Fragwürdige Umweltpolitik
USA benachteiligen deutsche Autobauer

Bis 2025 soll der Spritverbrauch von US-Fahrzeugen drastisch sinken. Bei genauem Hinsehen entpuppt sich das Gesetz als Hilfe für US-Autokonzerne. Kurz vor der Präsidentschaftswahl können Geländewagenhersteller aufatmen.
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New York, München, FrankfurtAls der US-Verkehrsminister im Mai vergangenen Jahres das VW-Werk in Chattanooga eröffnete, schlugen die Herzen der Manager des deutschen Autoherstellers höher. „Wenn ein Drittel der US-Autos mit Diesel fahren würde, könnten wir täglich 1,4 Millionen Fass Öl sparen“, sagte Ray LaHood. „So viel importieren wir jeden Tag aus Saudi-Arabien, das ist eine große Sache“.

Das waren neue Töne. Denn Diesel ist in den USA noch recht unbekannt. Deutsche Hersteller wie VW werben seit Jahren für die Technologie. In Washington brachten sie gute Argumente vor: Sowohl der Verbrauch als auch der Ausstoß von CO2 sinkt im Vergleich zu Benzinmotoren deutlich. Anscheinend waren sie bis in die höchsten Reihen der US-Regierung vorgedrungen. Doch die Hoffnung täuschte.

Als LaHood zusammen mit der Umweltbehördenchefin Lisa Jackson vor zwei Tagen eine Verschärfung der Verbrauchsvorschriften für Neuwagen vorstellte, war keine Rede von Diesel-Motoren. Dagegen erhalten Hersteller von Erdgas-Motoren und Elektroautos Vergünstigungen. Das ist vorteilhaft für GM und Ford mit ihren Elektroautos Chevron Volt und Ford Focus.

Besonders ärgerlich für Daimler oder VW: Die Regierung räumt großzügige Ausnahmen für spritschluckende Geländewagen und Pick-ups ein - die Verkaufsschlager der großen US-Produzenten. Der Frust ist groß. Seit November 2011 tobte in Washington ein Kampf der Lobbyisten um die Ausformulierung der Benzinverbrauchsvorschrift „Corporate Average Fuel Economy“ (CAFE).

Die Argumente für Diesel fanden bei der Umweltbehörde „Environmental Protection Agency“ (EPA) Gehör. Doch die Chefin Jackson konnte sich nicht gegen das Verkehrsministerium und Präsident Barack Obama durchsetzen. Die Entscheidung überrascht angesichts der Wahlen im November nicht wirklich. Auch besitzt die US-Regierung 26 Prozent an GM.

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Der stille Gewinner kommt aus Japan

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  • Statt zu lamentieren, könnte VW genau so still, wie Honda bereits Erdgas PKW verkauft, den im Konzern bereits vorhandenen Erdgasmotor(Euro-Passat und Touran) in den US-Passat und Jetta implementieren.

  • Was für ein sinnloser Artikel - überaus schlecht recherchiert auch noch...

    Schon mal die SULEV gelesen??? Nein? Dann dringend machen!

    Die Umweltnormen in den USA - vor allem Kalifornien - übertreffen die deutsche Euro6, die kaum ein Benziner - geschweige denn Diesel (ein paar Premiumfahrzeuge...aber in der Masse...)erfüllen.

    Somit sind viele Dieselfahrzeuge in Kalifornien gar nicht zulassungsfähig und werden in Nevada tageszugelassen, damit sie als Gebrauchtwagen rückgeführt werden können.

    Sind die Amis also mehr gagga als wir? Ich denke nicht.

    Und im Gegensatz zur europäischen Idioten-Spritverbrauchsnorm, die sowieso keiner in der Praxis erfüllen kann, gibt es unter fueleconomy.gov die Werte, die man in der Praxis erfüllen kann. Problemlos.

  • Natürlich nehmen Gesetze Rücksicht auf die eigenen Märkte und deren Akteure. Für deutsche Autounternehmen ist es überhaupt nicht schwierig, sich dem zu stellen.

    Das deutsche Verhalten bezogen auf die eigene Solarindustrie ist dagegen ein Bauernopfer der ganz besonderen Art. Nicht die Produktion wird abgesichert, sondern über Subventionen der Einsatz an sich, egal wo die Module produziert werden, die zur Anwendung kommen. Die Subventionsmodelle der hohen Strompreisvergütung für Solarmudulstrom bleiben; die Herkunft der Solarmodule hatte keinen Platz in der ideologischen Gleichung der Subventionspolitik.

    Deutsche Autohersteller können schnell reagieren, da es keine technologische Kunst ist, Erdgastanks um Verbrennungsmotoren zu konfigurieren, wenn der Kunde diese dann kaufen will. Geschäfte weren im Autohaus an der Basis getätigt. Auch in Deutschland könnte das Erdgasautogeschäft besser sein; ist es aber nicht. "Könnte und sollte" zählt leider nicht, sondern Verkaufserfolge. In manchen Dingen sind Kundenentscheidungen einer großen Trägheit ausgesetzt; auch das ist zu respektieren.

    USA ist reich an eigenem Erdgas; hierfür werden jetzt Absatzfelder gesucht. Autos können halt auch mit Erdgas fahren. US-Bürger mögen große Autos und Tanks lassen sich gut in große Autos unterbringen. US-Hersteller haben alle große Autos im Programm. Die USA haben aber auch extreme Klagemöglichkeiten; wenn Erdgasautos in den USA unsicher sind, wird kein Hersteller diese Lösungsvariante gerne aufgreifen. Erdgasautos müssen hier viel besser gegen Unfälle und Versagen abgesichert werden. Das kostet auch viel mehr. Jeder Unfall mit Negativfolgen werden Kunden zudem auch negativ beeinflußen.

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