Diskussion um Diesel

Vielfahrer profitieren auch ohne Subvention

Der Dieselmotor wird in Deutschland wohl zum Auslaufmodell. Mittlerweile drohen nicht nur Fahrverbote. Auch die steuerliche Subvention des Kraftstoffs gerät unter Beschuss. Dennoch hat der Selbstzünder Vorteile.
  • Holger Holzer
9 Kommentare
  • Spotpress
Abbau von Diesel-Subventionen? - Durchschnittsfahrer zahlt knapp 200 Euro mehr Quelle: Daimler
Abbau von Diesel-Subventionen?

Größere Belastungen würde eine Anhebung des Steuersatzes für den Selbstzünder-Kraftstoff vor allem für die Transportbranche bedeuten

Eigentlich sollte der Steuervorteil bei Dieselkraftstoff den Straßengüterverkehr in Deutschland subventionieren. Spätestens seit der Jahrtausendwende stellt er aber auch Pkw-Fahrer deutlich besser, wenn sie statt eines Benziners einen Diesel unterhalten. Umweltschützer kritisieren diese Praxis und ihre Auswirkungen bereits seit Jahren. Jetzt kommt auch aus ungewohnter Ecke Unterstützung.

Mit Matthias Müller, Chef des vom Diesel-Skandal gebeutelten VW-Konzerns, hat sich im Handelsblatt-Interview erstmals ein prominenter Industrievertreter öffentlich für den Abbau der versteckten Diesel-Subventionen in Deutschland ausgesprochen. Nicht ganz uneigennützig, hat sein Arbeitgeber es doch zunehmend schwer, entsprechende Modelle an den mittlerweile misstrauischen Kunden zu bringen. Sein Argument: „Wenn der Umstieg auf umweltschonende E-Autos gelingen soll, kann der Verbrennungsmotor Diesel nicht auf alle Zeiten weiter wie bisher subventioniert werden.“ Stattdessen solle das Geld in die Förderung umweltschonender Antriebstechniken investiert werden. Gemeint ist vor allem das E-Auto.

Müller schlägt damit in die gleiche Kerbe wie viele Wissenschaftler und Umweltschützer. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer reagiert entsprechend positiv auf den Vorschlag: „Was Politiker, ADAC und Autobosse uns täglich einreden, hat VW-Chef Müller jetzt in Frage gestellt. Der Diesel ist nicht die Zukunft, sondern die Vergangenheit. Daher macht es keinen Sinn, Milliarden Steuergelder weiter in die Technik zu stecken. Wenn die Diesel-Steuervorteile beim Kraftstoff wegfallen und die Kfz-Steuer beim Diesel-Pkw exakt wie beim Benziner gestellt wird, hat der Staat jährliche zusätzliche Steuereinnahmen von 8 Milliarden Euro. Damit lässt sich Deutschland zum Vorbildstaat für moderne Mobilität und Elektromobilität ausbauen.“

Subventioniert wird der Diesel in Deutschland streng genommen allerdings nur für Vielfahrer. Denn es gibt zwar einen Vorteil bei der Mineralöl- beziehungsweise Energiesteuer, gleichzeitig aber einen Nachteil bei der Kraftfahrzeugsteuer. Sparen kann man als Diesel-Besitzer also umso mehr, je mehr man fährt. Über den Daumen gepeilt rechnet sich der Selbstzünder im Vergleich nach rund 10.000 Kilometern Fahrleistung pro Jahr.

Der Preisvorteil auf der Langstrecke ist kein Zufall. Denn schon in den 50er-Jahren sollte billiger Diesel die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Nutzfahrzeug- und Speditionsbranche stärken – in einer Zeit, als der Dieselmotor bei Pkw noch keine Rolle spielte.

Der Preisvorteil für den Liter pendelten zunächst zwischen knapp einem und vier Cent, zog zwischen 1986 und 1999 aber noch einmal kräftig an und liegt seit 1994 bei 18,4 Cent netto. Parallel dazu machte die Dieselmotorentechnik große Sprünge: Spielte der Selbstzünder im Pkw vorher kaum eine Rolle, machten ihn Direkteinspritzung, Turbolader und später die Common-Rail-Technik zum durchzugsstarken Sparmotor, der selbst in Sportwagen überzeugen konnte.

Die Folge war ein beispielloser Dieselboom, der TDI und Co. vom Nischenmotor fast zum Standardmotor machte. Zwischenzeitlich lag sein Anteil an den Neuzulassungen oberhalb von 50 Prozent. Mittlerweile allerdings sinkt er wieder unter die 40-Prozent-Marke.

