Elektroautos
Eigentümerversammlungen sind ultimative E-Mobilitätsbremse

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Das Netz ist schnell überlastet

Dass es eine Opposition gegen Ladenanschlüsse gibt, ist durchaus nicht unwahrscheinlich. Denn es geht ums Geld: „Die erforderliche Kostenübernahme ist in vielen Fällen ein Streitpunkt, an dem die Zustimmung der Miteigentümer scheitert“, weiß Kaßler aus Erfahrung. Alternativ zur Aufteilung der finanziellen Belastung unter allen Eigentümern ließen sich natürlich auch abweichende Beschlüsse zur Kostenübernahme finden – doch für einzelne oder selbst Gruppen wird eine Ladestation schnell sehr teuer.

Vor allem in älteren Gebäuden ist das Stromnetz nicht für das Laden von Elektroautos ausgelegt. „Wenn nur ein Elektrofahrzeug an das Stromnetz angeschlossen wird, geht das vielleicht noch gut“, sagt Kaßler. Würden jedoch mehrere Fahrzeuge angeschlossen und über Stunden betankt, dann sei das Netz relativ schnell überlastet. Das gilt sowohl für die technisch anspruchsvolleren Wallbox-Ladestationen mit hoher Leistung als auch für das Laden über den simplen Schuko-Stecker.

Sollen mehrere E-Autos gleichzeitig geladen werden, bliebe in vielen Fällen daher nur das Teilen der Anschlusskapazität unter mehreren E-Auto-Besitzern. Manuell – durch regelmäßiges Umparken und Neuverkabeln – wäre das allerdings extrem unpraktisch. Ein Ladelastmanagement-System könnte den Wechsel automatisieren, ist aber extrem teuer. „Bei einer alten Strominfrastruktur ist die Erneuerung des Netzes wohl ohnehin die nachhaltigere und bessere Wahl“, rät Kaßler. Allerdings kostet auch diese viel Geld.

Generell sieht Kaßler die hohen Kosten als stärkstes Hemmnis für den Ausbau einer privaten Ladeinfrastruktur. Sein Verband fordert daher ein nationales Förderprogramm für die Installation einer Ladeinfrastruktur in Höhe von rund 100 Millionen Euro. So könne man Eigentümern und Mietern gleichermaßen die Skepsis vor der Anschaffung eines E-Autos nehmen.

Bislang arbeitet die Politik jedoch in erster Linie an der Auflösung rechtlicher Hemmnisse – und auch das läuft eher schleppend. Immerhin hat die Europäische Kommission nun vorgeschlagen, bei Neubauten und umfassenden Sanierungen eine Vorverkabelung für Immobilien mit mehr als zehn Pkw-Stellplätzen zur Pflicht zu machen. Das würde die Errichtung von Ladestationen deutlich vereinfachen.

Bis sich bei Recht und Finanzierung etwas ändert, dürfte sich die Pkw-Flotte in WEG-Immobilien aber kaum im großen Stil elektrifizieren lassen. Befürchtet zumindest Kaßler. Und bedauert das ungenutzte Potenzial bei der Elektrifizierung des Landes.

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