Fünf Jahre Tata Nano
Der 2.000-Dollar-Flopp

Er sollte Indien mobil machen. Doch fünf Jahre nach seiner Markteinführung ist der Tata Nano ein Ladenhüter. Statt einer Millionen Fahrzeuge pro Jahr entstanden 230.000 Nano – insgesamt.
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Mumbay/IndienDer billigste Pkw der Welt bleibt ein Ladenhüter. Das Minimal-Auto Nano des indischen Autobauers Tata sollte seit 2008 für 2.000 Dollar (1.440 Euro) über sein Preis-Leistungsverhältnis die Massenmobilisierung auf dem Subkontinent ankurbeln. Statt einer Million Nanos pro Jahr entstanden insgesamt rund 230.000 Einheiten. Nun ist der Verkauf fast zum Erliegen gekommen. Der Hersteller setzt auf eine umfangreiche Modellpflege. Von einer exportfähigen Version, 2009 auf dem Genfer Autosalon für 2010 angekündigt, ist schon lange keine Rede mehr.

Das Fahrzeug ist rund 600 Kilo schwer, bietet Platz für vier Personen und besteht überwiegend aus geklebtem Kunststoff. Der Zweizylinder-Benzinmotor mit 623 ccm Hubraum leistet 35 PS. Der Nano sollte, frei von Komfort- und Sicherheitsausstattung, für 100.000 Rupien (1.440 Euro) erst den indischen Automarkt, später auch Europa aufrollen. Der maximal 105 km/h schnelle Viertürer mit vier Trommelbremsen und 30 Liter Gepäckraumvolumen scheiterte nicht zuletzt an der Wirklichkeit des Marktes. In den Augen der wachsenden indischen Mittelschicht gilt der Nano als nicht Status-tauglich. Zudem war der Preis von 100.000 Rupien nur für die ersten 100.000 Exemplare garantiert.

Inzwischen sind 50 Prozent Aufschlag auf rund 150.000 Rupien (2.160 Euro) fällig. Mit Klimaanlage und Fensterheber sind sogar 200.000 Rupien fällig. Im März hat Tata laut "Automotive News Europe" nur noch 1.507 Nanos verkauft. Mithin 86 Prozent weniger, verglichen mit den 10.475 Exemplaren vom März 2012. Nun will der Hersteller mit einer umfangreichen Modellpflege die Nachfrage ankurbeln. Doch damit steigen die Kosten jedoch auf rund 250.000 Rupien (3.600 Euro).

Tata-Chef Ratan Tata wird sich vom Nano-Flopp nicht irritieren lassen. Der 75-jährige Ur-Enkel des Firmen-Gründers Jamsetji Tata (1839 - 1904) gebietet über 350.000 Mitarbeiter in seinem riesigen Mischkonzern, der 2011 rund 83,3 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftete. 2008 kaufte Tata Motors für 2,3 Milliarden Dollar Jaguar und Land Rover von Ford. Seitdem sind beide Marken so erfolgreich und profitabel wie nie zuvor in ihrer Geschichte

Kommentare zu " Fünf Jahre Tata Nano: Der 2.000-Dollar-Flopp"

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  • Wenn ich mir hier einige Kommentare so durchlese, dann kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln!
    Der "Nano" wurde für einfache Leute gebaut, die sich teurere Autos nicht leisten können!
    Der "Nano" ist quasi eine "Ente" oder der "Käfer" der Inder...
    Offensichtlich hat hier die Marktstrategie versagt, oder besser der Geldbeutel der einfachen Leute in Indien; der Anteil der einfachen Leute in Indien, die sich ein solches Auto leisten können, ist überwältigend!
    Da kann man keine Maßstäbe des Westens ansätzen!
    Die meisten Kommentatoren hier haben von der Automotive keine Ahnung, aber jede Menge davon!
    Kopfschüttel!!!

  • Indiens Straßenverkehr ist ebenso krass unterschich wie die Lebensverhältnisse: Ganz arm oder relativ bis immens reich.
    Ganz arm sind die "Rikscha"-Fahrer mit ihren dreirädrigen Mopedautos, hinten drei Sitzplätze oder jede Menge Koffer plus 2 Sitze. Fahren dort in Unmengen für 10 Rp (8 ct) pro Kilometer überallhin in der Stadt. Alles ist offen (nur überdacht mit Plastikdach, auch bei Hitze klimatisch angenehm (nur der Staub und Qualm ist furchtbar).
    Der Rest der Autos sind Mittelklassewagen aufwärts.
    Ein "Nano" von Tata passt da nicht rein (noch nicht?), in Indien ist man entweder ganz arm oder reich (weil die andere Hälfte arm ist, natürlich). Die neue Schicht (intelligente junge Menschen) ist noch zu klein. Und wegen des Leichtbaues auch zu gefährlich für Straßen außerhalb der Städte - da wird ziemlich heftig zu schnell gefahren....

    30 Liter Gepäckraumvolumen sind übrigens auch zu wenig....

  • Nicht mal der Inder will mit so einer Amöbe fahren. Im Grunde ist das auch kein Auto sondern ein 4-rädriges Moped mit Dach.

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