Flops der Autotechnik
Experte lehnt 42-Volt-Bordnetz ab

Während auf der IAA Zukunftstechnologie präsentiert wird, ist von einigen früher hoch gehandelten Erfindungen keine Rede mehr. So manche Entwicklung aus den Denkabteilungen der Autofirmen landete über kurz oder lang in einer Sackgasse.

HB FRANKFURT. Was niemand nachmacht, zu kompliziert ist und nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwindet, könne getrost als Flop der Automobilgeschichte gelten, meint der österreichische Automobiltechniker und Hochschullehrer Prof. Fritz Indra.

Nach dieser Definition hat es in den vergangenen Jahren eine Reihe von Flops gegeben. Zu den teuersten gehört das oft propagierte 3-Liter-Auto als sparsames und zugleich familientaugliches Fahrzeug. Die Produktion des Vorzeigemodells dieser Klasse, des Audi A2, wurde in diesem Sommer eingestellt, ohne dass es einen Nachfolger gibt.

Die aufwendige Technik macht solche Autos bisher nicht rentabel. "So genannte umweltschonende Fahrzeuge besitzen immer noch ein völlig unattraktives Preis-/Leistungsverhältnis", sagt der Leiter der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft, Wolfgang Meinig.

Marktkenner sehen noch andere Gründe: Der Zwang zur guten Aerodynamik führe zu einem gewöhnungsbedürftigen Design, und der hohe Luftdruck in schmalen Reifen beeinträchtige den Fahrkomfort. Dazu kämen enttäuschte Erwartungen, wenn die bei Prüffahrten ermittelten günstigen Verbrauchswerte im Alltagsbetrieb nicht zu erreichen seien.

Auch Elektro-Autos, die seit Jahrzehnten als Fahrzeuge für die Zukunft gepriesen wurden, haben sich bisher auf dem Markt nicht behaupten können. Die Nachteile liegen vor allem im hohen Preis und der begrenzten Haltbarkeit der Akkus. Langwieriges Nachladen und Komfortmängel haben dafür gesorgt, dass Elektroautos höchstens innerhalb von Werksgeländen oder von öffentlichen Unternehmen im Stadtverkehr eingesetzt werden, aber nur vereinzelt von Privatleuten.

In der persönlichen Hitliste der automobilen Irrwege des Wiener Hochschullehrers Fritz Indra stehen auch das stufenlose Getriebe (CVT), der Wankel-Motor und verschiedene mechanische Kompressoren für die Motoraufladung weit oben. Am Wankel-Motor, der nicht sehr sparsam ist und hohen Aufwand bei der Abgasreinigung erfordert, hält nur noch der japanische Hersteller Mazda in seinem Sportcoupé RX 8 fest.

Auch von der Weiterentwicklung der teuren, komplizierten und schweren CVT- Getriebe haben sich etliche Firmen nach und nach verabschiedet, von den großen Unternehmen sind nur noch Ford und Mercedes dabei.

Als Luftverdichter zur Leistungssteigerung der Motoren hat sich weltweit nur der Abgas-Turbolader durchgesetzt. Zahlreiche andere hoffnungsvolle Erfindungen wie der Druckwellen-, Spiral-, Flügelzellen- oder Roots-Lader, sind auf der Strecke geblieben.

Die Gefahr eines technischen Flops besteht immer dann, wenn die Systeme zu komplex werden. "Die wahre Kunst des Ingenieurs ist es, die Dinge einfach zu machen", sagt Indra, der als Motorenspezialist bei BMW, Audi und General Motors gearbeitet hat.

Deswegen glaubt er auch nicht, dass eines der wichtigsten Themen der Technik-Vordenker bei der IAA 2003 in diesem Jahr bei der Automobilausstellung noch eine große Rolle spielen wird: Das elektrische Bordnetz mit 42 statt bisher 12 Volt. Er hält es für zu kompliziert und zu teuer.

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