EU-Regelungen begrenzen den LKW-Schadstoffausstoß
Neue Umweltnormen sorgen für Aufträge

Die bevorstehende Umstellung auf schärfere EU-Umweltnormen Anfang Oktober hat einen entscheidenden Anteil an den vollen Auftragsbüchern der LKW-Hersteller. Und auch 2007 könnte die staatliche Förderung schadstoffarmer Trucks für wichtige Impulse sorgen.

DÜSSELDORF. Die Euro-4-Norm regelt den Schadstoffausstoß von Lastern, die ab Oktober zugelassen werden - Stickoxide werden um 30, Partikelemissionen um 80 Prozent reduziert. Euro 5 tritt 2009 in Kraft - und hat zum Ziel, den Ausstoß von Stickoxiden um 40 Prozent zu senken. In Deutschland werden Euro-5-Laster durch eine günstige Mautklasse begünstigt.

"Die größte Nachfrage erfahren derzeit die Euro-4-Motoren, die bereits der Abgasnorm entsprechen, die ab Oktober 2006 vorgeschrieben ist", sagt Claudia Gassen, Pressesprecherin bei Scania. Bei anderen Herstellern dagegen hält sich die Nachfrage nach Euro-4-Fahrzeugen in Grenzen. Zwei von drei Fahrzeugen, die in diesem Jahr bislang zugelassen wurden, sind immer noch Euro-3-Gefährte. "Euro-4 macht zirka 20 Prozent der Auftragseingänge aus", so Detlef Hug, Sprecher bei MAN Nutzfahrzeuge. Hintergrund: Nicht in allen Ländern gibt es Förderprogramme - etwa Mautrabatte - für schadstoffreduzierte Fahrzeuge. Zudem gebe es auch Nutzfahrzeuge, die die Autobahn nicht benutzen, so Hug - beispielsweise Baufahrzeuge. "Die profitieren nicht von den Vorzügen der Mautreduktion", so Hug.

Bei Schwerfahrzeugen war Euro 4 nie ein Thema, ergänzt Manfred Kuchlmayr, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Iveco. Gerhard Riemann, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundesverband des Groß- und Außenhandels, will nun vom Verkehrsminister die Zusage, dass auch für LKWs der Klasse 4 Förderanreize geschaffen werden, die zum schnelleren Ersatz des Fuhrparks führen könnten. Auch sollte man Fahrzeuge der Schadstoffklasse 5 länger als bisher geplant fördern, derzeit seien die Anreize noch zu gering.

7,6 Prozent der in diesem Jahr zugelassenen LKWs entsprechen bislang der Abgasnorm 4, jeder vierte sogar der Abgasnorm 5. Bei der Autobahnmaut gibt es deutlich günstigere Konditionen für schadstoffärmere Fahrzeuge. "Kostet ein Autobahnkilometer mit einem Euro-3-Fahrzeug 12 Cent bis Oktober 2006 und dann 15 Cent bis Oktober 2009, so sind für LKWs der Stufe 5 lediglich 10 beziehungsweise 12 Cent pro Kilometer zu bezahlen", rechnet Daimler-Chrysler vor. Vor der IAA waren jedoch nicht bei allen Hersteller alle Modelle und Baureihen bereits mit erhöhter Schadstoffreduzierung zu haben - nun legen alle Autobauer kräftig nach.

Druck kommt mittlerweile auch von den Kunden. So hat Metro-Logistikchef Frank Wiemer seine Spediteure aufgefordert, möglichst Euro-5-LKWs anzuschaffen oder ältere Laster mit Partikelfiltern nachzurüsten. Nur so könne man bei drohenden strengeren Verordnungen in den Städten die Versorgung der Märkte sicherstellen. Der Aufpreis für den Sprung zur nächsten Schadstoffklasse beträgt in der Regel zirka 3 000 bis 4 000 Euro, dem gegennüber stehen deutliche Einsparungen bei der Maut. Für die Umsetzung der Euro-5-Norm wurden verbesserte Motorsteuerungen und Partikelfilter getestet - sie haben jedoch nicht ausgereicht. Deshalb setzen mittlerweile alle großen Herstellern auf den SCR-Katalysator. Dabei wird Diesel mit einer wässrigen Harnstofflösung gemischt, so genanntem Adblue. Der Katalysator wandelt damit Stickoxide in Stickstoff und Wasserdampf um.

Der Zusatzstoff wird in einem Extratank im Fahrzeug mitgeführt. In den vergangenen Monaten haben Chemieunternehmen, Vertreter der Mineralölbranche und LKW-Hersteller die Vertriebsinfrastruktur für Adblue so aufgebaut, dass die Versorgung gewährleistet ist. "Die Reichweite beträgt je nach Tankgröße bis zu 8 000 Kilometern, da nur fünf Prozent im Vergleich zum Diesel benötigt werden", erläutert Iveco-Sprecher Kuchlmayr.

Für die Reduktion der Schadstoffe auf die Euro-4-Norm gibt es herstellerspezifische Konzepte von Filtern. So arbeiten MAN und Scania mit Abgasrückführung, um das Gewicht des zusätzlichen Tanks für den Harnstoff zu sparen. "Wir werden auch eine Reihe zeigen, die Euro 5 mit Abgasrückführung erreicht", so Scania-Sprecherin Claudia Gassen. Das sei die einfachere Lösung.

Volvo geht über bisherige Konzepte zur Schadstoffreduzierung noch hinaus und wird erstmals ein Motor mit Hybridtechnologie für Schwerlastfahrzeuge zeigen. Es handelt sich um eine Kombination von Elektro- und Dieselantrieb, beide Motoren können unabhängig voneinander arbeiten. Die Lösung nutzt die Bremsenergie zur Speisung der Batterie und ist deshalb nach Angaben des Herstellers besonders für den Stadtverkehr mit wiederholtem Anhalten und Anfahren geeignet. Die Trucks werden allerdings erst in einigen Jahren auf den Markt kommen.

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