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Die Ära des Drachen beginnt

Auf der IAA in Frankfurt/Main starten die chinesischen Autohersteller eine Offensive für den europäischen Markt. Die Erfolgs-Aussichten sind nicht schlecht, meint Marktexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen.

dpa/gms FRANKFURT/MAIN. Auf der IAA in Frankfurt/Main starten die chinesischen Autohersteller eine Offensive für den europäischen Markt. Die Erfolgs-Aussichten sind nicht schlecht, meint Marktexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen.

„Doch ab 2010 werden sie ernst zu nehmende Wettbewerber sein und mancher europäischen Marke das Leben schwer machen“, so der Experte. Ihr Debüt geben in Frankfurt drei chinesische Hersteller.

Am weitesten fortgeschritten ist die Jiangling Landwind Motors Company, die unter der Marke Landwind einen Geländewagen im Stil des alten Opel Frontera nach Europa bringt. Das 4,75 Meter lange Auto hat nach Unternehmensangaben technisch aber nichts mit dem Frontera gemein. „Wir haben nur das Design nachempfunden“, sagt der für Deutschland zuständige Projektmanager Wolfgang Haus. Die Motoren kommen von Mitsubishi und Isuzu. „Und der Rest wurde selbst entwickelt.“

Der Geländewagen wird nach Angaben des belgischen Importeurs bereits seit einigen Wochen in Europa verkauft. Noch in diesem Herbst soll laut Haus der Vertrieb in Deutschland starten. Dazu habe Landwind bereits gut 100 Händler im Bundesgebiet unter Vertrag genommen. Bis zum Jahresende sollen es etwa 250 sein.

Für Preise ab 14 995 Euro gibt es den Geländewagen mit einem 84 kW/115 PS starken Zweiliter-Benziner, der aber nur zwei Räder antreibt. Alternativ gibt es einen 2,4-Liter-Benziner mit 92 kW/125 PS oder einen 2,8-Liter-Diesel mit 68 kW/93 PS, beide sind auch mit Allradantrieb erhältlich. Für 2006 kündigt Haus einen Sechszylinder an. Außerdem wird Landwind eine Großraumlimousine nach Europa holen.

Scharfe Kritik kommt allerdings vom Adac: Noch nie in der 20-jährigen Geschichte der Adac-Crashtests habe ein Auto so schlecht abgeschnitten wie der Landwind. Bei einem Frontalaufprall mit 64 Stundenkilometern hätte der Fahrer „keine Überlebenschance gehabt“. Zudem stellten die Tester starkes Schlingern, eine ungenaue Lenkung und lange Bremswege fest. Der Wagen sollte „keine Freigabe für den europäischen Markt erhalten“, fordert der Automobilclub. Landwind wies die Vorwürfe auf der IAA zurück: In den vergangenen drei Jahren sei die Sicherheit der Geländewagen „ausgezeichnet“ gewesen.

Ebenfalls kurz vor dem Start steht der chinesische Hersteller Brilliance, der nach Angaben des europäischen Importeurs noch in diesem Jahr mit der Vermarktung der Mittelklasse-Limousine Zhonghua beginnen will. Das 4,88 Meter lange Stufenheck-Modell ziele auf die „Generation 45plus“ und wird mit einem 2,0-Liter-Vierzylinder mit 95 kW/129 PS zu Preisen ab etwa 18 000 Euro an den Start gehen.

Zur Ausstattung gehören laut Deutschland-Repräsentant Reiner Roethling unter anderem eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber, eine Einparkhilfe, eine funkfernbediente Zentralverriegelung und ein CD-Radio. Außerdem soll die Limousine grundsätzlich über ABS und zwei Airbags verfügen.

„Etwa ein halbes Jahr später bringen wir auch die auf der Automesse in Leipzig noch als Studie gezeigte Limousine Zhonghui nach Deutschland“, kündigt Roethling an. Dieses Auto sei zwar etwa 40 Zentimeter kürzer als der Zhonghua, biete aber innen ähnlich viel Platz. Als Antrieb stellt das Unternehmen einen bei einem deutschen Motorenhersteller entwickelten 1,8-Liter-Turbo in Aussicht. „Mit diesem Modell, dessen Preis auf einem ähnlichen Niveau wie beim Zhonghua beginnen wird, will Brilliance die etwas jüngere Kundschaft ansprechen“, so Roethling.

Noch etwa zwei Jahre vom Markteintritt entfernt ist Geely. In Frankfurt gezeigt werden der HQ, ein Kompaktmodell namens MR, die Mittelklasse-Limousine CK und das Coupé BL. „In diesem Jahr wollen wir allerdings nur Flagge zeigen und unser Portfolio vorstellen“, sagt Vertriebsmanager Frank Xu. „Bevor wir tatsächlich auf dem europäischen Markt antreten, müssen wir mit unseren Autos erst die Euro-4-Norm erfüllen.“

Zwar laufen die Arbeiten nach seinen Angaben auf Hochtouren. „Doch bis 2007 werden sich die Europäer schon noch gedulden müssen.“ Mit welchen Autos und mit welcher Vertriebsstruktur Geely dann antreten wird, ist noch offen. „Wir erkennen hier in Frankfurt eine große Nachfrage nach unseren Autos. Doch wie wir dieser begegnen werden, wollen wir erst kurz vor der Markteinführung entscheiden und kommunizieren“, sagt Xu.

Die Aussichten der chinesischen Anbieter schätzt Ferdinand Dudenhöffer als sehr gut ein. „Wir gehen davon aus, dass sie nach 2010 sehr ernst zu nehmende Wettbewerber sind.“ Aussichtsreichster Bereich dürften demnach die preisgünstigen Kleinwagen sein, mit denen bis zu zwei oder drei Prozent Marktanteil von den Koreanern, günstigen Japanern wie Daihatsu oder Suzuki und preiswerten Europäern abgenommen werden könnten.

Für die Hersteller gehobener Modelle dagegen sieht der Experte keine Gefahr: „In der Mittelklasse und darüber werden die Chinesen auf absehbare Zeit keinen Erfolg haben, weil dort die Marke wichtiger ist als der Preis“, meint Dudenhöffer.

Wichtig für die Chinesen sind nach Dudenhöffers Meinung allerdings aussprechbare Namen und eindeutige Marketing-Strategien. „Einfach nur etwas nachzubauen wird sicher nicht reichen.“ Stattdessen müssen die Firmen nach seiner Einschätzung rund 500 Mill. Euro in die Hand nehmen, um binnen drei Jahren eine Marke in West-Europa aufzubauen. Eventueller Skepsis gegenüber den neuen Produkten werden sie nach Dudenhöffers Meinung mit langen Garantiezeiten und günstigen Servicepaketen begegnen, so dass ihr Motto „preisgünstig und ohne Risiko“ lauten dürfte.

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