Deutsche Hersteller nicht vom Hybrid überzeugt
Rasen ohne Reue

Mercedes, VW, Audi und Porsche rücken auf der IAA ihre Hybridfahrzeuge ins Scheinwerferlicht. Doch sämtliche Autos sind noch Prototypen.

Die maisgelben Taxis sind dem New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg ein Dorn im Auge. Die meist schon sehr betagten Modelle vom Typ Ford Crown Victoria verbrauchen im Schnitt 15 Liter Benzin und blasen so eine Menge Kohlendioxid in den Himmel über der Millionenstadt. Deshalb hat Bloomberg beschlossen die rund 13 000 Fahrzeuge starke Taxi-Flotte von New York bis 2012 vollständig auf Hybridantrieb umzustellen, sodass sie im Stadtverkehr mit Elektroantrieb fahren können - lautlos und abgasfrei. Etwa 200 000 Tonnen CO2 sollen so jährlich eingespart werden.

Der Plan gefällt den Managern des japanischen Autokonzerns Toyota ausgesprochen gut. Denn das Unternehmen bietet vom taxitauglichen Modell Camry, der meistverkauften Limousine in den USA, heute bereits eine Hybridversion an, bei der ein Elektroantrieb die Arbeit des Verbrennungsmotors unterstützt. Deutsche Autohersteller müssen da passen. Zwar zeigen Mercedes, Volkswagen, Audi und Porsche auf der IAA ebenfalls Hybridfahrzeuge. Doch sämtliche Autos sind noch Prototypen. Erst im Sommer 2008 werden mit dem Audi Q7 und dem VW Touareg die ersten deutschen Hybridfahrzeuge zu kaufen sein. Zudem sind die Geländewagen wegen ihres hohen Preises nur bedingt taxitauglich.

Jetzt rächt sich, dass die deutschen Hersteller bei der Entwicklung spritsparender und klimafreundlicher Antriebe zu lange allein auf den Dieselmotor gesetzt haben. Die Weiterentwicklung des Hybridantriebs hingegen überließ man den Japanern. Dabei hatte Audi schon 1989 ein Experimentalfahrzeug mit Hybridantrieb im Einsatz und bot 1997 mit dem davon abgeleiteten Audi A4 Duo zum Preis von 60 000 Mark auch das erste in Serie gebaute europäische Auto mit Hybridantrieb an. Doch wegen mangelnder Nachfrage wurde die Produktion schon bald wieder eingestellt.

Toyota hingegen ließ sich von den Anfangsproblemen des 1998 vorgestellten Hybridautos Prius nicht entmutigen und investierte weiter Milliardensummen in die Technologie. Das Ergebnis: Toyota hat nach Expertenschätzungen inzwischen einen Entwicklungsvorsprung von fünf Jahren gegenüber der Konkurrenz. Den wollen die Japaner nutzen, um ihre Marktposition auszubauen: Bis zum Jahr 2010 will Toyota 14 neue Hybridfahrzeuge zur Serienreife bringen. "Mit jeder Generation machen wir auf der Kostenseite einen Sprung nach vorn", verspricht Toyota-Hybridentwickler Shinichi Abe. Schon bald werde man einen Vollhybrid zum Preis eines Dieselautos anbieten. Noch ist ein Voll-Hybrid 10 000 Euro teurer als ein konventionelles Auto.

Nur ganz allmählich holen die deutschen Autohersteller auf. Auf ihrem Testgelände in Neustadt an der Donau präsentierte Audi vor wenigen Tagen Politikern, Großeinkäufern und Fachjournalisten den Q7 Hybrid - 2,5 Tonnen schwer, über 320 PS stark, über 220 Stundenkilometer schnell - und mit einem Normverbrauch von unter zehn Litern. Das Schwestermodell mit Benzinmotor schluckt auf einer Fahrstrecke von 100 Kilometern 23 Prozent mehr. Den Hybridantrieb hat der VW-Konzern zusammen mit Partner Porsche entwickelt, das 40 Kilogramm schwere Hybridmodul liefert Bosch, die Nickel-Metallhydrid-Batterie Sanyo. Die Ladekapazität des Stromspeichers reicht aus, um den Koloss auf Rädern knapp zwei Kilometer weit elektrisch fahren zu lassen, bei maximal 30 Stundenkilometer Geschwindigkeit. "Für den Stadtverkehr reicht das völlig aus", findet Projektleiter Martin Werner. Ab Sommer 2008 soll das Hybridauto zum Kauf angeboten werden, wie in Neustadt zu hören war, voraussichtlich zu einem Aufpreis von 6 000 Euro.

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