Deutsche Oldtimer in Südafrika
Im Klassiker ums Kap

Da führt der Urlaub über die schönsten Straßen der Welt und die Touristen sitzen im Chevrolet Matiz oder im Hyundai i10. Das muss nicht sein, hat sich Dirk Salomon gedacht. Mit seiner Hilfe geht es im Oldtimer ums Kap.
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Eigentlich schlägt das Herz von Dirk Salomon für Berlin. Und mit seinen rund 50 Miet-Oldtimern macht der Chef des Classic Depots im ehemaligen Meilenwerk dort offenbar auch gute Geschäfte. Allerdings nur im Sommer. Von Oktober bis April dagegen stehen seine Schätzchen wie Blei, bringen kein Geld in die Kasse und zehren nur am Betriebsvermögen.

„Kein Wunder, bei dem bescheidenen Wetter in der Heimat“, sagt Salomon, rückt sich die Sonnenbrille zurecht und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Denn während die Mitarbeiter in Berlin noch in der Frühlingskälte frösteln und erst so langsam die Klassiker aus dem Winterschlaf holen, sitzt der Chef in Kapstadt und genießt den Sommer an der Südspitze Afrikas.

Natürlich gibt es schlimmere Orte, um zu überwintern. Aber Salomon ist keiner der zahlreichen Urlauber, die sich hier einfach nur so die Sonne auf den Pelz brennen lassen. Nachdem es ihn vor zehn Jahren eher per Zufall das erste Mal ans Kap verschlagen hat und er über die Jahre zum Dauergast wurde, hat er mittlerweile auch sein Geschäft mit in die Winterpause genommen – und die Idee von der Oldtimer-Vermietung nach Südafrika exportiert.

„Die Touristen geben ein Heidengeld für ihren Urlaub aus und suchen sich die schönsten Straßen der Welt aus. Und dann hocken sie in einem stillosen Mietwagen wie einem Chevrolet Matiz oder einem Hyundai i10“, sagt der Unternehmer. Nicht dass er was gegen Kleinwagen aus Asien hätte. Aber in einem Mercedes SL oder einem alten Jaguar fühlen sich der legendäre Chapmans Peak Drive, die Weinberge von Stellenbosch oder der Frenchhook Pass gleich ganz anders an. Und wer einmal im Westfalia-Bus an einen der vielen Surfer-Strände am Kap gefahren ist, der weiß, dass man auch in Afrika was vom California Dreaming versteht.

Ein knappes Dutzend Klassiker hat er für die Touren über die Garden Route, durch die Winelands und für den Abstecher zum Kap der Guten Hoffnungen deshalb mittlerweile im Fuhrpark – darunter auch eine 116er S-Klasse, einen Rover P4, einen Mercedes 280 SE und ganz neu einen Citroen DS. Die Preise reichen von 150 Euro für einen Tagesausflug mit dem 280 SE bis hin zu 490 Euro für ein Wochenende im majestätischen Jaguar – wobei für die Drei-Tage-Regelung auch für jeden anderen Wochentag gilt. „Meine Kunden sind Urlauber, die haben ja quasi die ganze Zeit über Wochenende“, sagt Salomon.

Zwar haben seine Autos schon bessere Tage gesehen, und der dunkelblaue SL aus der Baureihe 107, mit dem der Depot-Chef zum Interview-Termin kommt, macht einen reichlich verlebten Eindruck. Aber dafür gibt Salomon die Fahrzeuge auch bedenkenlos heraus. „Oldtimer kann man hier unten viele mieten“, räumt der Mobilmacher ein. „Aber bei allen anderen Anbietern, gehört mittlerweile auch ein Fahrer dazu. Wir sind die einzigen, bei denen man tatsächlich selbst fahren darf.“

Außerdem kommt es ihm eher auf die Technik an als auf die Optik. Wichtiger als ein tadelloser Lack sind ihm gut eingefahrene Motoren, solide Bremsen und vor allem ein funktionierender Kühlkreislauf. „Auch das ist wahrscheinliche in Grund, weshalb wir noch nie einen Unfall hatten und die Oldtimer nur ganz selten liegen bleiben.“

Und vor allem ist das ein Grund, weshalb er überdurchschnittliche viele Mercedes in der Flotte hat. Denn währen die alten Englänger schon mal heiß laufen, sind die Klassiker aus Stuttgart offenbar besser gegen die Hitze gewappnet und laufen deshalb ohne Probleme, berichtet der Firmenchef.

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