Die etwas andere IAA
Zwischen skurril und innovativ

Fernab der großen Shows vieler Autohersteller mit ihren echten oder vermeintlichen Messesensationen kann der IAA-Besucher auch Biotope für Monströses, Merkwürdiges oder schlicht Interessantes entdecken.
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FrankfurtMöchte man gerade diesen Kunden zum Nachbarn haben? Der Veredler Mansory zeigt auf einer Freifläche der Internationalen Automobilausstellung (IAA) einen umgebauten Spähpanzer, der ehemals wohl in der Volksarmee der DDR in Diensten stand. Das für seine extremen Umbauten beispielsweise von Bentley- oder Land-Rover-Modellen bekannte Unternehmen, taucht den ehemaligen, vierachsigen SPW-60 in elegantes matt-grau mit gelben Blenden.

An der ursprünglichen Form des nicht ganz straßentauglichen Ungetüms hat Mandory wenig verändert, inklusive der beiden vorderen Spähluken. Dafür hat der Panzer - vielleicht für Shoppingtouren der Insassen - einen Golf-Cart, der entfernt an ein etwas martialisches Bobby Car erinnert. Sicherlich nur ironisch ist die Beschriftung an der Seite des Panzers gemeint: Born for Revolution.

Expressives, gar gewagtes Design ist noch nicht zum Markenzeichen chinesischer Hersteller geworden, aber am Beispiel Changan sieht man, dass die Notwendigkeit einer weniger braven Formensprache erkannt worden ist. Mit über fünf Metern Länge ist das SUV-Konzept CS95 des Herstellers zwar ein Riese unter den anderen Crossover-Studien.

Aber das in wohl ferner Zukunft von Hybridtechnologie angetriebene Straßenschiff hat die typisch kantigen Formen und Linien, die Designer gerade bei Studien gerne zeichnen. Eigentlich schade, dass ein so reizvoller Entwurf, der auch mit dem coupéartigen Zuschnitt des Daches gut zu den anderen Stars der IAA paßt, von Changan fast verschämt an den Rand des Messestandes abgestellt wurde.

Dass die Bedeutung von Understatement mitunter überbewertet wird, erlebt man staunend, wenn man regelmäßig die Messestände von Tuning-Spezialisten wie Brabus oder Hamann besucht. Mögen andere auf der IAA die Zukunftsthemen wie Leichtbau oder alternative Antriebe feiern. Hier sind Autos, die man sich schon im Kinderzimmer gewünscht hatte, für die aber das Taschengeld nie gereicht hat.

Bei Brabus ist man unter anderem auch Spezialist für die Optimierung von Mercedes-Benz-Fahrzeugen. Man nehme als Ausgangsbasis das ohnehin nicht schwachbrüstige G-Modell von AMG und packe dank der Brabus-eigenen Turbos 700 PS (515 kW) Kraft in den Motor, dann viel Karbon, LED-Lichter, Riesenreifen sowie einen Heckausbau. Der Brabus 700 kostet mit allen Extras knapp 600.000 Euro.

Spieglein, Spieglein auf dem Stand: Das BMW M6 Gran Coupé spielt nach seiner Behandlung durch die Sport-Coaches von Hamann ein Vixierspiel mit dem Betrachter. Widebody nennt das Unternehmen aus Laupheim den auf Hochglanz polierten Körper des vorher vornehm schlanken BMW, der durch mehr kurvige Schweller und Schürzen allein in der Breite um 4 Zentimeter zugelegt hat. Aber vor allem kann man sich selbst im Glanz des M6 Mirror GC spiegeln und sonnen. Wenn man nicht ständig die Fingerabdrücke der Neugierigen wegpolieren müßte...

Wer denkt, zum Thema Rückbank oder Fondgestaltung sei schon alles entwickelt worden, findet bei dem auf mobile Bestuhlung spezialisierten Zulieferer Faurecia ein wirklich einladendes Konzept für die zweite Reihe. Oasis nennt sich ein luxuriöser Sessel, der sich mit einem in der breiten Armlehne eingelassenen Touchpad bedienen läßt. Der komplett ausfahrbare Ledersitz besitzt ein Kopfteil mit 3D-Sound, bietet eine integrierte Ganzkörpermassage sowie einen mit Rohseide ausgekleideten Kunststoffkokon, die den Straßenreisenden in Richtung First Class der Lüfte abheben lassen.

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