Die ersten Geländewagen chinesischer Herstellung rollen auf den europäischen Markt
Landwinds langer Marsch

Die Bedrohung kommt im Backsteinformat. Sie wiegt 1,7 Tonnen, und die 160 Stundenkilometer angegebene Höchstgeschwindigkeit schafft das Vehikel nur mit Mühe. Die Schaltung hakt, und um die Spurtreue soll es nicht zum Besten stehen. Lieferten europäische oder japanische Hersteller solche Karossen zu Testfahrten ab, das Urteil wäre wenig verkaufsfördernd.

HB DÜSSELDORF.Doch die Geländewagen der Marke „Landwind“, die in diesen Tagen im Hafen von Antwerpen von der Verladerampe poltern, müssen sich um solche Kleinigkeiten wenig scheren. Sie treten in historischer Mission an: Es ist die erste Kohorte chinesischer Autos, die auf dem europäischen Markt verkauft wird. 1 000 Stück sollen es bis Jahresende sein, 2006 doppelt so viele, sagt der niederländische Importeur.

Das sind zwar homöopatische Dosen für den europäischen Automarkt. Aber die Botschaft ist eindeutig: Nach T-Shirt-Fabrikanten und Handy-Herstellern ist es jetzt die westliche Autoindustrie, die Konkurrenz aus China bekommt. „Eine beängstigende Vorstellung“, wie jüngst Chrysler-Chef Dieter Zetsche bemerkte.

Mögen Qualität und Design noch der Charme des vergangenen Jahrzehnts anhaften, Opel-Kunden erkennen im dem „Landwind“ einen alten Bekannten wieder. Denn der im südchinesischen Nanchang zusammenschraubte Geländewagen ist in Wahrheit ein geklonter Isuzu Trooper, den Opel unter dem Namen „Frontera verkaufte.

Das Auto, mit dem in Rüsselsheim niemand so wirklich glücklich wurde, hat die General-Motors-Tochter 2003 eingestellt. Und mag man den Landwind nun als Plagiat bespotten, spätestens beim Preis schlackern europäischen Automanagern die Ohren. 14 000 Euro soll der „Landwind“ in Deutschland kosten, Klimaanlage, CD-Player, Lederausstattung sind serienmäßig. In Wolfsburg oder Rüsselsheim gibt’s dafür einen Polo oder Corsa – immerhin mit Zentralverriegelung.

Der „Landwind“ ist nur der Anfang. Der Hersteller Jiangling ist einer von einem halben Dutzend chinesischer Autokonzerne, die sich aus Joint-Ventures mit westlichen Unternehmen lösen und nun auf eigene Rechnung auf ausländische Märkte drängen. Brilliance, chinesischer Kooperationspartner von BMW, stellte auf der Leipziger Automesse die Mittelklasselimousine „Zhonghua“ vor, deren Verkauf in diesen Tagen beginnen soll.

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