Diskussion um Klimaanlagen-Kältemittel
EU-Kommission prüft Tests des KBA

Derzeit herrscht bei Autokäufern und Herstellern Unsicherheit über das Klimaanlagen-Kältemittel R1234yf. Daimler verbannt es, das Kraftfahrtbundesamt testet es, und die EU-Kommission traut dem KBA nicht.
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Brüssel/StuttgartDie EU-Kommission will die Crashtests des deutschen Kraftfahrtbundesamts (KBA) zur Sicherheitsüberprüfung der umstrittenen Klimaanlagen-Kältemittels R1234yf genauer unter die Lupe nehmen. Die Kommission habe entschieden, dass es nützlich wäre, dass Gutachter des Joint Research Center die laufenden Tests untersuchten, sagte der Sprecher von EU-Industriekommissar Antonio Tajani, Michael Jennings, in Brüssel. Das Expertengremium solle auch die Untersuchungen des Ingenieursverbands SAE und die Crashtests mehrerer Autohersteller begutachten, um mehr Klarheit über das ab 2017 zwingend in allen Automobilen vorgeschriebene Kältemittel zu bekommen.

Derzeit herrsche bei Autokäufern und Herstellern Unsicherheit über unterschiedliche Testergebnisse mit dem Kältemittel, das Daimler - entgegen EU-Vorschriften - wegen Sicherheitsbedenken aus einigen Neuwagen verbannt hat und damit ein Vertragsverletzungsverfahren Deutschlands durch die EU-Kommission provoziert. Die EU-Experten könnten technische und wissenschaftliche Hilfe leisten, sofern über die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen und die Crash-Versuche Uneinigkeit herrsche. "Die Tests des KBA werden dadurch aber nicht ersetzt", sagte der Sprecher.
Das Kraftfahrtbundesamt hatte Anfang Juni damit begonnen, die von Daimler aufgeworfene Brandgefahr des Kältemittels R1234yf selbst zu untersuchen. Die für Fahrzeugzulassungen und deren Sicherheit zuständige Flensburger Behörde hat dazu Pkw der Marken Mercedes-Benz, Opel, Hyundai und Subaru Crashtests unterzogen und Leckagen der Klimaanlage simuliert. Die Ergebnisse dieser Tests und Untersuchungen sind bisher nicht veröffentlicht worden. Daimler behauptet, es könne sich im heißen Motorraum entzünden. Opel hat hingegen erklärt, das Mittel sei bei Unfällen ungefährlich für Insassen und Rettungskräfte.

Das von den US-Chemiekonzernen Dupont und Honeywell entwickelte Kältemittel R1234yf erfüllt derzeit als einzige Chemikalie die seit Jahresbeginn verschärften Klimaschutzvorschriften für Autoklimaanlagen der EU, die für einige Neuwagen gelten. Das bisher übliche Gas R134a gilt als Klimakiller und soll spätestens 2017 aus allen Autos verbannt werden. Bis dahin gelten Übergangsvorschriften. Das neue Kältemittel ist zwar klimaschonender, steht aber im Verdacht, sich bei Unfällen zu entzünden und dabei ätzende Säure freizusetzen.

Der Weltverband der Automobilingenieure (SAE) schätzt die Brandgefahr des neuen Kältemittels R1234yf dagegen als gering ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass Autoinsassen durch eine Entzündung des Kältemittels gefährdet würden, sei nahezu sechs mal geringer als ein Fahrzeugbrand überhaupt, kalkuliert der Verband anhand eigener Berechnungen. In dem Ingenieurverband sind die meisten Autobauer - von GM über Renault bis Toyota - organisiert. Die deutschen Hersteller Daimler, BMW und Audi lassen ihre Mitgliedschaft in dem Arbeitskreis wegen des Streits um das Kältemittel seit Monaten ruhen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wenn eine Gefährdung von Insassen sechmal weniger vorkommen soll als Brände, dann reden wir über 5.000 Fälle, bei denen Insassen gefährdet werden. Das ist ungeheuer viel! Wie viele Tote oder Schwerverletzte mit für immer ruinierter Gesundheit wollen wir pro Jahr zulassen? Einhundert oder mehr? R1234yf gehört verboten!
    Gruß Dipl.-Ing, Ulrich Engelke (Mitarbeiter Ralph Lenkert MdB)

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