der typische Abgasgeruch des Benzingemischs können nur zu einem gehören - dem Trabant. Auch 60 Jahre, nachdem am 7. November 1957 mit dem „P50“ in Zwickau die erste „Pappe“ vom Band lief, fasziniert das Auto mit dem Kulleraugen-Gesicht. „Der Trabi ist einfach ein Auto, das sich abhebt“, sagt der Trabi-Fan, der selbst einen baligelben P 601 fährt.

Hofmann muss es wissen. Jeden Tag teilt er seine Leidenschaft mit anderen treuen Anhängern des Trabants, von dem bis zum Jahr 1991 rund drei Millionen Stück gebaut wurden. Der Zwickauer ist Inhaber eines Onlineversandhandels für Trabant-Ersatzteile. Diese werden in Kleinserien fabrikneu produziert.

Geliebter Stinker
Ein Trabant im Oktober 1990 an einem Hinweisschild auf der Autobahn bei Frankfurt/Oder, nahe der polnischen Grenze
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Zwischen 1957 und 1991 wurden im VEB Sachsenring Automobile Zwickau über drei Millionen Trabant produziert, davon allein zwischen 1964 und 1990 etwa 2,8 Millionen des Typ 601 mit 23 beziehungsweise 26 PS.

Trabant "P 50" aus der Nullserie, die im November 1957 im VEB Automobilwerk Zwickau startete
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Das Fahrzeug steht heute im August-Horch-Museums in Zwickau. 1958 begann die Großserienfertigung. Von 1957 bis zum Fertigungsende 1991 sind in Sachsen insgesamt 3.051.385 Trabant in verschiedenen Baureihen produziert worden. Laut Kraftfahrzeug-Bundesamt waren am 1. Januar 2007 in Deutschland noch 52.432 "Plastikbomber" zugelassen.

Trabant-Pionier Werner Lang
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Die Archiv-Aufnahme von 1997 zeigt Werner Lang, den früheren Chefkonstrukteur im Sachsenringwerk Zwickau mit einem Schnitt-Modell eines 500er Trabants

Ein Mann repariert seinen Trabant 601 auf einer Straße in Leipzig, aufgenommen 2010
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Der erste Kleinwagen aus DDR-Produktion lief am 7. November 1957 vom Band

Bild vom 13. November 1997
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Nachdem 1997 die A-Klasse von Mercedes bei dem legendären Elchtest umgefallen war, unterzog die "Thüringer Allgemeine" das Kultauto dem Ausweich-Test. Der Trabi bestand übrigens die nichtganz ernst gemeinte Prüfung.

Hege und Pflege
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Das Bild von 2007 zeigt Detlef Kunze in seiner Werkstatt in Großröhrsdorf mt einem Trabant 601, Baujahr 1987. Das Zweitaktfahrzeug hat 26 PS und ist noch im Originalzustand. Der Trabant sei ein Gegenentwurf unserer hochtechnisierten Welt schwärmen Oldtimer-Fans. Es genügten wenige Kenntnisse, um das Kultauto selbst zu reparieren, weil es technisch denkbar einfach aufgebaut sei.

Fließband im VEB Sachsenring Automobilwerk Zwickau (Archivfoto aus dem Jahr 1970)
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Die Vorgabe des DDR-Ministerrats aus dem Jahr 1954 lautete: Robust, sparsam und preiswert sollte der Kleinwagen sein. Weil Blech in der DDR Mangelware war, entwickelten Konstrukteure die berühmte Kunststoff-Karosserie aus Duroplast.

Als er damit 2003 anfing, hätten ihm viele ein schnelles Ende prophezeit, erzählt er. „Damals waren wir zu zweit und hatten drei Kartons voller Teile im Keller stehen.“ Heute vertreibt er 1500 Artikel von der kleinsten Schraube bis zum kompletten Trabi-Motor, füllt damit drei Lager und beschäftigt acht Mitarbeiter.

„Der Trabant ist das Gegenteil unserer technisierten Welt von heute“, schwärmt der Mittvierziger, dem es der Trabi seit Kindheitstagen angetan hat. Es genügten wenige Kenntnisse, um das Kultauto selbst zu reparieren, weil es technisch denkbar einfach aufgebaut sei.

