Experten raten von Ausweichmanövern ab - Besser abblenden und hupen
Zahl der Wildunfälle steigt

dpa/gms BERLIN/BONN. Wild lebende Tiere sind für Stadtmenschen fast schon exotische Lebewesen. Dass sie aber auch in Deutschland noch alltäglich sind, zeigt sich nicht zuletzt auf den Landstraßen. In jüngster Vergangenheit steigt die Zahl der Wildunfälle merklich an.

Immer öfter kommt es zu Zusammenstößen zwischen Rehen oder Wildschweinen und Autofahrern. Nach den aktuellsten Zahlen des Deutschen Jagdschutz-Verbandes (DJV) in Bonn kamen von Frühjahr 2003 bis Frühjahr 2004 fast 180 000 Rehe unter die Räder - 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Für Autofahrer ist es daher wichtig, schon von der Paarungszeit an besonders aufmerksam zu sein - diese beginnt bereits Mitte Juni.

Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin wurden im Jahr 2003 bei Kollisionen mit Wild 2 700 Menschen verletzt. „Insgesamt wurden im Jahr 2 003 456 Mill. Euro an Entschädigung gezahlt, im Jahr davor waren es noch 425 Millionen“, sagt GDV-Sprecher Stephan Schweda.

„Grundsätzlich gibt es eine Tendenz zu steigenden Zahlen bei Wildunfällen“, sagt auch Torsten Reinwald vom DJV. „Das Grundproblem dahinter ist die fortschreitende Zerschneidung der Landschaft.“ Denn neue Straßen kreuzen auch Wildtier-Routen. „Das Wild weicht aber auch dann nicht von seinem angestammten Wechsel ab“, so Reinfeld. Hinzu kommt, dass die Zahl der Wildtiere seit einigen Jahren wieder ansteigt. Laut Reinfeld hat der Wildschwein-Bestand enorm zugelegt. Wildwechsel-Warnschilder am Straßenrand weisen auf die Gefahr hin.

Laut dem ADAC in München hat schon ein 25 Kilogramm schweres Reh bei einem 100 Stundenkilometer schnellen Fahrzeug ein Aufprallgewicht von einer Tonne. In kritischen Situationen raten die Experten von Ausweichmanövern ab. „In der Regel fliegt ein Tier nach dem Zusammenprall nicht durch die Scheibe“, erklärt Welf Stankowitz vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. „Viel gefährlicher sind Baumunfälle als Folge eines Ausweichmanövers.“

Ein anderes Argument gegen Ausweichen: „Die Versicherungen wollen einen Nachweis haben, dass es sich tatsächlich um einen Wildunfall gehandelt hat“, sagt Stankowitz. Ein Nachweis, der sich schwierig gestaltet, wenn das Tier fort ist und am Auto keine Spuren sind. „Als Autofahrer bin ich in der Beweispflicht“, bestätigt Stephan Schweda. Nach einem Ausweichmanöver bleibt meist nur die Hoffnung auf Zeugen oder auf einen Gutachter, der doch noch Wildspuren findet.

Der Versicherungsschutz ist häufig auf Zusammenstöße mit Haarwild beschränkt, wozu grundsätzlich Rehe, Hirsche und auch Wildschweine zählen - nicht aber Hasen, Katzen, Kühe oder Pferde. „Neu ist, dass einige Versicherungen ihren Schutz auf andere Tiere erweitert haben“, sagt Stankowitz. „Im Zweifel sollte man in dem Vertrag nachschauen.“

Um ein Wildtier von der Straße zu verscheuchen, sollten Autofahrer abblenden und hupen. Nach einem Zusammenstoß sollten die Polizei und möglichst der zuständige Förster gerufen werden. „Wichtig ist dann auch, sich vor Ort eine so genannte Wildbescheinigung ausstellen zu lassen - als Nachweis dafür, mit welcher Art von Tier der Wagen zusammengestoßen ist“, sagt Schweda. Niemals darf ein getötetes Tier mitgenommen werden - das ist strafbar und gilt als Wilderei.

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