Erfolg der Japaner zwingt zum Kurswechsel
Hybrid-Welle erfasst deutsche Autobauer

Das Thema "Hybrid" steht bei den deutschen Autokäufern offenbar nicht oben auf der Tagesordnung. Noch sind Autos mit der Kombination aus Benzin- und Elektromotor in Deutschland fast unbekannt. Doch das könnte sich bald ändern.

HB FRANKFURT. Anders als in den USA sind hier laut Kraftfahrtbundesamt gerade einmal 2096 Hybrid-Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs - von insgesamt 45,4 Mill. Wagen. Das ist ein minimaler Anteil von unter 0,1 %. Zur Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt treten nun aber auch die deutschen Autobauer dem Rennen der Autos mit Doppelherz bei.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Automobilindustrie zur IAA-Eröffnung in Frankfurt aufgefordert, angesichts der hohen Benzinpreise die Entwicklung von alternativen Antrieben und den Einsatz von Biotreibstoffen zu forcieren. Er rief die Autobauer auf, sich bei keiner Technologie abhängen zu lassen. "Wir können doch nicht gestatten, dass wir in irgendeiner Technologie schlechter sind als unsere Wettbewerber." Deutschland werde nicht immer Nummer eins sein können, "aber was am Markt gefragt ist, da müssen wir doch mindestens dabei sein". Er begrüße deshalb die im Vorfeld der IAA angekündigten Allianzen der Autobauer zur Entwicklung von Kraftstoff sparenden Hybrid-Antrieben. Durch die Kooperationen werde der Vorsprung japanischer Hersteller bei dieser Technogie in kürzester Zeit aufgeholt sein.

"Kein Hersteller kommt um das Thema herum", sagt der Autoexperte der Deutschen Bank, Eric Heymann. "Es ist ein neuer Trend, der von den hohen Benzinpreisen und der Hysterie um Diesel-Rußpartikel getrieben wird." Studien rechnen dem Hybrid-Motor einen Marktanteil von bis zu zwei Prozent in einigen Jahren aus. Die Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers erwartet 2010 weltweit eine Verkaufszahl von rund einer Million Hybridfahrzeuge.

Der Hybridantrieb soll den Verbrauch nach Angaben verschiedener Hersteller um bis zu 25 % reduzieren. Der weltweit zweitgrößte Autokonzern Toyota, ein Pionier der Hybrid-Technologie, will den Absatz seines Modells Prius in diesem Jahr in Europa von 8200 auf rund 20 000 Autos mehr als verdoppeln. Weltweit sollen 180 000 Prius verkauft werden, sagte Toyota-Europe-Manager Thierry Dombreval. Honda bringt die Neuauflage seines Kompaktwagens Civic Anfang 2006 auch als Hybrid-Version auf den europäischen Markt.

Der Erfolg der japanischen Konzerne zwingt die deutschen Hersteller zu einem radikalen Kurswechsel. Jahrelang wurde der Sparmotor verschmäht - die Hersteller setzten auf sparsame Diesel- Autos. Auf diese Weise senkten sie den Spritverbrauch der Neufahrzeuge seit Beginn der 90er Jahre um zwei auf 6,8 Liter. Doch besonders in den USA fand der Hybrid-Motor immer mehr Käufer. Die deutschen Marken hatten das Nachsehen hinter dem Pionier Toyota und Honda.

Jetzt rollt die Hybrid-Welle und erfasst alle deutschen Marken. Daimler-Chrysler präsentierte auf der IAA zwei Konzeptfahrzeuge der S-Klasse mit Hybrid-Antrieb, einen Diesel und einen Benziner. Audi will den neuen sportlichen Geländewagen Q7 von 2008 an in Serie als Hybrid fertigen. Selbst der Sportwagen Cayenne von Porsche soll bis Ende des Jahrzehnts mit dem Doppel-Motor ausgerüstet sein. Honda und Toyota bieten solche Fahrzeuge schon seit Jahren an, während die Deutschen auf der IAA vorwiegend Prototypen zeigen.

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