Genau das war die Vorgabe des DDR-Ministerrats aus dem Jahr 1954: Robust, sparsam und preiswert sollte der Kleinwagen sein. Weil Blech in der DDR Mangelware war, entwickelten Konstrukteure die berühmte Kunststoff-Karosserie aus Duroplast.

Bereicherung für Sachsen & Co – und das schafft der „Trabbi“ bis heute

Bereicherung für Sachsen & Co – und das schafft der „Trabbi“ bis heute

Aus welch einfachen Mitteln die „Rennpappe“ entstanden ist, schildert der inzwischen verstorbene Trabi-Chefkonstrukteur Werner Lang in einer Dokumentation des Filmemachers Eberhard Görner, die im Frühjahr Premiere feierte. „Wolle auf Asphalt - Das Experiment Trabant“ lief seitdem nicht nur in Programmkinos in Dresden oder Halle, sondern zuletzt auch in der Schweiz. Selbst eine Einladung nach Texas gebe es bereits, sagt Görner.

Das Interesse an dem Kultauto reiche längst über deutsche Grenzen hinaus, bestätigt Frank Hofmann. Die Päckchen mit Trabant-Teilen gehen demnach nach England, Belgien, Ungarn, Russland, Australien und in die USA. Einen Bremszylinder habe er sogar schon bis Namibia verschickt.

Der Zweitakter gilt als Symbol für Sozialismus und Planwirtschaft. Schon kurz nach seiner Erfindung trat die Staatsführung bei der Weiterentwicklung auf die Bremse. Erst ab Ende der 80er Jahre wurde ein Viertaktmotor von Volkswagen im Trabant verbaut - da war die DDR jedoch fast am Ende und das übrige Auto bereits hoffnungslos veraltet.

Für Hofmann zahlt sich der fehlende technologische Fortschritt heute aus. „Ich brauche eigentlich keine Nummern aus der Zulassung, weil das meiste zwischen 1958 und 1991 ohnehin deckungsgleich ist“, so der Versandhändler. Die Lieferzeit hingegen habe sich dramatisch verändert, meint er augenzwinkernd: Während DDR-Bürger im Durchschnitt zwölf Jahre auf ihren Trabant warten mussten, hat der Trabi-Fan von heute sein Ersatzteil bereits am nächsten Tag.

Mit aktuell rund 34.500 zugelassenen „Rennpappen“ in ganz Deutschland sei der Trabi nicht nur ein Ost-Ding, sagt Wolfgang Kießling. Er ist Vorsitzender des Internationalen Trabant-Registers. Der Verein hält alle Markenrechte am Trabant und betrieb mit rund 20 Aktiven bis vor wenigen Tagen eine mobile Trabi-Ausstellung. Diese muss nun aus Kostengründen vorerst im Depot des Zwickauer August Horch Museums unterkommen.

Kießling beobachtet vor allem unter jüngeren Menschen ein zunehmendes Interesse, das sich nicht nur mit dem Nostalgiefaktor erklären lasse. Das Kultauto sei auf dem Weg zum Oldtimer, den es möglichst originalgetreu aufzubauen gelte. Eine Wertanlage sei der Trabant zwar noch nicht. Doch für gut restaurierte Modelle wie den Trabant Tramp, die zivile Variante des „Kübel“ der DDR-Armee, würden bereits um die 10.000 Euro gezahlt.

An der Wiege des Trabant laufen indessen die letzten Vorbereitungen für einen großen Auftritt des kleinen Stinkers: Das August Horch Museum wurde erweitert und eröffnet am 10. November eine neue Dauerausstellung. Drei Viertel der hinzugekommenen Fläche gehören künftig allein dem Trabant, sagt Museumssprecherin Annett Kannhäuser.

Der allererste Trabi wird zwar nicht zu sehen sein, dafür aber die Nummer 57 aus der Nullserie mit 150 Wagen. Über den Verbleib der Fahrzeuge davor sei hingegen nichts bekannt. Nummer 57 rollte dafür direkt vom Band ins Museum. Die Geschichte des Kultautos wird nun dort erzählt, wo der Trabi vor 60 Jahren im Werk II des VEB Sachsenring losknatterte.

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  • dpa
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