Weil der Bestand aber weiterhin groß bleibt, würde ein Anheben der Mineralölsteuer für Diesel auf Benziner-Niveau jährlich zwischen sieben und zehn Milliarden Euro in die Staatskassen spülen – je nach Rechenweise. Zum Vergleich: Das Gesamtaufkommen aus der Energiesteuer liegt aktuell bei rund 40 Milliarden Euro im Jahr. Die Kraftstoffbesteuerung hat daran den bei weitem größten Anteil.

Besitzer von Pkw mit Dieselmotor müssten dann tiefer in die Taschen greifen. Ein Durchschnittsfahrer, der im Jahr 15.000 Kilometer fährt und dabei mit 6,0 Litern Kraftstoff auskommt, zahlt bei einer Nivellierung der Mineralölsteuer am Ende rund 180 Euro mehr als zuvor.

Würde im Gegenzug, wie häufig diskutiert, die aktuell höhere Kfz-Steuer für Diesel entfallen, kämen Vielfahrer mit Diesel-Autos aber in vielen Fällen weiterhin günstiger weg als in einem vergleichbaren Fahrzeug mit Ottomotor. Denn Letzteres würde im Schnitt wohl mindestens einen Liter Kraftstoff mehr auf 100 Kilometern verbrauchen. Ein Grund übrigens für einige Experten, sogar einen erhöhten Steuersatz für Diesel zu fordern. Eben weil auch sein Energie- und CO2-Gehalt höher ist als der von Benzin.

Größere Belastungen würde eine Anhebung des Steuersatzes für die Transportbranche bedeuten. Eine bereits vielerorts diskutierte Möglichkeit wäre die europaweite Anhebung des Steuersatzes, um zumindest den Tanktourismus zu unterbinden. Eine Einigung gilt aber als politisch unwahrscheinlich. Praktikabler wäre es wohl, bei der Besteuerung zwischen privaten und gewerblichen Haltern zu unterscheiden, was nach Expertenansicht laut EU-Recht durchaus möglich wäre.

Eine offene Frage ist auch noch, was mit den Mehreinnahmen geschehen würde. Müller hat vorgeschlagen, die Mehreinnahmen in die Förderung von Elektroautos zu investieren. Wie genau dies aussehen würde, ist aber unklar. Und es gäbe auch Alternativen, etwa die Förderung des ÖPNV, die im Zusammenhang mit dem Abbau der Dieselsubventionen schon seit Jahren diskutiert wird.

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9 Kommentare zu "Diskussion um Diesel: Vielfahrer profitieren auch ohne Subvention"

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  • Verräterische Sprache im Umverteilungsstaat.
    Die angebliche Diesel Subvention ist nichts anderes als eine höherere Besteuerung des Benzins. Abgezockt wird beim Diesel auch, nur etwas weniger als beim Benziner. Ach ja, bei der KFZ-Steuer dafür etwas mehr.

  • Die Steuervorteile für den Diesel streichen?
    Super Idee! Aber warum dann die Mineralölsteuer für den Diesel erhöhen und nicht die Mineralölsteuer für Benziner senken?
    Ist diese Idee so abwegig oder warum wird sie vom renommiertesten deutschen Wirtschaftsblatt nicht einmal entfernt in Betracht gezogen? Da kann ich nur sagen:
    Ohne Not und mit wehenden Fahnen spannt sich das Handelsblatt vor den Karren der staatlichen Abkassiererei. Für Dieselfahrer bedeutet das Abschaffen der Subventionen 150 EUR Mehrkosten pro 1000 Km. Wer kann sich das denn leisten? Denkt hier noch jemand klar oder haben alle die Grundrechenarten vergessen? Und dann in der Überschrift behaupten: Vielfahrer profitieren auch ohne Subvention - Das ist doch Satire und kein Wirtschaftsjournalismus!
    Als erste Maßnahme zur Gegenfinanzierung werde ich jedenfalls mein Handelsblatt-Abo kündigen!
    Einen schönen Abend noch.

  • Mal ganz abgesehen davon, daß der Diesel-Stinker für PKW verboten gehört, gibt es Gas-Motoren, die angeblich besser als Benziner sind, Offenbar geht es nicht um Sauberkeit. Die Vera.sche mit dem dreckigen Kohlestrom und einem der dreckigsten Techniken, dem Akku, ist doch unglaublich.

  • Die steuerliche Subventionierung ausgerechnet des gesundheitsschädlichsten Antriebs, den die Menschheit je erfunden hat, ist ein fortwährendes Verbrechen!

