Die Ertragsprobleme der größten Konzernmarke kann der Kleinwagen aus Brasilien aber nicht lösen
VW setzt Fox auf junge Käufer an

Ab sofort hat Volkswagen wieder einen echten Volkswagen im Angebot: Zu einem Basispreis von 8 950 Euro geht der kleine in Brasilien entwickelte und gebaute VW Fox in Europa an den Start. Der Vorverkauf hat begonnen, der Wagen wird Ende April bei den Händlern sein.

hof KOPENHAGEN. Trotz des niedrigen Preises sei der Fox kein „Billigauto“, wie VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder bei der Vorstellung des kleinen VW gestern in Kopenhagen betonte. Denn „kein Kunde in den großen Märkten will wirklich ein Billigauto“, ist sich der VW-Chef sicher. Das neue Einstiegsangebot soll junge Autokäufer zu VW zurückbringen, betonte Ludger Fretzen, Leiter des VW-Produktmarketings. Die aktuellen Probleme der im vergangenen Jahr defizitären Marke VW kann der Fox nach Expertenmeinung aber nicht lösen.

Ein Wagen für das ganze Volk wie einst der Käfer wird der Fox nicht werden. Denn erstens ist die Konkurrenz durch französische, italienische und asiatische Anbieter in den letzten Jahrzehnten auch in Deutschland deutlich gewachsen. Und noch wichtiger: Das Autovolk hat sich, zumindest in etablierten Märkten, längst an Komfort und Luxus gewöhnt. So bietet das Basismodell zwar eine ausreichende 50-PS-Motorisierung, ABS, Airbags und Gurtstraffer. Aber elektrische Fensterheber, Servolenkung oder Klimaanlage sind bei diesem Preis nicht realisierbar – sie kosten Aufpreis.

Ihr Geld müssen die Autofirmen vor allem mit höherwertigen Modellen verdienen. Mehr als 220 000 Mal wurde im vergangenen Jahr beispielsweise der Golf allein in Deutschland verkauft, selbst für das Auslaufmodell des Passat entschieden sich in Deutschland noch fast 90 000 Autokäufer. VW gibt für den Fox zwar keine Absatzziele bekannt, aber wenn sich der kleine Wolfsburger mit den brasilianischen Genen in Europa 80 00 bis 100 000 Mal verkaufen ließen – mit dieser Größenordnung rechnen Analysten – wäre dies schon ein Erfolg.

„Nicht der Fox, sondern der neue Passat ist das wichtigste Auto für VW in diesem Jahr“, kommentiert daher Christoph Stürmer vom Marktforschungsinstitut Global Insight. Ob der Konzern nach vier Jahren rückläufiger Gewinne die Wende schafft, entscheidet sich bei den teureren Karossen. „Wir verdienen mit dem Fox Geld“, sagt zwar Holger Westendorf, Entwicklungschef bei VW in Brasilien. Doch selbst wenn das Einstiegsmodell des Fox die gleiche Marge erwirtschaften könnte wie ein Golf, würde rund eine Monatsproduktion des Golfs auf Grund des höheren Preises ausreichen, um so viel Geld einzuspielen wie der Fox in Europa in einem Jahr verdienen könnte, schätzen Analysten.

Bei einem weltweiten Absatz der Marke VW von mehr als drei Millionen Autos fällt das zusätzliche Volumen des Fox also kaum ins Gewicht. „Der Nutzen wird sich erst mittelfristig zeigen, falls es VW gelingt, neue Käufer zu an die Marke zu binden“ sagt Ulrich Winzen vom Marktforschungsinstitut Polk. Das sieht VW ähnlich: Der Fox zielt nach Aussagen von Ludger Fretzen, der das Produktmarketing bei VW leitet, vor allem auf junge Leute und junge Familien: „Bisher haben wir die nicht richtig erreicht. Mit dem Fox will sich VW wieder stärker im Kleinwagensegment etablieren und setzt darauf, die Fox-Käufer bei der Marke zu halten.“

Fretzen räumte auch ein, dass der Fox für Europa ein Änderung der bisherigen Produktstrategie ist, die Angebotspalette tendenziell nach oben abzurunden. „Wir brauchen beides“ betont Konzernchef Pischetsrieder. Er räumt allerdings ein, dass die bisherige Strategie, mit jedem Modellwechsel ein teureres und größeres Produkt anzubieten, nicht mehr aufgeht: „Die Kunden haben bis 1995 über 50 Jahre hinweg immer mehr für ein neues Auto ausgegeben. Bis 2000 stagnierte dieser Wert, seither geht er zurück.“ Der zuletzt eher erfolglose Kleinwagen Lupo war zu teuer und konnte dies nicht leisten. Er wird bis auf die GTI- und die Drei-Liter-Variante spätestens 2006 eingestellt. Immerhin kommt der bisher beste Vertreter des Billigsegments ebenfalls aus dem Konzern: Der Skoda Fabia erreichte Rang 18 der deutschen Zulassungsstatistik.

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