Dieselgate, VW und die Folgen
Erhöhte Schadstoffwerte nicht nur bei Volkswagen

Das Kraftfahrt-Bundesamt prüft nicht nur die manipulierten Diesel von Volkswagen – auch die Autos anderer Hersteller nehmen die Kontrolleure unter die Lupe. Offenbar gibt es dabei erste Auffälligkeiten.
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Flensburg/DüsseldorfDas Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) lässt den Kohlendioxid-Ausstoß von VW-Fahrzeugen neu ermitteln. Allerdings nicht ausschließlich. In einer Mitteilung des KBA vom 11. November heißt es, man prüfe auch „andere marktbestimmende Hersteller“ – also die bei den Neuzulassungen führenden Marken – schon seit Ende September. Der entscheidende Satz in der neuen Mitteilung: „Auf Basis von Rohdaten wurden bisher zum Teil erhöhte Stickoxidwerte bei unterschiedlichen Fahr- und Umgebungsbedingungen festgestellt.“ Es könnten also auch andere Hersteller betrogen haben.

Tags zuvor hatte die Flensburger Behörde noch mitgeteilt, sie ordne die Überprüfung der Emissionswerte der Fahrzeugtypen an, für die Volkswagen falsche Angaben gemacht hatte. Der Wolfsburger Autobauer hatte eingeräumt, dass bei der Typ-Zulassung zu niedrige CO2-Werte angesetzt und damit falsche Verbrauchsangaben gemacht wurden. Davon sind bis zu 800.000 Fahrzeuge betroffen, darunter auch Benziner.

Die Schummelsoftware von VW hat das KBA aufgeschreckt – und lässt auch andere Hersteller ins Visier der Kontrolleure geraten. So will die Behörde herausfinden, ob im Markt möglicherweise weitere Manipulationen des Schadstoffausstoßes, insbesondere bei Stickoxiden (NOx), stattfinden.

Offenbar trifft das KBA die Auswahl der Test-Fahrzeugmodelle und Motorkonzepte aber nicht nur auf Basis der Zulassungsstatistik in Deutschland, sondern reagiert auch auf Insider-Tipps aus der Branche. „Verifizierte Hinweise Dritter über auffällige Schadstoffemissionen“, heißt das offiziell.

Mehr als 50 Fahrzeuge verschiedener in- und ausländischer Hersteller mit unterschiedlichen Diesel-Aggregaten werden untersucht. Ihr Schadstoffausstoß wird sowohl auf dem Rollenprüfstand als auch durch Portable Emissionsmesssysteme (PEMS) auf der Straße gemessen. Realitätsnäher und in verschiedenen Situationen und Umgebungen.

Ergebnis: Es wurden teilweise erhöhte Stickoxidwerte bei unterschiedlichen Fahr- und Umgebungsbedingungen festgestellt. Welcher Hersteller mit welchem Modell aufgefallen ist, dazu nennt die Behörde zunächst keine weiteren Details. Aber es werden die zulassungsstarken Modelle genannt, die nachgeprüft werden. Dies sind:

  • Alfa Romeo Giulietta
  • Audi A3, Audi A6
  • BMW 3er, BMW 5er,
  • Chevrolet Cruze
  • Dacia (Motortyp SD)
  • Fiat Panda, Fiat Ducato
  • Ford Focus, Ford C-Max
  • Jeep Cherokee
  • Honda HR-V
  • Hyundai iX35, Hyundai i20
  • Land Rover Evoque
  • Mazda 6
  • Mitsubishi ASX
  • Mercedes C-Klasse, Mercedes CLS, Mercedes Sprinter, Mercedes V-Klasse
  • Mini
  • Nissan Navara
  • Opel Astra, Opel Insignia, Opel Zafira
  • Peugeot 308
  • Porsche Macan
  • Renault Kadjar
  • Smart Fortwo
  • Toyota Auris
  • Volvo V60
  • VW Golf, VW Beetle, VW Passat, VW Touran, VW Polo, VW Golf SportsVan, VW Touareg, VW Amarok, VW Crafter

Außerdem lässt das KBA bislang bewusst offen, ob sich die genannten höheren Schadstoffwerte bei den Nachprüfungen durch die realistischeren PEMS-Messungen ergeben haben oder durch Manipulationen beziehungsweise zu niedrige Falschangaben der Hersteller, ähnlich wie bei VW, ergeben haben.

Bei Volkswagen hatte das KBA am 15. Oktober einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware angeordnet. Demzufolge müssen in ganz Europa 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

Die Flensburger Behörde, die für sämtliche Typzulassungen in Deutschland zuständig ist, setzt aber noch auf Kooperation. Man sei, nachdem rund zwei Drittel aller geplanten Messungen durchgeführt wurden, nun „in Gesprächen mit betroffenen Herstellern und Genehmigungsbehörden“ und werde die neuen Prüfdaten weiter evaluieren, heißt es.

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  • KONSTANT-SESSELFURZER-BUEROKRATIE
    wenn wir alle soo langsam fahren wie die Muehlen des Staates mahlen, dann koennen wir verdammt viel Sprit sparen!

    Wenn wir aber nur die Anzahl der Staus auf den Strassen vermeiden wuerden, wo ungenutzt in stop and go Verkehr extreme ueberproportionale Stick-Oxide emittiert warden, dann brauchten die Konstant-Sesselfurzer nicht rot zu warden, wenn da auch mal ein "Bier-Furz" dabei ist, der weitaus hoehere Methan-gehalte aufweist!

    10000 Neu-Mitbewohner pro Tag in Deutschland, das sind Emissionsquellen, die grosse Sorge & nichtbezahlbare Kosten generieren!

  • Dieser Hype soll von 10.000 neuen Mitbewohnern täglich ablenken. Gegen dieses Problem sind alle anderen Probleme ein Nichts!!

  • @hartmut braune
    Nur das zukünftig die deutsche Volkswirtschaft nicht mehr an der Zukunft teilhaben wird, weil es in einer Kerntechnikfreien und CO2 freien Gesellschaft es keine Zukunft von Innovation und damit wirtschaftliche Mehrwertschaffung und die daraus folgende Wertschöpfungskette für Mittelstand, Handwerk und Dienstleistung geben wird.
    Googeln Sie mal unter Marsrover Radionuklidbatterie....und Sie werden sehen, was heute schon alles möglich ist....in der Kernphysik/Technik
    Auch die Medizin ist ohne die Kernphysik nicht mehr denkbar. Aber das nur so am Rande.

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