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Fahren mit US-Klassikern in Deutschland

Wer mit einem Klassiker amerikanischer Bauart auf deutschen Straßen unterwegs ist, wird dem Begriff Parklücke bald eine neue Bedeutung einräumen. Doch auch das Fahren an sich ist etwas Anderes.

dpa/gms HüNFELDEN/WIEN/BUCHHOLZ. Wer mit einem Klassiker amerikanischer Bauart auf deutschen Straßen unterwegs ist, wird dem Begriff Parklücke bald eine neue Bedeutung einräumen. Doch auch das Fahren an sich ist etwas Anderes.

Nur wer sich dem Wagen anpasst, wird über längere Zeit Freude daran haben. „Das Fahren mit so einem Klassiker unterscheidet sich vom Bewegen eines europäischen Autos. Die US-Modelle sind für andere Straßen gemacht“, erklärt Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic Data in Castrop-Rauxel. Der Unterschied besteht vor allem im Tempo. Denn wer die meist üppig dreistelligen PS-Leistungen auf Autobahn-Fahrten mit durchgetretenem Gaspedal erleben will, wird unangenehm überrascht.

„Diese Autos sind auf Geschwindigkeiten bis 120 Stundenkilometer (km/h) ausgelegt“, sagt Christian Waldow, Prüfingenieur der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) in Buchholz (Niedersachsen). „Bei längeren schnellen Autobahnfahrten sind sie den thermischen Belastungen nicht mehr gewachsen.“ Was auch am Ölhaushalt der Motoren liegt: „Ein V8-Motor mit 6,7 Litern Hubraum hat oft nur 3,5 bis vier Liter Öl.“ Ein vom Hubraum her halb so großer Motor aus Europa geht dagegen mit sechs bis sieben Litern des Schmierstoffs auf Reisen.

Eine Folge bei hohem Tempo ist laut Waldow, dass das stark beanspruchte Schmieröl zu heiß wird. Im Extremfall reißt der Schmierfilm, teure Motorschäden sind möglich. „Die Autos sind definitiv nicht vollgasfest. Man kann sie kaputt fahren, indem man sie mit deutschem Fahrstil bewegt“, warnt auch Cadillac- und Lincoln-Spezialist Tom Witzel vom US-Fahrzeug-Importeur Tom's Club in Hünfelden (Hessen).

Johannes Hübner, Sprecher des Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main, rät, die klassischen Motoren nicht mit den modernen „dünnen“ Ölen zu befüllen: „Diese dünnen Öle können dazu führen, dass im Motor nicht genug Öldruck aufgebaut wird.“

Zurückhaltende Fahrweise schont außerdem Nerven und Gesundheit. Denn bei vielen Fahrzeuge kann eine Vollbremsung aus höherem Tempo zu einem unangenehmen Erlebnis werden. „Die Autos haben oft rundum nicht sehr groß dimensionierte Trommelbremsen“, sagt GTÜ-Prüfingenieur Waldow. Die neigen zu Überhitzung und nachlassender Bremsleistung.

Auch das Fahrwerk an sich ist eher auf gemütliches Gleiten ausgelegt. „Hinten kommen meist Starrachsen zum Einsatz, die Federwege sind länger als bei uns“, sagt Waldow. Beim Fahren macht sich die Konstruktion dadurch bemerkbar, dass die Hinterachse nicht jede Unebenheit problemlos ausgleicht.

Insgesamt gelten die US-Klassiker aber als recht problemlose Fahrzeuge, wenn die Fahrer sich den Gegebenheiten anpassen. Mit einem Trick wird auch das Einparken der Blechgebirge leichter. „Es gibt so genannte Bordsteinfühler“, sagt Johannes Hübner. Das sind kleine Drähte an den Kotflügeln. Stoßen sie an die Bordsteinkante, übertragen sie ein lautes Geräusch auf die Karosserie. Rechtzeitige Reaktion schützt dann wertvolle Weißwandreifen oder Chromradkappen.

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