Drahtesel in der aktuellen Rechtsprechung
Recht einfach: Immer diese Radfahrer

Fahrradfahrer verdrängen häufig, dass auch für sie die Straßenverkehrsordnung gilt. Einige bekommen deshalb Nachhilfe vom Richter.

Gehweg: Eine Dessauerin fuhr mit ihrem Drahtesel gern auf dem Bürgersteig. Eines Tages endete die Fahrt abrupt, die Frau donnerte gegen einen im Schritttempo aus einer Grundstücksausfahrt kommenden Wagen. Ihr Flug über die Motorhaube hatte ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Schulterverletzung und eine Unterschenkelzerrung zur Folge. Sie verbrachte eine Woche in einer Klinik und war zwei Monate arbeitsunfähig. Die Gestrauchelte verlangte vom Autofahrer 1000 Euro Schmerzensgeld. Ohne Erfolg. Sie habe sich "grob verkehrswidrig" verhalten, da sie auf dem für Fußgänger reservierten Bürgersteig fuhr - und das auch noch entgegen der Fahrtrichtung der Straße (Landgericht Dessau, 1 S 79/05).

Kombistrecke: Eine Frau aus Niedersachsen radelte auf einem innerstädtischen Fuß- und Radweg. Als vor ihr ein Rentner den Seitenstreifen überquerte, klingelte sie. Der erschreckte Senior konnte das Geräusch nicht orten und machte einen Satz zurück - direkt vors Rad der eiligen Bikerin. Er blieb unversehrt, aber die Radlerin trug etliche Blessuren davon und forderte Schadensersatz. Doch die Richter schlugen sich auf die Seite des schreckhaften Seniors: Wenn sich eine Gefahrensituation abzeichne, müssten Radfahrer auf kombinierten Rad- und Gehwegen Schritttempo fahren und jederzeit bremsbereit sein. Zudem sei gerade auf "betagte und unachtsame Fußgänger" Rücksicht zu nehmen, mahnten die Richter (Oberlandesgericht Oldenburg, 8 U 19/04).

Rotlicht: Ein Radler aus dem Badischen hielt nichts von Ampeln. Als wieder mal eine auf Rot schaltete, überholte er die vor ihm haltenden Autos und fuhr strahlend über die Kreuzung. Das Lächeln verschwand, als ihn die Polizei anhielt und 60 Euro forderte. Auch vor Gericht gab es nichts zu lachen - drei Instanzen, eine Aussage: Ampeln gelten auch für Radfahrer. Die Geldstrafe sei deshalb berechtigt (Oberlandesgericht Karlsruhe, 1 Ss 119/03).

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