Die Marke war einst Inbegriff englischen Stils
Rover: Der englische Patient stirbt

Im einstigen Herzen der britischen Autoindustrie herrscht gespenstische Stille. In den ausgedehnten Hallen von MG Rover in Longbridge stehen die Bänder still. Am Montag haben die Insolvenzverwalter die Arbeiter nach Hause geschickt, und ob sie jemals hierher zurückkehren, steht in den Sternen. Bis Ende der Woche bezahlt die Regierung die Löhne für die 6 000 Beschäftigten, vielleicht noch eine Woche länger.

HB LONDON. Wie lange die Zitterpartie noch dauert, das hängt vom Geschick der Insolvenzverwalter ab. Das Team von Pricewaterhouse Coopers unternimmt einen letzten Versuch, doch noch einen Investor zu finden, nachdem monatelange Verhandlungen mit dem chinesischen Autohersteller SAIC gescheitert sind. Unter den Rover-Arbeitern macht sich Resignation breit.

Doch eine Gruppe von Frauen und Freundinnen will sich morgen auf den Weg nach London machen. Premierminister Tony Blair wollen sie persönlich um Unterstützung bitten, direkt in Downing Street. „Ich will wissen, warum er nicht früher was getan hat“, sagt Liz Hanks, eine der Organisatorinnen. Und was sagt Tony Blair? „Wir haben getan, was wir tun konnten.“

Vor den Werkstoren ist von Massenprotest keine Spur, es gibt nur vereinzelte Proteste. Es ist, als hätten selbst die Gewerkschaften kommen sehen, was nun passiert ist: Rovers Leidensgeschichte neigt sich dem Ende zu.

Es gab eine Zeit, da war die Firma ein Aushängeschild, Inbegriff englischen Stils in der automobilen Oberklasse. Der Labour-Premierminister Harold Wilson schätzte die Limousinen mit der edlen Ausstattung ebenso wie später Margaret Thatcher. Sogar die Queen nutzte Rover für private Ausfahrten.

Mitte der sechziger Jahre ist Rover ein angesehener Anbieter von Luxusautos. Hinzu kommen noch die Geländewagen der Marke Land Rover. Doch dann beginnt der Reigen von Strategie- und Managementwechseln – ein negatives Lehrbeispiel. Die Briten übernehmen erst den Konkurrenten Alvis und lassen sich dann von Leyland schlucken (siehe Kasten). 1968 schließen sich dann unter tatkräftiger Mithilfe der Regierung Wilson die führenden Hersteller Leyland und British Motor Holdings zu einer Art britischer General Motors zusammen. 25 000 Menschen arbeiten damals im Werk Longbridge.

Das Konglomerat angeschlagener Massenhersteller und legendärer Marken wie Rover, Triumph, MG und Jaguar soll den deutschen Autokonzernen die Stirn bieten. Doch das geht gründlich schief: Die große Fusion markiert den Beginn des großen Niedergangs. Dem Management unter Führung des ehrgeizigen David Stokes gelingt es nicht, einen schlagkräftigen Konzern zu formen.

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