Ford Sierra
Auf den ersten Blick futuristisch, auf den zweiten klassisch

Mit seiner Optik passt der Ford Sierra vielleicht nicht in die Denke konservativer Oldtimer-Liebhaber. Doch gibt es Argumente, warum der Kölner als Meilenstein gelten darf.
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Mit 30 Jahren so alt wie ein Oldtimer – aber ein echter Klassiker? Diese Frage mag sich mancher beim Ford Sierra stellen. Die frühen Exemplare des Kölner Mittelklasse-Modells bekommen bereits ein H-Kennzeichen, auch wenn der Sierra – gebaut bis 1993 – noch gar nicht so lange aus dem Straßenbild verschwunden scheint. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Oldtimer Markt“ wird dem avantgardistischen Sierra sogar Klassiker-Potenzial attestiert.

Da wäre zum einen die damals revolutionäre Optik, die der Sierra Anfang der 1980er Jahre auf die Straßen brachte. Nach dem kantig-konservativen Vorgänger Taunus wirkte das Fließheck mit großer Heckklappe, aufgrund der aerodynamischen Vorteile Aeroheck genannt, zukunftsweisend. Ein Stufenheck war zunächst nicht eingeplant, erst mit der großen Modellpflege 1987 wurde es nachgereicht.

Die Form folgte der Funktion: Die Designer entwickelten zunächst eine windschlüpfrige Grundform, um auf deren Basis eine praxistaugliche Karosserie zu schaffen. Dank Fließheck, bündig verklebter Scheiben, integrierter Scheinwerfer und versteckter Kühlluftöffnungen erreichte der Sierra einen seinerzeit beachtlichen cW-Wert von 0,32. Dank seines abgerundeten Hecks schaffte auch der Kombi „Turnier“ diesen Wert.

Durch ein neues Rechnerverfahren konnten die Ingenieure zudem die auf die Karosserie einwirkenden Kräfte am Computer bestimmen und dadurch Blechstärken gezielt variieren. Zum ersten Mal war Ford damit in der Lage, vor dem eigentlichen Crashtest Unfälle mit einzelnen Komponenten virtuell simulieren. Während der Heckantrieb blieb, flog die Starrachse des Taunus auch hinten zugunsten einer Einzelradaufhängung raus.

Ebenfalls ihrer Zeit voraus war das 1,6-Liter-Vierzylinder-Triebwerk, das in der Economy-Version dank einer Black-Box, die aus 576 voreingestellten Positionen stets den optimalen Zündzeitpunkt ermittelte und so beim Spritsparen half. Eine Econo-Leuchte zeigte dem Fahrer, ob er noch auf Sparkurs war – heutzutage sind Schaltempfehlungen bei Neuwagen üblich.

Mehr als 2,7 Millionen Exemplare des futuristischen Sierra wurden gebaut, aber nur ein Bruchteil davon ist heute noch erhalten. Auch aus diesem Grund hat der Kölner nach Einschätzung der Experten von „Oldtimer Markt“ einen dauerhaften Platz in den Herzen der Oldtimer-Fans verdient.

Kommentare zu " Ford Sierra: Auf den ersten Blick futuristisch, auf den zweiten klassisch"

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  • Wie oft muß ich im Zusammenhang mit aerodynamischen Karosserien denn noch das Wort "wind-SCHLÜPFRIG" lesen. Es gibt schlüpfrige Witze, aber es gibt nur "schlüpfige" Karosserien. Was ist der Journalistenberuf auf den Hund gekommen, wenn sowas nicht mehr auffällt.

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