Feldversuch
Bund schickt Gigaliner auf die Straße

Gegen den Widerstand der Länder startete der Verkehrsminister einen Großversuch: In mehreren Bundesländern sollen überlange Lkws rollen dürfen.
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BerlinEinen geplanten Testlauf von bis zu 44 überlangen Großraum-Lkws will Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ohne Genehmigung der Bundesländer durchsetzen. Im Entwurf einer dazu notwendigen Verordnung heißt es ausdrücklich, die geplante Ausnahmeregelung bedürfe nicht der Zustimmung des Bundesrates. Der Versuch ist zunächst auf sieben Bundesländer beschränkt – zuletzt hatte sich Baden-Württemberg nach dem Regierungswechsel in Stuttgart aus dem Projekt verabschiedet.

Derzeit ist die Länge von Lastwagen in Deutschland auf 18,75 Meter begrenzt. Für fünf Jahre soll die der Verordnung nach auf 25,25 Meter steigen. Weil die Gigaliner mehr Waren transportieren können, rechnen die Befürworter mit weniger Lastwagen auf der Straße und dadurch weniger Abgasen und geringerem Benzinverbrauch.

Viele Autofahrer misstrauen aber den bis zu 60 Tonnen schweren Giganten. Kritiker befürchten, solche Super-Lkw verlagerten noch mehr Verkehr von der Schiene auf die Straße. Damit einher geht die Furcht, die Super-Transporter dürften die Infrastruktur weit überdurchschnittlich schädigen. So rechnen Straßenbauingenieure nach dem Vierte-Potenz-Gesetz, demnach ein 30-Tonnen-Lkw die Straße mehr als 100.000-mal so stark belastet wie ein Pkw, der etwa eine Tonne wiegt.

Der Verordnungsentwurf des Bundesministeriums sieht einige Einschränkungen vor. So gilt für die überlangen Lkw ein generelles Überholverbot. Zudem dürfen sie kein Gefahrengut transportieren, und am Steuer dürfen nur erfahrene Trucker sitzen.

Die Allianz pro Schiene äußerte rechtliche Bedenken, ob der Bund den Bundesrat außen vor lassen könne. "Wir sind skeptisch", sagte Geschäftsführer Dirk Flege. Er verwies auf ein Rechtsgutachten, wonach für die Testfahrten ein von Bundestag und Bundesrat verabschiedetes Gesetz notwendig sei.

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  • Man sollte nicht alles glauben was geschrieben wird. Von 60 Tonnen Gesamtgewicht spricht in Deutschland kaum ein Mensch, weder das Verkehrsgewerbe noch das Verkehrsministerium, selbst der Artikel spricht von "können 60 Tonnen tragen", d. h. theoretisch ist das möglich, und nicht von "werden 60 Tonnen tragen". Dieses Gewicht wird regelmäßg von denen ins Feld geführt, die diese LKW verhindern möchten und dafür ein polemisches Argument suchen, auf das die Öffentlichkeit auf jeden Fall anspringt. Im Gespräch sind entweder 40 Tonnen, das haben heutige ganz reguläre Sattelzüge auch schon bzw. maximal 44 Tonnen. Und zur Info: Auch diese werden auf deutschen Straßen schon gefahren, nämlich im Vor- und Nachlauf zum kombinierten Verkehr, damit die dort eingesetzten Behälter und Container maximal ausgenutzt werden können. Und auch das Argument mit den längeren Überholvorgängen zieht nicht wirklich: da die LKW primär für mehrspurige Straßen vorgesehen sind, kann man getrost mit einer Geschwindigkeit von 120km/h des Überholenden rechnen. Wieviel Zeit die Passage der zusätzlichen 7 Meter LKW dauert, kann jeder selbst ausrechnen oder es wegen Geringfügigkeit gleich bleiben lassen.

  • Das ist absolut und mit Abstand das DÜMMSTE was seit langem aus dem Verkehrsministerium gekommen ist. Die Dinger sind brandgefährlich. Man stelle sich nur den üblichen LKW Unfall vor, wo ein voll beladener LKW ins Stauende rast, und das jetzt statt mit 40to mit 60to. Unfassbar, warum das Ministerium sowas genehmgen kann.

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