Fahrrad
Mit Gefühl und Geduld in den Sattel

Rad fahren und schwimmen verlernt man nicht, so heißt es jedenfalls. Was allerdings voraussetzt, dass die jeweilige Fähigkeit zuvor erlernt wurde.

dpa/gms BREMEN/BERLIN. Rad fahren und schwimmen verlernt man nicht, so heißt es jedenfalls. Was allerdings voraussetzt, dass die jeweilige Fähigkeit zuvor erlernt wurde.

Zwar wird es als fast selbstverständlich angesehen, dass ein Erwachsener mit dem Zweirad umgehen kann - tatsächlich gibt es aber eine ganze Reihe von Menschen, die nie Fahrrad fahren gelernt haben. Und je älter sie werden, desto höher wird die Hemmschwelle, sich als Nicht-Radler zu erkennen zu geben. Mittlerweile gibt es jedoch Wege, unter fachkundiger Anleitung doch noch den Umgang mit dem Rad zu lernen.

Für einen Großteil der Erwachsenen gehört es zu den Kindheitserinnerungen: die ersten Versuche auf dem Kinderrad im Garten oder auf dem Feldweg, bei denen die helfenden Hände der Eltern Stürze verhinderten. Doch gibt es auch Menschen, die solche Momente nie erlebt haben. Wie viele es tatsächlich sind, darüber existieren keine Statistiken. „Uns überrascht es aber immer wieder, wie viele Leute nicht Rad fahren können“, sagt Karsten Klama, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (Adfc) in Bremen.

Das zeigt sich daran, wie schnell Schulungskurse ausgebucht sind. Radfahrschulen für Erwachsene sind zwar immer noch selten, doch dort wo Kurse angeboten werden, gibt es eine rege Nachfrage. Denn so mancher hat bereits einige fruchtlose Radfahrversuche hinter sich. „Viele private Trainings enden oft in einem Sturz“, weiß Klama. Und nicht jedem fällt es leicht, im privaten Umfeld zuzugeben, nicht Rad fahren zu können. „Es heißt immer, Rad fahren kann jedes Kind“, sagt Klama. „Kaum ein Erwachsener möchte sich outen.“

Hinzu kommt eine weitere Schwierigkeit. „Ein Kind geht an die Sache unbefangen heran“, erläutert Wolfgang Lukowiak, Betreiber einer Radfahrschule in Berlin (www.radfahrschule.de). „Bei den Erwachsenen besteht dagegen ein Problem in der vorherrschenden Angst.“ Über die Jahre hat sich die Furcht vor dem vermeintlich kippeligen Fahrgerät immer weiter verstärkt.

Die Radfahrschulen gehen daher andere Wege als es vom kindlichen Fahrkurs im Garten gewohnt ist. Zunächst bleibt das Fahrrad stehen. „Wir beginnen erstmal mit einem Gleichgewichtstraining“, so Lukowiak. Die Teilnehmer müssen beispielsweise auf einem Bein stehen. Anschließend absolvieren sie zu Fuß einen Geschicklichkeits-Parcours.

Auch die Fahrübungen beginnen Schritt für Schritt. Lukowiak setzt zunächst kleine Tretroller ein, mit denen die Schüler kurze Strecken zurücklegen und sich an das Fahrgefühl gewöhnen können. Der Fahrlehrer gibt Hinweise über Funktion und Handhabung der Bremse. Ist dies geschafft, kommt ein größerer Sitz-Roller zum Einsatz, der statt einer Bremse gleich zwei hat. „Danach hat man sich schon fast alles angeeignet, was man für das Fahrrad braucht.“ Bei den ersten Übungen auf dem Rad wird der Sitz tief eingestellt. „Kein Anfänger möchte sich ergonomisch richtig setzen“, weiß Lukowiak. Wichtiger ist den Schülern der sichere Kontakt mit den Füßen zum Boden.

Verkehrsexperten halten solche Fahrversuche unter Anleitung für den richtigen Weg. „Man bekommt von den Fachleuten Tipps, kann Dinge ausprobieren“, sagt Marion Steinbach, Sprecherin der Deutschen Verkehrswacht (DVW) in Bonn. „Außerdem geschieht dies alles in einem verkehrsfreien und daher ungefährlichen Raum.“ Der ist in der Regel recht abgeschieden und vor fremden Blicken geschützt: Gerade Erwachsene mögen es nicht, wenn Unbeteiligte sie bei ihren ersten und wahrscheinlich noch ungeschickten Versuchen beobachten.

Männer sind bei den späten Fahrübungen in der Minderheit. „Neun von zehn Teilnehmern bei solchen Fahrkursen sind weiblich“, sagt Karsten Klama. Was nicht unbedingt daran liegen muss, dass mehr Männer Fahrrad fahren können - vielmehr wird vermutet, dass Frauen sich eher dazu bekennen, es nicht zu können.

Wer einen solchen Kurs absolviert hat, sollte trotzdem noch etwas vorsichtig sein - niemand ist sofort ein Fahrrad-Profi. „Man fährt anfangs besser auf ruhigen Strecken, auf denen auch wenige Spaziergänger oder andere Radfahrer unterwegs sind“, rät Marion Steinbach. So lässt sich in aller Ruhe Routine gewinnen.

„Außerdem sollte man bequeme Kleidung mit langen Hosen und auch langen Ärmeln tragen“, empfiehlt Steinbach. Wer trotz aller Vorsicht einmal ins Straucheln gerät, ist dadurch etwas vor Verletzungen geschützt. Und auch wenn das Übungsrad mit dem niedrig eingestellten Sattel sich sicher anfühlte - im Alltag ist dies nicht die richtige Anordnung. Steinbach rät, den Sattel so einzustellen, dass mit beiden Fußspitzen der Boden berührt werden kann.

Informationen: Der Adfc hat auf seiner Internetseite unter www.adfc.de/2563_1 die Adressen verschiedener Radfahrschulen zusammengestellt.

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