Eine Frage der Angemessenheit
Statussymbole bitte nicht in XXL

Luxusyachten überragen mächtige Kathedralen und Autos werden immer dicker: Statussymbole sind übertrieben gewachsen, findet Designkritiker Paolo Tumminelli. In Zeiten des Wertewandels sind kleinere Modelle gefragt. Wie groß Statussymbole sein dürfen.
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Unsere Autos werden viel zu fett. In Zeiten des Wertewandels zieht mancher Kunde die Konsequenz und greift zum kleineren Modell. Gut so!

Der Leser Stefan Gronloh fragt, was man sich in Zusammenhang mit einem Statussymbol unter „angemessen groß“ vorstellen muss. Die Frage fügt sich perfekt ein in die Debatte über die Grenzen der Wachstumsgesellschaft, den Wertewandel in der Konsumkultur und die Zukunft des Automobils – des Menschen liebstes Statussymbol.

„Is Modesty the new Luxury?“ So überschrieb BMW eine Podiumsdiskussion anlässlich des Concorso d’Eleganza Villa d’Este, des Klassikertreffens am Comer See. Es ist die bescheidene Frage nach der Verbindung zwischen Statur, Status und Schönheit.

Auf Anhieb fallen Superyachten ein: Deren Zahl hat sich im letzten Jahrzehnt auf 6 000 verdoppelt, ihre Durchschnittsgröße stieg um 50 Prozent. Sieben sind länger als der Berliner Reichstag. Zugegeben, größer kann ein Statussymbol kaum sein. Aber schöner? Vor ein paar Wochen „parkte“ die Carinthia VII (98 Meter) vor Syrakus. Die Linie wirkte elegant und unnatürlich: Die blaue Riesin stellte die einst mächtigste Stadt Europas in den Schatten. Der Dom von Syrakus ist trotz spätbarocker Fassade ein bescheidenerer Luxus.

Auch Autos sind übertrieben gewachsen: Der Polo ist nun so groß wie einst der Golf, der Golf wie der Passat, der Passat wie die S-Klasse, die S-Klasse wie ein Krankenwagen. Alles wird dicker. Ein heutiger Kleinwagen hat den Bauchumfang einer Luxuskarosse der 80er – viel zu fett.

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