Die Motorradbranche hat den Kontakt zur „Generation Gameboy“ verloren
Auf der Suche nach der Jugend

Frühlingszeit ist Bikerzeit – und natürlich beste Verkaufszeit für Zweiräder. Doch auch wenn in diesen Tagen die Verkäufe wieder anziehen: Die Branche steckt in einer tiefen Krise. „Motorräder sind halt reine Hobbyfahrzeuge, und da wird schon mal eher gespart“, klagt Karlheinz Vetter von Yamaha Deutschland.

DÜSSELDORF. Wenn in diesen Tagen die Krokusse sprießen, gehört ihnen wieder der Asphalt. Sie fahren Gummikühe, Joghurtbecher oder eine Harley, am liebsten im Rudel. Landstraßen sind ihr Revier, Lederkombi und Halstuch das Outfit, und einst waren sie sogar der Schrecken des Bürgertums. Frühlingszeit ist Bikerzeit – und natürlich beste Verkaufszeit für Zweiräder.

Doch auch wenn in diesen Tagen die Verkäufe wieder anziehen: Die Branche steckt in einer tiefen Krise. „Motorräder sind halt reine Hobbyfahrzeuge, und da wird schon mal eher gespart“, klagt Karlheinz Vetter von Yamaha Deutschland. Um 10 Prozent sind die Neuzulassungen in Deutschland im vergangenen Jahr gesunken; es war das siebte Minusjahr in Folge. Erstmals sank die Zahl der Neuzulassungen unter 200 000. Und während in Spanien und Italien der Motorradmarkt boomt und in Großbritannien und Frankreich immerhin stagniert, bleiben hier zu Lande die Händler auf ihren Öfen immer öfter sitzen.

Schuld ist nicht nur die miese Konjunktur. „Wir haben ein Nachwuchsproblem“, sagt Michael Kusmanov vom Essener Industrieverband Motorrad. Die Branche ist auf der Suche nach der verlorenen Jugend. Über 40 Lenze hat der durchschnittliche Motorradkäufer mittlerweile in Deutschland hinter sich, die Maschinen haben im Schnitt zehneinhalb Jahre auf dem Buckel.

Das sind alarmierende Daten für eine Branche, die eigentlich vom Nimbus der Rebellion und Jugend lebt, jetzt aber Geschäfte mit gesetzter Bürgerlichkeit macht. Zahnärzte, Rechtsanwälte und Architekten legen zwar viel Geld für satellitengestützte Navigation und garantiert schleudersichere Antiblockiersysteme auf den Tisch – aber nur von diesen „Best-agern“ kann die Branche auf Dauer nicht leben.

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