Deutsche Bushersteller profitieren von starker Nachfrage
Ende des Investitionsstaus bei Bussen

Zu den Gewinnern der Fußball-Weltmeisterschaft gehören auch die Hersteller von Omnibussen. Die "erhöhten Transportanforderungen" während des Großereignisses hätten sich neben der steigenden Nachfrage nach Fahrzeugen mit modernen Abgasstandards als Wachstumstreiber erwiesen, teilt der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit. Damit zog die ohnehin schon positive Konjunktur noch etwas stärker an.

DÜSSELDORF. Die Flaute im Busgeschäft ist endgültig vorbei: Im ersten Halbjahr 2006 wurden in Deutschland 4 300 Fahrzeuge produziert, ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Export stieg um 20 Prozent auf 3 300 Fahrzeuge, und auch der Absatz im Inland zeigte einen klaren Aufwärtstrend: Um 13 Prozent auf knapp 3 000 Omnibusse legten die Verkaufszahlen zu.

"Der Investitionsstau bei den Linien- und Reisebus-Unternehmen wird seit Ende 2004 abgebaut und hat vor allem in diesem Jahr zu einer erfreulichen Absatzentwicklung beigetragen", erläutert Martin Scharrer, Mitglied der Geschäftsführung bei Neoman Bus die Branchenlage. Zudem bekommen die Hersteller die bessere gesamtwirtschaftliche Konjunktur, die auch das Busgewerbe erfasst, zu spüren. Schließlich kurbelten die strengeren Abgasvorschriften den Absatz an, so Scharrer. Ab Oktober müssen alle Busse die EU-Abgasrichtlinie Euro 4 erfüllen. Da die dazu erforderlichen Antriebssysteme mit etwa 5 000 Euro zu Buche schlagen, haben viele Busunternehmer in den vergangenen Monaten noch Euro-3-Fahrzeuge geordert.

Dem aktuellen Aufschwung ging eine fünfjährige Phase mit Absatzrückgängen voraus. Erst im vergangenen Jahr hat sich die Nachfrage stabilisiert. "Die Verkaufszahlen aus den neunziger Jahren bekommen wir nicht wieder", sagt Scharrer. Auf dem gegenwärtigen Niveau erwartet er für die kommenden Jahre aber eine stabile Absatzentwicklung.

Den Markt in Deutschland beherrschen die beiden heimischen Produzenten Evobus, eine Daimler-Chrysler-Tochter mit den Marken Mercedes-Benz und Setra, sowie Neoman mit Neoplan und MAN. Evobus liegt mit einem Marktanteil von 50 Prozent deutlich vor Neoman mit 30 Prozent.

Allerdings haben die beiden deutschen Hersteller schwer damit zu kämpfen, ihre Position im heimischen Markt zu behaupten. Noch vor fünf Jahren kamen beide zusammen auf einen Marktanteil von über 90 Prozent. Seitdem haben sich ausländische Konkurrenten wie Volvo aus Schweden, Solaris aus Polen, Van Hool aus Belgien oder die niederländische VDL-Gruppe stärker etabliert.

Das Interesse der ausländischen Hersteller am deutschen Markt überrascht nicht - schließlich gilt Deutschland als Markt, in dem sich europaweit die höchsten Preise realisieren lassen. Die Privatisierung des Nahverkehrs hat in Ländern wie Frankreich oder England zu hohem Preisdruck geführt, da nun große Verkehrsunternehmen mit bis zu 12 000 Fahrzeuge zählenden Flotten als Nachfrager auftreten und günstigere Buskonzepte anfordern. "Diese Entwicklung könnte in den kommenden Jahren auch in Deutschland beginnen", sagt Scharrer.

In Europa lag der Marktanteil der Marken MAN und Neoplan im vergangenen Jahr bei 12,8 Prozent. Daimler-Chrysler kommt in Europa mit der Evobus-Gruppe und der Mercedes-Benz Türk auf 22,4 Prozent. Ein Anteil von 17 Prozent auf dem Weltmarkt bedeutet für den Hersteller hier Platz eins. Während die Marktanteile in Deutschland jüngst bröckelten, ist das Unternehmen mit der Stellung auf dem Weltmarkt zufrieden. "Wir haben unsere Position als weltweite Nummer eins erneut ausgebaut", sagt Wolfgang Diez, Leiter des Geschäftsbereichs Daimler-Chrysler Omnibusse: "Im dritten Jahr in Folge ist es uns gelungen, unseren Absatz überproportional zum Markt zu steigern."

Auch Neoman schlägt den Weg der Internationalisierung ein. Schon heute liegt der Anteil des Geschäfts außerhalb Deutschlands bei 66 Prozent. Die Neoman-Werke mit der größten Kapazität liegen in Polen und in der Türkei. Eine neue Fabrik wurde gerade in Mexiko in Betrieb genommen. In Indien ist zudem ein Joint-Venture mit Force Motors geplant. "Wir peilen einen Anteil von mehr als 50 Prozent außerhalb Europas an". sagt Scharrer.

Beim Antrieb der Busse wird trotz der steigenden Ölpreise der Dieselmotor weiterhin dominieren. Um dem Anstieg der Treibstoffkosten zu begegnen, werden vor allem die Motoren weiterentwickelt und sparsamer gemacht. Während bei Reisebussen der Kostenaspekt klar die zentrale Rolle spielt, kommt bei Linienbussen im öffentlichen Personennahverkehr der Imagefaktor hinzu - es geht um eine möglichst umweltverträgliche Flotte. Hier werden auch neue Antriebskonzepte getestet.

So haben beispielsweise die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die ersten Busse mit Wasserstoff-Verbrennungsmotoren geordert. Insgesamt sollen 14 Busse im Rahmen eines von der EU-Kommission unterstützten Projekts mit diesem Antriebssystem in Betrieb genommen werden und im Berliner Linienverkehr fahren. Es handelt sich damit um die weltweit größte Flotte von umweltfreundlichen Wasserstoff-Bussen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%