Designkritik von Paolo Tumminelli
Neuer Clubmini: Zum Erfolg verdammt

BMW setzt auf traditionelles Autodesign. Nach der Vorstellung einiger Showcar-Versionen kommt der Kombi-Mini endlich auf den Markt. Die Vorgeschichte lässt einen großen Erfolg erwarten.

Manchmal fragt man sich, womit sich die Produktverantwortlichen der Automobilkonzerne beschäftigen. Einzigartige, innovative Automobilkonzepte sind immer noch eine Rarität. Von den über hundert Baureihen und Tausenden von Modellen, die angeboten werden, sind mindestens drei Viertel überflüssig. Wenn dann etwas Neues kommt, dann ist es oft die Wiederentdeckung einer Automobiltypologie, die man bereits kennt und die irgendwann aus dem Markt verschwunden ist.

Ein Beispiel ist der dreitürige Kombi, ein Hit der 60er-Jahre. Für Anfänger gab es ihn mit langem Radstand und steilem Heck, wie den Fiat 500 Panoramica, für Erfolgreiche den Sportwagen mit Fließheck und großer verglaster Heckklappe, wie den berühmten Aston Martin DB5/6 Shooting Brake. Nun präsentiert BMW den Mini Cooper Clubman und nennt ihn ein „neuartiges Shooting-Brake-Konzept“, was historisch gesehen schlichtweg falsch ist. Genauso einen Mini wie diesen hat es schon gegeben – aber es war kein schicker Jagdkombi, sondern eher ein sympathisches Arbeitstier.

Als Austin Countryman oder Morris Traveller – in Italien als Innocenti Mini T – wurde er beliebt, vor allem wegen der Massivholz-Leisten, die das ganze Heck verzierten. 1969 gab es den Mini Clubman zum ersten Mal, mit einer unvorteilhaft modernisierten Front und einem pseudosportlichen Armaturenbrett – das war der Versuch von Sir Donald Stokes, die British Leyland Motors Corporation vor dem Bankrott zu retten.

Ausgerechnet ein deutscher Wagen, der VW Polo mit „Steilheck“, übernahm – gewiss nur außerhalb Deutschlands – die Rolle des schicken Stadtkombis und sorgte ab 1981 für den Untergang des Clubman-Estate. Gute 13 Jahre blieb der Wolfsburger in Produktion, bis er 1994 durch ein 08/15-Kompaktwagendesign ersetzt wurde.

Weitere 13 Jahre dauerte es, bis BMW sich nun traut, im Namen des Mini-Heritage den Clubman wieder auf den Markt zu bringen. Das kompakte Design ist so intelligent wie damals schon, wobei die jetzige Innovation darin besteht, dass es neben der „klassischen“, geteilten Hecktüre nun eine zusätzliche, hinten angeschlagene Tür an der Beifahrerseite gibt. Die insgesamt fünf Türen sind nicht nur nützlich, sondern irgendwie auch lustig.

Egal, wie innovativ der Cooper Clubman ist, er ist – um Alejandro deTomaso zu zitieren – „zum Erfolg verdammt“. Endlich haben profilneurotische SUV-Fans eine Möglichkeit, sich für eine ökologische Variante zu entscheiden, ohne dabei das Gesicht zu verlieren.

Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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