Fahnder vor Rätsel
Falscher Polizist kassiert ab

Mit umfangreicher Polizei-Ausrüstung geht ein falscher Polzist zur Zeit auf Touristen-Jagd: Ausländische Besucher in ganz Deutschland werden von dem Mann übers Ohr gehauen. Außerdem steht er im Verdacht, einen Motorradfahrer angefahren zu haben.

HB HAMBUGR. Hauptkommissar Reinhard Möller vom Polizeikommissariat 38 in Hamburg steht vor einem Rätsel. Es gibt zahlreiche Spuren - unter anderem in Hamburg, Montabaur (Rheinland-Pfalz), Limburg und bei Kassel (Hessen) -, aber keinen Täter. „Falsche Polizisten gibt es immer mal wieder, aber so einen überregionalen Fall hatten wir noch nicht“, sagt der 59-Jährige.

Begonnen hat alles am 18. Juli 2007. Im Hamburger Stadtteil Wandsbek interessiert sich der Gauner für einen grünen 320er BMW. Der Händler händigt ihm die Schlüssel aus und der etwa 40 Jahre alte Mann braust auf und davon. Drei Tage später wird das Auto mit dem gestohlenen Kennzeichen SFA-U-636 in Hamburg gefunden, im Kofferraum entdecken die echten Beamten jede Menge Polizeiequipment

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Anhaltekelle, Magnetblaulicht, eine Leuchtleiste mit der bekannten Aufschrift „Stopp Polizei“ und einen gefälschten Polizeiausweis. Wie sich herausstellt, war der Betrüger mit dem BMW und mit einem ebenfalls gestohlenen dunkelblauen Peugeot Kombi 407 auf deutschen Autobahnen unterwegs. Der „falsche Polizist“ montierte das Blaulicht auf dem Dach und winkte mit der Kelle ausländische Gäste raus.

Bei Bad Oldesloe (Schleswig-Holstein) etwa kassiert er von einem Niederländer 50 Euro - für zu schnelles Fahren. Auch in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen findet sich seine Spur. Im gestohlenen BMW fanden die Beamten eine ganze Dokumentenmappe mit Formularvordrucken und Quittungen. Nach dem Satz „Wir wollen, dass sie sicher ankommen“, waren die Formulare unterzeichnet mit „Hochachtungsvoll, Ihre Polizei in Deutschland“.

Reinhard Möller geht davon aus, dass die Dunkelziffer sehr hoch liegt, da die Tarnung nicht hinterfragt wird. „Die meisten ausländischen Touristen sind wahrscheinlich froh, dass sie mit 50 oder 100 Euro wegkommen und nicht im Urlaub den Führerschein abgeben müssen.“ Der gut ausgerüstete „Polizist“ ist derzeit nur noch mit dem Peugeot unterwegs, vermuten die Ermittler. Zudem hat er sich neue Formulare zum Abkassieren von angeblichen Temposündern besorgt - sie sind nun grün.

Da der etwa 1,70 große Mann im Juli fast täglich an deutschen Tankstellen den Wagen volltankte und sich dann aus dem Staub machte, wurde mehrfach das Kennzeichen des Peugeot auf Video aufgenommen. „Es war stets gestohlen und fast immer ein anderes“, berichtet Möller. Mit dem sichergestellten BMW legte er in drei Tagen mehr als 2000 Kilometer zurück.

Und an dem in Hamburg sichergestellten Auto entdeckten die Ermittler jetzt Spuren auf ein weiteres Verbrechen: An Front und Motorhaube finden sich Abdrücke, die wahrscheinlich von einem Körper und einem Motorradhelm stammen. „Wir vermuten, dass er einen Motorradfahrer angefahren hat. Das kann in München, aber auch in Flensburg gewesen sein“, sagt Möller.

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