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Die verborgene Welt des Motoröls

Öl gehört in den Motor, das ist klar. Doch abgesehen davon ist der Schmierstoff eine der großen Unbekannten beim Auto. „Man muss das Öl bei einem Auto heute wie ein Ersatzteil betrachten“, so Petra Messerschmidt vom Mineralölkonzern Shell in Hamburg.

dpa/gms HAMBURG. Öl gehört in den Motor, das ist klar. Doch abgesehen davon ist der Schmierstoff eine der großen Unbekannten beim Auto. „Man muss das Öl bei einem Auto heute wie ein Ersatzteil betrachten“, so Petra Messerschmidt vom Mineralölkonzern Shell in Hamburg.

Das Rätseln beginnt bei den Bezeichnungen der Sorten und hört bei den Fähigkeiten eines Öls nicht auf. Tatsächlich ist ein Motoröl heute ein exakt auf das jeweilige Auto abgestimmter Stoff, hinter dem oft jahrelange Entwicklungsarbeit steckt.

Hintergrund ist das Zusammenspiel der Motorenbauer mit den Entwicklern der Ölkonzerne. Laut Exxon Mobil in Hamburg definieren die Motorenbauer die Anforderungen an ein Öl, die dann die Ölmacher entsprechend umsetzen. Schließlich setzen sich beim Anlassen eines Motors nach Angaben von Exxon-Mobil-Sprecherin Gabriele Radke rund 250 Teile in Bewegung, die ohne Schmierung Schaden nehmen.

Mit der Entwicklung der Motoren hat sich auch das Öl über die Jahre verändert. „Früher gab es nur so genannte Einbereichsöle“, sagt Magnus Geisler vom Adac Technikzentrum im bayrischen Landsberg. Die wurden je nach Jahreszeit eingefüllt: Bei Kälte sorgt ein dünneres Öl dafür, dass der Motor sich leichter dreht. Bei hohen Temperaturen behält dickeres Öl den erforderlichen Schmierfilm besser bei.

Heute sind „Mehrbereichsöle“ üblich, die beide Fähigkeiten vereinen - und Bezeichnungen tragen wie „5 W 30“ oder „15 W 40“. Die erste Hälfte - etwa fünf W - ist die Winterklassifizierung. „Genau gesagt steht die erste Zahl für die Niedrigtemperaturviskosität“, so Carsten Jäger von Castrol in Hamburg. Je niedriger sie ist, desto dünnflüssiger ist das Öl bei kaltem Motor. Die zweite Zahl zeigt die Viskosität bei hohen Gradzahlen an: „Je höher die Zahl ist, desto zäher ist das Öl bei Betriebstemperatur.“

Damit ein Öl den Anforderungen entspricht, behandeln die Entwickler es wie einen Baukasten. Weil aber selbst das beste Öl nicht alles kann, kommen oft Additive für spezielle Aufgaben hinzu. Laut Carsten Jäger können sie je nach Öl-Typ unter anderem für eine bessere Reinigung des Motors von Rückständen sorgen. „Man kann das prinzipiell mit dem Spülmittel beim Geschirrabwaschen vergleichen“, erklärt Petra Messerschmidt. „Der Schmutz löst sich mit Spülmittel besser vom Geschirr, als wenn nur klares Wasser verwendet wird.“

Weil Öle aber viele Eigenschaften bieten, haben die Autohersteller in der Regel bestimmte Normen herausgegeben, die ein Öl im jeweiligen Fahrzeug erfüllen muss. Beim Nachfüllen ist also darauf zu achten, dass der gekaufte Schmierstoff eben dieser Norm entspricht. Auf der anderen Seite ist es falsch, bei einem älteren Wagen das beste Öl einzufüllen. „Man sollte nicht nach dem Motto verfahren, dem Wagen tu' ich jetzt mal was Gutes“, warnt Johannes Hübner, Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main.

Zum einen sind modernen Öle oft dünner als jene, die für ältere Modelle vorgeschrieben sind - was zu Problemen führen kann. Auch die Additive können Schwierigkeiten bereiten. „Das kann richtig daneben gehen“, meint auch Petra Messerschmidt. Denn während ein Additiv zur Reinigung in einem neuen Motor meist nur kleinere Schmutzpartikel entfernt, löst es in einem alten und stark verschmutzten Aggregat womöglich große Brocken, die unter Umständen etwas verstopfen können.

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