Fahrzeugsicherheit
Der Aufwand für Crashtests steigt

Die Anforderungen an die Sicherheit von Autos werden immer anspruchsvoller und damit auch die Vorgaben für Crashtests. Für die Autobauer sind die Testanlagen die letzte Chance, um das Verhalten der Fahrzeuge bei Kollisionen zu prüfen. Werden die Eckdaten der nationalen und internationalen Gesetze und Vorschriften nicht erreicht, muss nachgebessert werden.

DÜSSELDORF. „Noch vor ein paar Jahren war die Entwicklung eines neuen Sicherheitsgurtes eine einfache Sache“, sagt Heinz-Dieter Adomeit, Entwicklungsingenieur beim Autozulieferer Delphi Deutschland. Der Gurt wurde mit einem Wandaufprall bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern auf das Fahrzeug abgestimmt, um die Forderungen Gesetzgebung zu erfüllen. Heute dagegen sei das Crashen von Autos ein kompliziertes und sehr aufwendiges Geschäft, sagt Adomeit. „Ohne Hilfe des Computers kommen wir nicht mehr aus.“

Die Fahrzeuge oder einzelne Komponenten werden mit Hilfe der Rechnertechnik bereits virtuell überprüft, die Ergebnisse müssen dann auf der Crashanlage nur noch kontrolliert werden. Trotzdem ist der Aufwand enorm: Für einen einzelnen Fahrzeugtest, der bis zu 50 000 Euro kosten kann, müssen Fahrzeug und Dummys tagelang justiert und eingemessen werden. Der Test selbst dauert nur wenige Millisekunden. Dabei werden von den Sensoren im Dummy zehn bis 15 Millionen Einzeldaten erfasst und über Hunderte Messkanäle an den Rechner geleitet und dort gespeichert. Danach erfolgt der zweite Teil der Arbeit: Auswertung der Testergebnisse.

Ende des Jahres eröffnet Delphi in Berlin eine neue Crashanlage, die zu den modernsten Anlagen in Deutschland zählt. Als Ergänzung zur Schlittenanlage im Delphi-Technologie-Zentrum Wuppertal, auf der Einzelkomponenten geprüft werden, lassen sich in Berlin ganze Fahrzeuge gegen die Wand fahren und Unfälle zwischen zwei Autos simulieren. Ziel ist u. a. die Entwicklung von neuen Rückhaltesystemen. So will Delphi in wenigen Jahren ein Airbagsystem auf den Markt bringen, das ohne aufwendige elektronische Sensortechnik die Position der Insassen erkennt und dann situationsgerecht reagiert. Eventuell könne der Airbag auch in solchen Situationen ausgelöst werden, bei denen herkömmliche Luftsäcke noch nicht in Aktion treten.

„In den nächsten Jahren werden die Crashtestszenarien weiter zunehmen“, sagt Florian Kramer, Professor für KFZ-Sicherheit und Unfallanalytik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden. Eine treibende Kraft dafür ist die US-Gesetzgebung. Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) hat die Testverfahren und Grenzwerte für den Insassenschutz weiter verschärft. Die neuen US-Vorschriften setzen Automobilhersteller und -zulieferer unter Druck. So sind nicht nur weitere Crash-Tests mit verschiedenen Dummy-Typen gefordert. Auch die Risikobegrenzung bei einer Airbagzündung für kleine Insassen und Kinder, nicht angegurtete Personen und solche, die nicht vorschriftsmäßig im Fahrzeug sitzen – so genannte Out-of-Position-Insassen – steht auf dem Programm.

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