Fahrezugfinanzierung
Vor dem Autokauf genau nachrechnen

HB STUTTGART. Finanzierungen mit winzigen Zinssätzen, dazu noch richtig viel Geld für den Gebrauchten: wer die Werbung der Autohersteller sieht, könnte meinen, sie hätten etwas zu verschenken. Das ist natürlich nicht so.

Tatsächlich sollen Kunden geworben und soll Geld verdient werden. Wer auf der Suche nach einem neuen Fahrzeug ist, muss genau überlegen, wie es bezahlt werden soll. „Etwa zwei Drittel aller privat gekauften Neufahrzeuge werden heute finanziert“, sagt Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn. Das nicht finanzierte Drittel bedeutet nicht, dass die Käufer die Kaufsumme bar auf den Tisch legen. Vielmehr werden oft Gebrauchtwagen in Zahlung genommen. Direkt gezahlt wird dann nur die Differenz zum Kaufpreis.

„Insgesamt ist die Tendenz bei den Finanzierungen weiter steigend“, so Blümer. Denn zum einen werden die vorhandenen Fahrzeuge immer älter, bringen also bei Inzahlungnahme nicht mehr so viel Geld ein. Zum anderen ist ein Neuwagen mittlerweile recht kostspielig - der Durchschnittspreis liegt laut Blümer bei etwa 24 000 Euro.

Wer nicht genug gespart hat, kann in der Regel drei Wege gehen: Die Finanzierung über die Hausbank, die Finanzierung über den Händler beziehungsweise Hersteller oder das Leasing. „Bei der Finanzierung zahle ich Raten und werde Eigentümer des Fahrzeugs“, erläutert Katrin Stroech, Juristin beim ADAC in München. „Beim Leasing miete ich das Fahrzeug für eine bestimmte Zeit und gebe es am Ende zurück.“

Beim Leasing gibt es unterschiedliche Varianten. „Gebräuchlich sind das Kilometer-Leasing und das Restwert-Leasing“, sagt Frank Bonifer vom Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main. Die Unterschiede zwischen beiden Typen können jedoch groß sein. „Beim Restwert-Leasing wird am Anfang der Wert berechnet, den das Fahrzeuge am Ende der Laufzeit des Leasing-Vertrages noch haben soll.“

Darin liegt nach Ansicht von Volker Lempp vom Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart auch ein mögliches Problem. „Was dieses Leasing dann wirklich kostet, weiß man erst am Ende.“ Denn neben der üblichen Sofortzahlung zu Beginn und den monatlichen Leasingzahlungen kommt es eben auch noch darauf an, ob der angesetzte Restwert erreicht wird - oder ob der Leasing-Nehmer noch etwas dazu zahlen muss.

Beim Kilometer-Leasing sieht die Sache etwas anders aus. „Dabei wird meist ein Leasingvertrag über mehrere Jahre abgeschlossen. Jedes Jahr dürfen beispielsweise 15 000 Kilometer gefahren werden“, sagt Bonifer. Jeden Kilometer mehr muss der Leasing-Nehmer am Ende extra bezahlen. Liegt die Fahrleistung am Ende unter dem abgemachten Wert, wird oft Geld erstattet. Der Restwert spielt keine Rolle, das Auto muss nur in einem angemessenen Zustand sein. Mögliches Handicap: „Man erlebt oft, dass jemand die im Vertrag stehenden Kilometer einfach vergessen hat“, sagt Blümer. Das kann unter Umständen teuer werden.

Bei der Finanzierung muss beachtet werden, ob der Hersteller oder die Hausbank finanziert. Die unterschiedlichen Zinssätze sagen nicht unbedingt aus, welches Angebot besser ist. „Wenn ich über die Bank finanziere, trete ich beim Autohändler als Barkäufer auf, kann unter Umständen gute Rabatte auf den Kaufpreis aushandeln“, sagt Juristin Stroech. Wird dagegen die Finanzierung des Händlers beziehungsweise Herstellers in Anspruch genommen, ist der Rabattspielraum wesentlich geringer - welche Finanzierung im Einzelfall die bessere ist, lässt sich nur durch genaues Nachrechnen herausfinden.

Oft locken Autohersteller mit besonders günstigen Zinsen bei der Finanzierung. Diese Angebote sind aber nicht für jedermann geeignet. Laut Frank Bonifer sind die günstigen Zinsen oft mit sehr kurzen Laufzeiten der Finanzierung gekoppelt. „Die monatlichen Raten sind dann natürlich recht hoch.“

Häufig zu finden ist seit geraumer Zeit die so genannte Ballon-Finanzierung. Darunter wird eine Finanzierungsart verstanden, bei der monatlich über die Laufzeit vergleichweise geringe Raten anfallen. Am Ende steht dann aber die Zahlung einer großen Summe an. Diese kann bar bezahlt, durch eine weitere Finanzierung abgebaut oder durch Rückgabe des Wagens beglichen werden. Die Experten warnen davor, sich von den niedrigen Raten täuschen zu lassen: Der Finanzierungs-Nehmer schiebe einen Ballon an Geld vor sich her, für den über die gesamte Zeit zudem Zinsen gezahlt werden müssen.

Tatsächlich ist keine der unterschiedlichen Möglichkeiten grundsätzlich zu verdammen oder anzuraten. Wichtig ist vielmehr, nicht übereilt zu handeln und die einzelnen Angebote genau zu prüfen. Und: „Man muss sich selbst gegenüber ehrlich sein“, mahnt Helmut Blümer. Das gilt für die eigenen finanziellen Möglichkeiten bei den Monatsraten ebenso wie für die Zahl der jährlich gefahrenen Kilometer beim Kilometer-Leasing.

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