Nachrichten

Das Rasthaus am Ende der Welt

« 2 / 2

Beim Bau des Dempster Highways folgten die Ingenieure einem alten Trail für Hundeschlitten, die noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das wichtigste Transportmittel in dieser Region darstellten. Der solide Unterbau der Piste ist zwischen 1,2 Meter und 2,4 Meter dick. Die unbefestigte Straßendecke empfiehlt zu jeder Jahreszeit die Verwendung eines Autos mit Allradantrieb. Im Winter ist die Fahrt besonders tückisch. Die Oberfläche besteht aus blankem Eis und verwehtem Schnee.

Der unscheinbare Flachbau der Raststätte beherbergt Restaurant, Bar, Waschgelegenheiten und 25 Doppelzimmer. Quelle: MID
Der unscheinbare Flachbau der Raststätte beherbergt Restaurant, Bar, Waschgelegenheiten und 25 Doppelzimmer. Quelle: MID

Zwar räumen riesige Pflüge regelmäßig den Schnee, doch trügt die komfortable Fahrbahnbreite, denn die geräumte Fläche entspricht an den Rändern nicht dem befestigten Untergrund. Für eine Fahrt auf dem Dempster Highway gelten feste Regeln, vor allem im Winter. Fahrer müssen immer einen Vorrat von Lebensmitteln und Getränken an Bord haben, ebenso dicke Thermokleidung.

Wer eine Panne hat, oder von der Piste abkommt, ist gehalten, unbedingt im Fahrzeug zu bleiben und auf Hilfe zu warten. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz für alle Verkehrsteilnehmer, auf havarierte Fahrzeuge zu achten und jedem Auto Hilfe anzubieten, das neben der Piste parkt.

Die härtesten Top-Gear-Sprüche „Ein Auto wie Syphilis“

  • Die härtesten Top-Gear-Sprüche: „Ein Auto wie Syphilis“
  • Die härtesten Top-Gear-Sprüche: „Ein Auto wie Syphilis“
  • Die härtesten Top-Gear-Sprüche: „Ein Auto wie Syphilis“
  • Die härtesten Top-Gear-Sprüche: „Ein Auto wie Syphilis“

Trotz der extremen Bedingungen möchte kein Trucker die Einsamkeit und atemberaubenden Landschaften gegen bequeme Routen im Süden des Landes eintauschen. Die Versorgung der nördlichen Erdölfelder, der Erz-, Edelmetall- und Diamantminen garantiert nicht zuletzt solide und sichere Einkommen. Der Kraftstoff in Eagle Plains ist mit umgerechnet 1,60 Euro pro Liter etwa 40 Cent teurer ist als in White Horse, das rund 1 200 Kilometer südlich liegt.

Angesichts der einzigen Zapfsäule auf über 700 Kilometern Streck spielt der Kraftstoffpreis hier aber keine Rolle. Die riesigen Trucks benötigen zwischen 60 Liter und 80 Liter Diesel auf 100 Kilometern.

Der Abschleppwagen hält seinen Winterschlaf bei bis zu minus 50 Grad. Quelle: MID
Der Abschleppwagen hält seinen Winterschlaf bei bis zu minus 50 Grad. Quelle: MID

Eagle Plains bietet den Fahrern Waschgelegenheiten für Körper und Kleidung und eine erstaunlich umfangreiche Speisekarte mit nahrhaften Gerichten. Im Winter steigt der Grundbedarf des Körpers auf rund 4.000 Kalorien. Die 25 Doppelzimmer bieten eine willkommene Abwechslung zu den Schlafkabinen im Truck; alleine schon deshalb, weil dort der rund um die Uhr bollernde Diesel nicht stört.

Und schließlich sorgt die Bar in Eagle Plains für ein unvergessliches Erlebnis. Mit Spiegeln hinter den Regalen, der polierten Holztheke, den Devotionalien aus ausgestopften Tieren der Umgebung, historischen Bildern aus den Pioniertagen des Nordens und einem riesigen Billardtisch bedient der Raum jedes Klischee vom rauen aber herzlichen Norden.

Anzeige

Rare Prototypen im Bild Schlegelmilchs rasende Keile

  • Rare Prototypen im Bild: Schlegelmilchs rasende Keile
  • Rare Prototypen im Bild: Schlegelmilchs rasende Keile
  • Rare Prototypen im Bild: Schlegelmilchs rasende Keile
  • Rare Prototypen im Bild: Schlegelmilchs rasende Keile

Was der nördlichsten Raststätte des amerikanischen Kontinents jedoch wirklich den absoluten Status der Einmaligkeit verleiht, unterstreicht ein Weckruf von Evelyn gegen 3 Uhr in der Frühe: "Heute Nacht gibt es Polarlichter. Das solltet ihr euch nicht entgehen lassen." 20 Minuten später, in dicke Thermokleidung gegen die knapp 40 Grad Minus gehüllt, wabert das Farbspiel der "Aurora Borealis" über den sternenklaren Nachthimmel. Es erklärt, warum das Rasthaus am Ende der Welt ein so hohes Suchtpotential für Personal und Gäste aufweist.

Quelle: MID
  • Die aktuellen Top-Themen
Multimedia-Spezial: So bewegen wir uns morgen

So bewegen wir uns morgen

Die Menschheit wird immer mobiler, Städte stehen vor dem Verkehrskollaps. Für Konzerne, Tüftler und Stadtplaner ist das eine große Herausforderung. Handelsblatt Online wirft einen Blick in die Zukunft der Mobilität.

Das Navi wird 25: „Drehen Sie wenn möglich um“

„Drehen Sie wenn möglich um“

Früher war der Straßenatlas unverzichtbar bei Reisen mit dem Auto. Seit den 1990er Jahren lotsen jedoch zunehmend Navigationsgeräte Autos von A nach B. 25 Jahren nach dem ersten Navi steht der Markt vor einem Umbruch.

Alternative Liebhaber-Autos: Elektrische Messerschmitts für Öko-Avantgardisten

Elektrische Messerschmitts für Öko-Avantgardisten

Früher war der Messerschmitt Kabinenroller ein knatternder Regenumhang auf Rädern. Jetzt entdecken die Öko-Hipster den Schmalspurflitzer. Zwei Modelle bieten simple Technik, bescheidene Fahrleistungen, und großen Spaß.