E-Auto-Gipfel
Merkel empfängt Auto-Bosse – warum das denn?

Die Autoindustrie hat schon bessere Zeiten gesehen. Die Abgasskandale schädigen das Image, und beim Prestigethema Elektromobilität kommt man kaum vom Fleck. Nun soll wohl wieder der Staat helfen.
  • 37

BerlinVon der Kanzlerin weiß man, dass sie früher einmal Golf fuhr. Mit Verbrennungsmotor. Doch die Zeiten ändern sich. Angela Merkel hat ihren Golf längst verkauft, und die deutsche Autobranche muss aufpassen, dass sie bei den Antrieben der Zukunft wie der Elektromobilität nicht hinterherfährt.

Private Autokäufer sind nach wie vor bislang kaum mit E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs: 25.502 reine E-Fahrzeuge und 130.365 Autos mit Hybrid-Motoren, die sowohl mit Strom als auch mit Benzin betankt werden, zählte das Kraftfahrtbundesamt 2015 auf deutschen Straßen. Und die weit überwiegende Zahl von ihnen ist auf Hersteller und Händler und Firmenfuhrparks zugelassen.

Zum Vergleich: Insgesamt rollten 2015 etwa 45,1 Millionen Pkw auf deutschen Straßen. Der Elektroanteil lag also bei nicht einmal einem halben Prozent. Die Bundesregierung ist aber nach wie vor nicht von ihrem utopisch erscheinenden Ziel abgerückt, dass 2020 eine Million Elektrofahrzeuge (sowohl reine Stromer als auch Hybride) auf deutschen Straßen unterwegs sein sollen.

Und weil es auch um 800.000 Jobs in der Industrie geht, hat Bundeskanzlerin Merkel für Dienstagabend Vorstandschefs und das halbe Kabinett zum „Autogipfel“ geladen. Allerdings wird über Zuschüsse zum Kauf der „Stromer“ schon seit Jahren debattiert. Während Befürworter wie Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) dies als hilfreich einschätzen, warnen Skeptiker vor einem künstlichen Konjunkturprogramm für die gut verdienende deutsche Autobranche. „Die (Elektroautos) müssen sich ohne Subventionen durchsetzen, im Wettbewerb“, sagt etwa Autoexperte Stefan Bratzel.

Wird es Kaufprämien für E-Autos geben?
Es sieht ganz danach aus. Im Gespräch waren zuletzt 4000 bis 5000 Euro für reine E-Autos und 3000 Euro für Hybride mit ergänzendem Verbrennungsmotor. Allerdings pocht Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) darauf, dass sich Steuerzahler und Autoindustrie die möglichen Förderkosten von rund 1,2 Milliarden Euro 50:50 teilen. Dazu sollen die Konzerne zuletzt noch nicht bereit gewesen sein.

Wann könnten Prämien ausgezahlt werden?
Noch in diesem Jahr, sobald es einen Kabinettsbeschluss und grünes Licht vom Haushaltsausschuss des Bundestages gibt. Dann hieße es: Interessenten müssten sich sputen. Die Prämien könnten 2018 auf 3000 Euro für reine „Stromer“ und 2000 Euro für Hybride gesenkt werden.

Zudem könnte das sogenannte Windhundverfahren gelten. Prämien gibt es also nur so lange, wie das Geld im Fördertopf reicht. Das war bei der Abwrackprämie nach der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 zuerst auch so.

Generell sollen Prämien nur für Modelle mit einem Listenpreis von maximal 60.000 Euro fürs Basismodell möglich sein - und bisherigen Plänen zufolge direkt über die Autohändler ausgezahlt werden.

Warum will der Staat den Autokonzernen überhaupt helfen?
Die Autoindustrie ist eine deutsche Schlüsselbranche mit 800.000 Arbeitsplätzen und 370 Milliarden Euro Jahresumsatz. Geraten die Autobauer unter Druck, weil sie den Anschluss an Zukunftstechnologien wie E-Mobilität oder autonomes Fahren (wo Bordcomputer das Steuer übernehmen) verpassen, kann das der Kanzlerin nicht egal sein. 

Dazu kommt, dass die Regierung von ihrem eigenen Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straßen zu bringen, weit entfernt ist. Im Vorjahr waren es nur 25.500, dazu kamen 130.000 Hybride - bei 45 Millionen Pkw insgesamt.

Seite 1:

Merkel empfängt Auto-Bosse – warum das denn?

Seite 2:

Besitzer von Spritschluckern zur Kasse bitten?

Kommentare zu " E-Auto-Gipfel: Merkel empfängt Auto-Bosse – warum das denn?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Lieber Herr Vogel,

    die deutsche kerntechnische Industrie hat mit der Übernahme von Siemens Erlangen durch den franzsischen Konzern AREVA aufgehört zu existieren. Die KWU in Mülheim wurde schon früher dicht gemacht. Das war das Ende des Baus von AKWs in D.

  • Die Forschung am E--Mobil aus dem Jahre 1899 von Porsche muß nachhaltig vorangetrieben werden, daher ist es notwendig die Automobil-Konzerne zu unterstützen. Frau Merkel wird mit Sicherheit dieses Projekt voranbringen.

  • Für das, was die sogenannten Verantwortlichen an jährlichem Bonus erhalten, könnte die doppelte bis dreifache Menge der E-Fahrzeuge kostenlos ausgeliefert werden, die derzeit in Deutschland zugelassen sind.

    Ich glaube, die deutsche Autoindustrie versucht mit allen Mitteln den Laufe der Zeit zu bremsen. Es wird ihr nicht gelingen.

    Entweder wird dieses Land mit seiner Industrie den Weg der Nachhaltigkeit gehen, oder dieser Weg wird über unseren Köpfen hinweg von anderen zementiert. So einfach ist das.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%