    Es wurden genau die Falschen für ihren Autokauf belohnt. Der Diesel gehört für den Individualverkehr schlicht verboten. Es gibt besseres, namentlich den Benziner.

    Dass die Stickoxide in den Städten die Lunge massiv schädigen, ist unbestreitbar. Dass CO2 irgendeinen Einfluss auf das Wetter haben soll, ist Teil des großen Klimaschwindels.

  • Die rot grünen Gutmenschen führen dieses Land systematisch in den Ruin: radikaler Alleingang beim Atomausstieg,Kohleausstieg, Dieselverbot, Flüchtlingspolitik, Steuerpolitik,Rentenpolitik, Arbeitsmarktpolitik um nur einige zu nennen sind ideoligisch getriebene Fehlschläge ohne Ende,die insbesondere arme und Geringverdiener treffen werden- umweltpolitisch eh sinnfrei denn es wird massenaft Atomstrom aus Frankreich und Tschechien geliefert- wenn in Deutschland endlich die Lichter ausgehen und sämtliche Jobs verlagert wurden sitzen Trittin, Özdemir, Gabrie,l Nachles, Merkel und viele andere Gutmenschen mit völlig überhöhten und niemals verdienten Rentenbezügen im Luxusaltersheim in Spanien , denn Deutschland ist ja zu teuer geworden. Wir sollten uns möglichst bald von allen diesen Politikern trennen und diesen verkommenen Staat endlich erneuern- es muss bei wichtigen Themen Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild geben. Es kann nicht sein das Merkel und der Grüss August aus NRW mit dem schlechtesten Wahlergebnis der SPD seit 60 Jahren hier die Regierung stellen- der Bürger will diese Politik ganz eindeutig nicht, das zeigt das Wahlergebnis! Eine neue Verfassung ist daher dringend notwendig in diesem Staat!

  • "Eben weil auch sein Energie- und CO2-Gehalt höher ist als der von Benzin."


    Nein! Diesel enthält kein CO2, sondern erzeugt nur mehr bei er Verbrennung alz Benzin - pro Liter Kraftstoff.

    Da aber der Energiegehalt wegen des höheren Kohlennstoffanteils höher ist als bei Benzin, ist der Verbrauch kleiner, was die CO2-Bilanz gegenüber Benzin etwa ausgleicht.

  • Kohle-Strom ist die sauberste Energie die es gibt, dazu noch der Akku hergestellt nach dem Reinheitsgebot und das Auto erzeugt Strom beim Fahren. Die Einheitspartei und sie die tragenden Medien verkünden das oder ?

  • Kann mir jetzt noch mal irgendjemand erklären was an einem Elektroantrieb umweltfreundlich ist? Das ist bei solchen Hypes immer so super: das Thema ist so toll, dass man es gar nicht erklären muss!

    Beim Raffinerieren wird Benzin und Diesel produziert, und zwar in Mengen die nur schwierig steuerbar sind. Unterm Strich sollte die Steuern so sein, dass das gesamte Erdöl auch verbraucht wird (und nicht teile wegen einer neuen Steuerpolitik verschenkt werden können).

  • Die GRÜNEN _ Jourrnalisten Meinungsmacher.. meinen wenn Sie jetzt gegen den Diesel und den Dieselpreis schreiben..Sie wären die Guten.. Dabei ist das genau, das selbe Asoziale Verhalten der Besserverdienenden gegen die sozial Schwachen.. Das ist einfach nur beschämend wenn einem nichts besseres einfällt. - Das ist das selbe wie bei der Energie - wirklich treffen tut es nur die Sozial Schwachen.. Rentner und Geringverdiener.. usw.. Die Muttis die Ihre Kinder mit dem SUV des Herrn Müller bis vor die Schultüre fahren geht das glatt am A... vorbei. Wem soll damit geholfen sein. Außer das man VW wieder Geld in den Hintern schiebt.. - Wie Asozial geht noch in diesem Land... Nicht alle leben in der Stadt.. - Aber dem armen Landvolk kann man alles zumuten.. Herr Holzer Sie sollten einmal in sich gehen wenn Sie solche Berichte schreiben... - Das gerade die SPD dafür ist, ist wieder bezeichnend für den Zustand der Partei. Aber was interessiert das die Frau Hendricks, die hat ja Ihren Dienstwagen. -- Aber aber liebe Leute 14 Millionen Dieselfahrer sind auch Wähler.. - In diesem Sinne weiter so mit Asozialer Politik.

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