Formel 1-Kinofilm Rush
Anarcho Hunt vs. Analytiker Lauda

Das Duell der beiden charismatischen Formel-1-Piloten Niki Lauda und James Hunt bescherte der Königsklasse des Rennsports 1976 eine ihrer dramatischsten Spielzeiten. Der Film "Rush" erzählt diese Geschichte .
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DüsseldorfDie Rivalität herausragender Fahrer hat der Formel 1 zu allen Zeiten das Salz ihrer Suppe geliefert. Doch selten waren zwei Rivalen gegensätzlicher als 1976. James Hunt, das britische Supertalent, hatte bei McLaren endlich ein konkurrenzfähiges Team gefunden betrieb seinen Sport fast anarchisch. Der Österreicher Niki Lauda galt als analytisch, unnahbar. Der Engländer war Partylöwe, der Österreicher Pedant.

Lauda, bereits Titelverteidiger angetreten, dominierte im Ferrari 1976 die erste Hälfte der Saison. Nach seinem Feuerunfall auf dem Nürburgring konnte Hunt aufschließen und im Regenrennen von Japan mit einem Punkt Vorsprung den Titel erringen. Und das deshalb, weil der Österreicher wegen der indiskutablen Bedingungen seinen Ferrari in der zweiten Runde an der Box abgestellt hatte - trotz drei Punkten Vorsprung in der WM.

Hunt wie Lauda waren Kinder der Epoche, deren Junge und Wilde sich dem Motto „Sex and Drugs and Rock´n Roll“ verpflichtet fühlten. Der Brite war 1976 gerade 29 Jahre alt, Lauda war 27. Beide hatten es in ihrem Sport auf ganz unterschiedlichen Wegen an die Spitze gebracht. Ihre Gemeinsamkeit beschränkt sich aber auf den Bruch mit den jeweiligen Familien, um Rennen fahren zu können.

Seit Jahrzehnten thematisiert Hollywood in regelmäßigen Abständen den Motorsport. Eine Welt, in der die Protagonisten bei jeder Veranstaltung ihr Leben riskieren, scheint perfekt, um stetig dramatische Geschichten zu liefern. Doch in der Praxis brachte das Genre wenig Bemerkenswertes hervor.

Filme wie „Grand-Prix“ von John Frankenheimer von 1966 oder „Le Mans“, den Schauspiellegende Steve McQueen 1970 produzierte, zeichneten sich zwar durch atemberaubende Rennsequenzen aus, die auch heute noch durchaus sehenswert sind.

Doch die mageren Handlungsstränge um Leben, Liebe und Tod konnten sich nie auf ein Niveau erheben, dass mehr als reine Rennsportfans angesprochen hatte. Das knallige NASCAR-Spektakel „Tage des Donners“ von 1990 mit Tom Cruise war unerträglich rührselig und vorhersagbar. Der Rennfilm „Driven“ (mit Silvester Stallone und Til Schweiger) von 2001 gilt deswegen als bemerkenswert, weil er einer der schlechtesten Streifen überhaupt in der Filmgeschichte ist.

Dass „Rush“ so deutlich über seine Vorgänger hinausragt, ist dem Glücksfall zu verdanken, dass weder Drehbuchautor Peter Morgan („Die Queen“, „Stand der Dinge“) noch der mit zwei Oscars prämierte Regisseur Ron Howard („Apollo 13“, „A Beautiful Mind“, „Der Da Vinci-Code“) erklärte Rennsport-Fans sind.
Howard gestaltet ohne große digitale Effekte sehenswerte Bilder der Zeit und eher nebenbei auch des Rennsports, die für jüngere Menschen schon seltsam entrückt sind. Darüber hinaus standen ihm hervorragende Schauspieler zur Verfügung.

Der 30-jährige Australier Chris Hemsworth verkörpert den blonden Hunt als Liebling der Medien, Sponsoren und Frauen so überzeugend wie Daniel Brühl den kühlen, eher unnahbaren Lauda. Der 35-jährige Deutsche eignete sich in einem intensiven Sprachtraining den eigentlich unverwechselbaren Slang Laudas nahezu perfekt an.

„Rush“ ist somit ein Film, der auch Menschen anspricht, die nicht in der Nacht aufstehen, wenn die Formel 1 in Asien oder Australien antritt. Der Streifen unterhält auf hohem Niveau, bietet darstellerische Leistungen, die sich bereits für die nächste Oscar-Verleihung 2014 in Stellung bringen.

Darüber hinaus liefert der Film eine überzeugende Antwort auf die Frage, warum sich begabte, intelligente und erfolgreiche Menschen mit einer Tätigkeit identifizieren, die sie regelmäßig zwanghaft in ein filigranes Fahrzeug aus Aluminium mit 500-PS-Motoren lockt. In Rennmaschinen, die die uneingeschränkte Bereitschaft erfordern, das Leben zu riskieren.

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