
BerlinGesucht ist das Fahrzeug, das mit einem Liter Kraftstoff am weitesten kommt. Vom 17. bis 19. Mai werden in der Innenstadt von Rotterdam 3 000 Schüler und Studenten aus 24 Nationen mit ihren selbst entwickelten Fahrzeugen ihre Runden drehen. Sie treten beim internationalen Shell Eco-Marathon Europe 2012 an. Der Wettbewerb soll die Fahrzeugkonstruktion mit dem geringsten Kraftstoffverbrauch ermitteln.
Dieser weltweit größte Wettbewerb für Energieeffizienz in einer praktischen Anwendung wird nach Amerika (Houston/Texas) und Asien (Malaysia /Kuala Lumpur) erstmals auch in Europa mitten in der Stadt ausgetragen.
Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.
Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.
Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.
Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.
Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.
Das stellt die Teilnehmer vor neue Herausforderungen: Die Rennstrecke rund um die „Ahoy Arena“ im Herzen von Rotterdam ist dichter an die realen städtischen Bedingungen angepasst und somit schwieriger. Die Regeln des Wettbewerbs sind einfach: Die Teilnehmer fahren zehn Runden und insgesamt 16,3 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mindestens 25 Stundenkilometern. Dann wird anhand des jeweiligen Verbrauchs hochgerechnet, wie weit das Fahrzeug gekommen wäre, wenn es den ganzen Liter verbraucht hätte. Von den 227 angemeldeten Teams kommen 24 aus Deutschland.
Der Wettbewerb findet in zwei Kategorien satt: Prototypen und Urban Concepts. Während der Konstruktionsphantasie bei den Prototypen keine Grenzen gesetzt sind, ist bei den Urban Concepts Straßentauglichkeit Pflicht. Dabei wird nicht nur der Wettbewerb 2012 urbaner: Immer mehr Teams stellen sich der Herausforderung, ein straßentaugliches Fahrzeug zu entwickeln und starten in der Kategorie Urban Concept. 2012 sind es 68 Fahrzeuge, also beinahe ein Drittel.