Deutsche Hersteller
Klima-Killer verschwindet aus Auto-Klimanlagen

Die deutschen Autohersteller wollen die Klimaanlagen ihrer Fahrzeuge bald nur noch mit Kohlendioxid als Kältemittel befüllen, das weitaus klimafreundlicher ist als die bisher gängige Chemikalie. Dafür heimst die Branche ungewollt deutliches Lob von Umweltverbänden ein - ein Erfolg des neuen Verbandspräsidenten Matthias Wissmann.

HB FRANKFURT. Die Nutzung des Kältemittels Kohlendioxid könne die direkten Treibhauseffekte aus Autoklimaanlagen um den Faktor 1 000 verringern, erklärte der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Donnerstag in Frankfurt am Main. Bisher wird als Kältemittel die Substanz Tetrafluorethan verwandt, die auch R134a genannt wird und den Treibhauseffekt massiv fördert, wenn sie aus Klimaanlagen entweicht und in die Atmosphäre aufsteigt.

Umweltschützer hatten die Umstellung seit langem gefordert. VDA-Präsident Matthias Wissmann betonte: „Mit diesem gemeinsamen Schritt gehen deutsche Automobilhersteller auch bei klimaschonenden Kältemitteln weltweit in Führung.“ So werde es auch gelingen, die ab 2011 geltenden neuen EU-Grenzwerte für Kältemittel deutlich zu unterschreiten. Nun gehe es noch darum, technische Fragen „im Schulterschluss mit den Zulieferern zu klären“. Eine EU-Regelung verbietet es ab 2011, in Autoklimaanlagen Kältemittel mit einem Treibhauspotenzial von mehr als dem 150-fachen von Kohlendioxid zu verwenden.

Greenpeace würdigte die Entscheidung der Autobauer als mutig und wegweisend. Greenpeace-Experte Wolfgang Lohbeck schrieb an den Herstellerverband: „Auch wenn wir Ihre Modellpolitik unter Klimagesichtspunkten nach wie vor kritisieren, auf dem Gebiet der Wahl des 'Kältemittels der Zukunft' verdienen die deutschen Hersteller Respekt“.

Die Deutsche Umwelthilfe sprach von einem „wichtigen ersten Schritt zur Wiederherstellung der klimapolitischen Glaubwürdigkeit“ der deutschen Autoindustrie. „Chapeau, Herr Wissmann, Sie haben den Lackmustest bestanden“, lobte DUH-Chef Jürgen Resch. Er verwies auf Angaben der Hersteller von Klimaanlagen auf Kohlendioxid-Basis, wonach mit der Massenproduktion binnen Monaten begonnen werden könne.

Der frühere CDU-Spitzenpolitiker Wissmann hatte im März den Ex-Mercedes-Manager Bernd Gottschalk an der Spitze des VDA abgelöst, der große Probleme mit der Diskussion über die CO2-Emissionen von Autos gehabt hatte. Die Industrie hatte mit Unmut darauf reagiert, dass die deutschen Anbieter nach Aufkommen der Debatte gegenüber japanischen, italienischen oder französischen Herstellern ins Hintertreffen geraten waren. Mit der Kältemittel-Entscheidung ist es Wissmann gelungen, die Branche auf einem wichtigen Feld positiv zu positionieren.

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