Ein „Alte-Leute-Auto“ will keiner fahren: Senioren müssen draußen bleiben

Ein „Alte-Leute-Auto“ will keiner fahren
Senioren müssen draußen bleiben

Jung und dynamisch - bevorzugt mit solchen Eigenschaften werben Autohersteller für neue Modelle. Viele Wünsche älterer Fahrzeugbesitzer bleiben dagegen unerfüllt. Das hat eine Umfrage des TÜV Süd in München ergeben.

dpa/gms LIMBURG/ULM. An erster Stelle stehen eine hohe Sitzposition, ein bequemer Einstieg sowie große Türöffnungswinkel oder Schiebetüren. Auch eine einfache Bedienung der Instrumente ist der älteren Generation wichtig. Viele neue Modelle haben all das aber gar nicht. Stattdessen finden sich in ihnen oft flache Karosserien, Sportsitze mit tiefer Sitzposition und komplizierte Bediensysteme.

„Die Hersteller berücksichtigen die Bedürfnisse älterer Kunden noch nicht genügend“, urteilt der Branchenexperte Nick Margetts vom Marktforschungsunternehmen Jato Dynamics in Limburg. Er bemängelt vor allem die Bedienung von Navigations- und Audiosystemen: „Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich da als älterer Mensch, der nicht aus der 'Windows-Generation' stammt, zurechtfindet, ist gering.“

Die Probleme kennen auch Autohersteller wie VW in Wolfsburg: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir mit dem Golf Plus, dem Touran und auch den Cross-Modellen, die alle eine höhere Sitzposition bieten, nicht nur Familien erreichen, sondern auch Kunden, die gerne hoch sitzen und bequem ein- und aussteigen möchten“, sagt Sprecher Jens Bobsien. Bei Ford sind laut Werbeleiter Bernhard Schmitz in Köln mittlerweile 53 Prozent der Käufer eines Fusion älter als 60 Jahre.

Die Werbung für diese Fahrzeuge richtete sich bisher jedoch vor allem an junge Menschen und Familien. Dabei ist den Firmen die Alterung der Gesellschaft durchaus bewusst: Ford etwa verwendet bei der Entwicklung einen „Alterungsanzug“, der die Ingenieure in die Lage eines Seniors versetzen soll, dessen Bewegung eingeschränkt ist.

Manschetten an Ellenbogen und Knien, Halskrause und Bauchbinde sollen jede Bewegung erschweren. Bei jedem neuen Fahrzeug kommt der Anzug in einer frühen Phase zum Einsatz, um sicherzustellen, dass sich der Entwurf für ältere Kunden eignet. Trotzdem wird dies der Kundschaft gerne verschwiegen. „Es gilt als unhip zu sagen, dieses Auto wurde auch für ältere Menschen konzipiert“, sagt Margetts. Die Hersteller hätten große Sorge, dass ihre Marke „das falsche Image“ bekommt. „Man darf ein Auto nicht zum 'Alte-Leute-Auto' machen. So ein Auto will keiner fahren“, räumt VW-Sprecher Bobsien ein.

Beim Autokauf sollten ältere Fahrer auf ausführliches Probesitzen und -fahren Wert legen, empfiehlt Jürgen Brenner-Hartmann von der TÜV-Süd-Tochter Life-Service in Ulm. Dabei sollten sie beurteilen, wie bequem ihnen das Ein- und Aussteigen fällt, wie gut die Rundumsicht ist und ob sie sich im Sitz wohl fühlen. Allerdings sind auch die Kaufinteressenten nicht davor gefeit, selbst in die „Image-Falle“ zu tappen. Denn die Sitzposition konkurriere oft mit der Sportlichkeit eines Fahrzeugs. „Man muss sich schon fragen: Wie wichtig ist es mir, einen sportlichen Flitzer zu fahren oder eine höhere Sitzposition zu haben?“ Auf keinen Fall sei es ratsam, alles dem Image unterzuordnen: „Man sollte sich eingestehen, dass man nicht mehr so gelenkig ist.“

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